Irans Angriffe auf Kuwait und Bahrain: ein Toter und mehr als 60 Verletzte am Flughafen Kuwait
Berlin, 04. Juni 2026
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Kurzfassung
Irans Revolutionsgarden haben in der Nacht zum Mittwoch Kuwait und Bahrain mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Dabei wurde am Flughafen Kuwait International ein Mensch getötet und mehr als 60 weitere verletzt. Die US-Streitkräfte erklärten, mehrere Angriffe abgewehrt und ihrerseits Ziele auf der iranischen Insel Qeshm attackiert zu haben.
Irans Revolutionsgarden haben in der Nacht zum Mittwoch Ziele in Kuwait und Bahrain mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen, wobei am Flughafen Kuwait International ein Mensch getötet und mindestens 63 weitere verletzt wurden.
Angriff auf Kuwait und Bahrain in der Nacht
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten auf Telegram, sie h den Luftwaffenstützpunkt Ali al-Salem in Kuwait sowie das Hauptquartier der Fünften US-Flotte in Bahrain ins Visier genommen. Nach Angaben der kuwaitischen Streitkräfte wurden seit Tagesanbruch 13 ballistische Raketen und 17 Drohnen aus dem Iran auf das Emirat abgefeuert. Die kuwaitische Luftabwehr habe 13 Raketen und 17 Drohnen abgefangen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Der Luftwaffenstützpunkt Ali al-Salem liegt rund 60 Kilometer vom Flughafen der Hauptstadt entfernt.
Am Flughafen Kuwait International wurde nach offiziellen Angaben mindestens ein Mensch getötet, weitere 63 wurden verletzt. Wie ein Sprecher des kuwaitischen Gesundheitsministeriums mitteilte, zählten zu den Verletzten Zivilisten, Flughafenmitarbeiter und Reisende. Bei den Verletzungen handelte es sich demnach um Kopfverletzungen, Hirnblutungen, Amputationen und Verletzungen infolge von Explosionen. Sieben Betroffene mussten sich nach Angaben aus Kuwait einer Notoperation unterziehen.
Lage am Flughafen Kuwait International
Nach Angaben der indischen Botschaft handelte es sich bei dem Todesopfer um einen indischen Staatsangehörigen. Bilder und Videoaufnahmen aus dem Anschluss an den Angriff zeigten eine zerstörte Flughafenhalle, dichten Rauch und Feuer. Im Passagierbereich des Terminals 1 kam es kuwaitischen Angaben zufolge zu schweren Sachschäden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Kuna meldete, trafen iranische Raketen und Drohnen das Flughafengebäude und beschädigten mehrere Einrichtungen.
Laut Kuwaits Zivilluftfahrtbehörde wurden alle für den Mittwoch geplanten Flüge ausgesetzt oder auf andere Flughäfen umgeleitet. Am Flughafen, der erst am Montag nach mehreren früheren Angriffen den Betrieb vollständig wieder aufgenommen hatte, wurde ein Notfallplan aktiviert. Nach Stunden lief der Betrieb zunächst nur von Terminal 4 aus schrittweise wieder an. Die staatliche Fluggesellschaft Kuwait Airways kündigte an, der Flugbetrieb werde "sehr bald" wieder vollständig aufgenommen. Der Vorsitzende von Kuwait Airways, Abdelmohsen al-Fakan, sagte dem katarischen Fernsehsender Al-Araby, der Flughafen werde "sehr bald" wieder öffnen, sämtliche Flüge würden wieder normal laufen.
Auslöser: US-Angriff auf Öltanker
Die iranischen Revolutionsgarden sprachen im Zusammenhang mit den Angriffen von "Vergeltungsschlägen". Zuvor hatten die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben am Dienstag vor der für den Ölexport des Iran wichtigen Insel Charg einen unbeladenen Öltanker angegriffen. Der Öltanker soll laut US-Streitkräften versucht haben, trotz der US-Blockade einen iranischen Hafen anzulaufen. Das Schiff habe Warnungen ignoriert und sei letztlich mit einer Rakete außer Gefecht gesetzt worden, hieß es vom US-Militär. Wenig später flogen iranische Raketen und Drohnen Angriffe auf Kuwait und Bahrain.
Das US-Militär erklärte, man habe in Kuwait und Bahrain eine "Welle" iranischer Drohnen abgewehrt. Nach Angaben des für den Nahen Osten zuständigen US-Regionalkommandos Centcom wurden mehrere ballistische Raketen und Drohnen abgefangen, die verschiedene Ziele in der Golfregion anvisierten. Es seien keine US-Soldaten verletzt worden, erklärte Centcom weiter. Zwei auf Kuwait abgefeuerte iranische Raketen verfehlten ihr Ziel oder zerbrachen während des Fluges, und drei auf Bahrain abgefeuerte Raketen wurden sofort von der Flugabwehr der USA und Bahrains abgefangen. Auch habe die US-Marine drei Drohnen abgeschossen, die Iran auf zivile Schiffe in den regionalen Gewässern abgefeuert habe.
Behauptungen der iranischen Revolutionsgarden, in Bahrain das Hauptquartier der US-Marine im Nahen Osten sowie einen US-Luftwaffenstützpunkt in der Region mit Raketen und Drohnen getroffen zu haben, dementierte Centcom. Alle iranischen Angriffe auf US-Streitkräfte seien gescheitert. Nach Angaben aus Washington konnte die Darstellung der US-Streitkräfte zu den Ereignissen der Nacht zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
US-Antwort: Schlag gegen Insel Qeshm
Als Reaktion auf die iranischen Angriffe führten die USA und ihre Verbündeten einen "Selbstverteidigungsangriff" auf die iranische Insel Qeshm nahe der Straße von Hormus durch. Das US-Militär wiederum griff eine iranische Militäreinrichtung auf der Insel Qeshm in der Straße von Hormus an. Ziel der iranischen Angriffe waren nach Angaben aus Teheran US-Militärstützpunkte in den Staaten am Persischen Golf. Centcom erklärte, der Waffenstillstand zwischen Iran und den USA bleibe trotz der Angriffe in Kraft. Man bleibe bereit, sich gegen "unprovozierte iranische Aggressionen zu verteidigen", hieß es vom für den Nahen Osten zuständigen US-Regionalkommando.
Ein iranischer Militärsprecher bestätigte auf der Plattform X Vergeltungsschläge durch die Revolutionsgarden. Jede Bedrohung der Sicherheit der Straße von Hormuz werde das US-Militär "teuer zu stehen kommen", warnte er. Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist. Die USA wollen eine uneingeschränkte Wiederöffnung der Straße von Hormuz erreichen. Die USA haben eine Seeblockade verhängt, um iranische Ölexporte zu unterbinden.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums machte Kuwait und Bahrain für die US-Angriffe auf den Iran verantwortlich. Teheran betonte "die direkte und unmissverständliche Verantwortung der Führungen von Kuwait und Bahrain". Das Ministerium verurteilte "die kolonialistische Nutzung des Territoriums und der Infrastruktur der Länder in der Region durch die USA" für Angriffe. Mohsen Rezai, militärischer Berater des iranischen Obersten Führers, drohte auf X mit weiteren iranischen Raketen- und Drohnenangriffen, falls die USA den Iran weiterhin angreifen sollten: "Jeder abgefeuerte Schuss und jeder Angriff wird mit einer Flut von Raketen und Drohnen beantwortet werden. Der Aggressor wird umgehend bestraft werden."
Diplomatische Reaktionen und Drohungen
Kuwait wies die Vorwürfe zurück und erklärte, von seinem Territorium aus keine US-Angriffe zuzulassen. Das kuwaitische Außenministerium kündigte an, zwei Mitglieder der iranischen Botschaft zu unerwünschten Personen zu erklären und ihnen eine Frist von 24 Stunden zum Verlassen des Landes zu setzen. Die Zahl der Mitarbeiter der iranischen Botschaft in dem Emirat solle reduziert werden, teilte das Ministerium auf X mit. Der amtierende Geschäftsträger der iranischen Botschaft in Kuwait sei ins Außenministerium einbestellt und mit einer förmlichen Protestnote übergeben worden. Die Entscheidung sei aufgrund der fortgesetzten und schweren iranischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen getroffen worden.
Das kuwaitische Verteidigungsministerium bezeichnete die Attacke als "kriminelle iranische Aggression". Kuwaits Streitkräfte erklärten sich bereit, "jegliche Schritte" zum Schutz der Sicherheit und Stabilität des Golfstaates zu unternehmen. Anwar Gargash, ein hochrangiger Diplomat der Vereinigten Arabischen Emirate, rief die arabischen Golfstaaten zu "einer festen, einheitlichen und geschlossenen Golf-Position" auf. "Diese Aggression richtet sich nicht gegen einen bestimmten Staat, sondern gegen uns alle", schrieb Gargash.
Die Bundesregierung verurteilte die erneuten iranischen Angriffe auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte: "Angriffe auf Unbeteiligte und insbesondere auf zivile Infrastruktur seien in keiner Weise hinnehmbar und müssten sofort eingestellt werden." Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verurteilte die jüngsten iranischen Angriffe auf Ziele in der Golfregion scharf. Die Angriffe richteten sich "gegen den Friedensprozess" und "gegen unbeteiligte Dritte", sagte Wadephul.
Stockende Verhandlungen zwischen USA und Iran
Der jüngste Schlagabtausch erfolgte vor dem Hintergrund stockender Verhandlungen um ein Rahmenabkommen, mit dem der Krieg beendet und die Straße von Hormuz wieder für die Schifffahrt geöffnet werden soll. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag ungeachtet gegenteiliger Aussagen aus dem Iran bekräftigt, dass die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zum Iran-Krieg andauern. "Fake-News-Berichte, wonach die Islamische Republik Iran und die USA vor einigen Tagen die Gespräche eingestellt hätten, sind falsch und irreführend", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Er habe dem Iran mitgeteilt, es sei an der Zeit, "auf die eine oder andere Weise einen Deal abzuschließen". Trump stellte am Mittwoch ein Treffen mit dem geistlichen Oberhaupt im Iran, Modschtaba Chamenei, in Aussicht, sollten die Verhandlungen erfolgreich verlaufen.
Die iranische Nachrichtenagentur Fars, die den Revolutionsgarden nahesteht, meldete indes, dass seit mehreren Tagen keine Gespräche zwischen Teheran und Washington stattgefunden hätten. Die iranische Agentur Tasnim berichtete am Montag ähnlich und verwies auf den andauernden Krieg Israels gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Der iranische Chefunterhändler und Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte, er habe in einem Gespräch mit dem libanesischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri Irans Bereitschaft zu erneuten Angriffen signalisiert: "Ich habe betont, dass wir, sollten die Verbrechen des zionistischen Regimes in Libanon weitergehen, nicht nur die Verhandlungen unterbrechen, sondern uns auch dagegen stellen werden." Iran besteht seit Beginn der Verhandlungen darauf, dass ein Waffenstillstand mit den USA auch ein Ende der Kämpfe im Libanon einschließen müsse.
Trotz laufender Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran war der Schlagabtausch einer der schwersten seit Beginn des Waffenstillstands am 8. April. Nach Angaben des kuwaitischen Militärs wurden seit Tagesanbruch 13 iranische ballistische Raketen und 17 iranische Drohnen auf Kuwait abgefeuert. Zudem seien in Bahrain in der Nacht Explosionen zu hören und Sirenen ertönt, berichtete ein AFP-Korrespondent. Laut Kuwait waren zwei Dutzend Krankenwagen im Einsatz, um die Opfer zu versorgen und in Spitäler zu bringen. Der Flughafen hatte erst am Montag nach mehreren iranischen Angriffen während des Iran-Kriegs den Betrieb vollständig wieder aufgenommen. Diese Nachricht wurde am 03.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Wer ist für den Angriff auf den Flughafen Kuwait verantwortlich?
Die iranischen Revolutionsgarden beanspruchten die Angriffe auf Kuwait und Bahrain als Vergeltungsschläge für US-Angriffe auf einen Öltanker und die Insel Qeshm. Sie erklärten, sie hätten unter anderem den Luftwaffenstützpunkt Ali al-Salem in Kuwait angegriffen.
Wie viele Menschen wurden am Flughafen Kuwait verletzt?
Nach Angaben des kuwaitischen Gesundheitsministeriums wurde mindestens ein Mensch getötet – ein indischer Staatsangehöriger – und 63 weitere Personen verletzt, darunter Zivilisten, Flughafenmitarbeiter und Reisende.
Wie haben die USA auf den iranischen Angriff reagiert?
Das US-Militärkommando Centcom erklärte, man habe mehrere iranische Raketen und Drohnen abgefangen. Als Reaktion führten die USA einen Selbstverteidigungsangriff auf die iranische Insel Qeshm in der Straße von Hormus durch.