Teppich von Bayeux nach fast tausend Jahren erstmals in England
London, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach fast tausend Jahren ist der legendäre Teppich von Bayeux erstmals wieder in England. Das gut 70 Meter lange mittelalterliche Kunstwerk wurde unter Polizeischutz durch den Ärmelkanal ins British Museum transportiert und ist dort ab Mitte September zu sehen.
Der mittelalterliche Teppich von Bayeux ist in der Nacht zum Freitag im British Museum in London eingetroffen und damit erstmals seit seiner Entstehung vor fast tausend Jahren wieder auf englischem Boden.
Ankunft im British Museum
Das gut 70 Meter lange und mehr als 950 Jahre alte Kunstwerk war am Donnerstag in der nordfranzösischen Kleinstadt Bayeux in einem Hightech-Behälter verpackt worden. Der Behälter ist nach Angaben von beteiligten Experten so konstruiert, dass er Vibrationen abschirmt und Luftfeuchtigkeit und Temperatur konstant hält. Anschließend wurde der Container unter Polizeischutz in einem klimatisierten Lastwagen durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien gefahren.
Die Direktorin für Kulturerbe und Architektur im französischen Kulturministerium, Delphine Christophe, war extra im Konvoi unterwegs, der hinter dem LKW mit dem Teppich durch den Kanaltunnel fuhr. Sie versicherte, dass der Transport "sehr gut verlaufen" sei. "Wir sind vollkommen zuversichtlich, dass der Teppich unter den bestmöglichen konservatorischen Bedingungen gereist ist", sagte Christophe laut der Nachrichtenagentur PA.
In der Nacht auf Freitag wurde der extrem zerbrechliche Wandteppich unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und mit äußerster Vorsicht in einer besonderen Kiste mit schützendem Rahmen ins Londoner British Museum gebracht. AFP-Reporter beobachteten am frühen Freitagmorgen, wie der Teppich im Museum abgeladen wurde. Die britische Kulturministerin Lisa Nandy sprach laut der Nachrichtenagentur PA von einem "historischen Moment".
Ein Meisterwerk des Mittelalters
Der Direktor des British Museum, Nicholas Cullinan, bezeichnete den Transport als "gewaltige Leistung". "Dies war eine gewaltige Leistung von Mitarbeitern des British Museum und unseren Partnern in Großbritannien und Frankreich", sagte Cullinan laut PA. Der Museumsdirektor sprach zudem von einem "einzigartigen Moment".
Der Teppich von Bayeux erzählt in 58 Szenen die Geschichte der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066. Dargestellt ist der Sieg Wilhelms des Eroberers über den englischen König Harold II. in der Schlacht von Hastings. Abgebildet sind mehr als 600 Menschen, 200 Pferde, rund 550 andere Tiere sowie 40 Schiffe. Das Werk gilt als eines der wichtigsten Bildzeugnisse des Hochmittelalters.
Der Teppich ist Eigentum des französischen Staates und wird seit 1983 im Wandteppich-Museum in Bayeux in der Normandie aufbewahrt. Seit 2007 gehört er zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. Er wurde vermutlich im Jahr 1082 in Südengland geschaffen, also dort, wo er nun erstmals seit seiner Entstehung wieder zu sehen sein wird.
Diplomatische Geste zwischen Paris und London
Die Leihgabe war im vergangenen Jahr von Frankreich und Großbritannien verkündet worden. Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Ausleihe in einem Beitrag für die Zeitung The Times als "greifbaren Ausdruck einer langjährigen Freundschaft". Sie zeige, was Frankreich und Großbritannien "erreichen können, wenn sie ihre Kräfte bündeln", sagte Macron. Die Leihgabe gilt als diplomatische Geste zur Bekräftigung der französisch-britischen Freundschaft.
Großbritannien hatte bereits 1953 und 1966 um eine Ausleihe gebeten. Nun wurde der Transport in einer aufwendigen Aktion realisiert. Seit der Ankündigung fanden mehrere Testläufe statt, darunter einer mit einer maßstabsgetreuen Nachbildung des Teppichs. Der britische Diplomat Peter Ricketts, der auf britischer Seite für den Transport verantwortlich ist, sagte laut PA, die enorme Versicherungssumme "unterstreicht nur, wie ernst es uns damit ist, sicherzustellen, dass das Werk in gutem Zustand zurückkehrt".
Risiken und Sicherheitsvorkehrungen
Die britische Regierung hatte eine Versicherungssumme von geschätzt 800 Millionen Pfund, umgerechnet über 900 Millionen Euro, zugesagt, falls das Kunstwerk schwer beschädigt werden sollte. Eine Studie aus dem Jahr 2021 hatte zuvor auf "Risiken" beim Transport hingewiesen. Auch deshalb hatte sich zuletzt Widerstand bei Kunstexperten und Restauratoren geregt. Gewarnt wurde wegen des fragilen Zustandes des Teppichs, der beim Transport beschädigt werden könnte.
Der Teppich weist 30 Risse und nahezu 10.000 Löcher auf und gilt als enorm fragil. Im British Museum wird er ab dem 10. September in einer eigens angefertigten flachen Vitrine zu sehen sein. Die Ausstellung läuft bis Juli 2027. Beim Vorverkaufsstart Anfang Juli waren alle Tickets innerhalb von 24 Stunden vergriffen, insgesamt verkaufte das British Museum 100.000 Karten in kurzer Zeit.
Eine bewegte Geschichte
Die Geschichte des Teppichs ist von zahlreichen Wendungen geprägt. Im späten Mittelalter wurde er alljährlich in der Kathedrale von Bayeux zur Schau gestellt. In der Französischen Revolution verhinderte nur das Eingreifen eines kundigen Bürgers, dass das unersetzliche Kunstwerk 1792 als gewöhnliche Wagenplane für einen Militärtransport endete. 1794 kamen Kunstverständige einem Kleinschneiden für Deko-Zwecke zuvor.
1803 ließ Napoléon den Teppich als Propagandamaterial für seinen geplanten England-Feldzug nach Paris bringen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Wandteppich von den Besatzern aus Nazi-Deutschland erneut ideologisch missbraucht und abtransportiert, diesmal, um eine angebliche kämpferische und rassische Überlegenheit nordisch-arischer Völker zu belegen. Auf Irrwegen gelangte er erneut in den Pariser Louvre und 1945 wieder zurück nach Bayeux.
Die Verpackung in Bayeux am Donnerstag und der Transport durch den Kanaltunnel waren von Spekulationen begleitet. Vorher war tagelang darüber spekuliert worden, wann das empfindliche Objekt wohl auf die Reise geht. Am Donnerstagabend verließ der bestickte Teppich schließlich die Normandie. Die Direktorin Christophe zeigte sich nach der Ankunft erleichtert über den reibungslosen Verlauf.
Die Ausstellung im British Museum gilt als kulturelles Großereignis. Die Kombination aus historischer Bedeutung, der Zerbrechlichkeit des Objekts und der symbolischen Geste zwischen zwei ehemaligen Rivalen verleiht der Leihgabe eine besondere politische und kulturelle Dimension. Beobachter werten den Transport als Zeichen der Entspannung in den französisch-britischen Beziehungen.
Ausstellung ab September
Mit der Eröffnung im September wird das British Museum nach eigenen Angaben einen der meistbesuchten Ausstellungsorte Europas um ein weiteres Highlight ergänzen. Die Organisatoren rechnen mit einem anhaltend großen Publikumsinteresse, zumal die Tickets bereits Wochen vor Eröffnung ausverkauft waren.
Die Nachricht über die Ankunft des Teppichs wurde am 10. Juli 2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. AFP-Reporter hatten die Ankunft am frühen Morgen im British Museum dokumentiert. Damit ist der Teppich von Bayeux nach fast tausend Jahren erstmals wieder in England angekommen, wo er einst vermutlich im Jahr 1082 entstanden war.
Die Leihgabe gilt als diplomatische Geste zur Bekräftigung der französisch-britischen Freundschaft und als greifbarer Ausdruck einer langjährigen Verbindung zwischen den beiden Ländern. Beobachter sehen in dem Transport ein Symbol für die kulturelle Zusammenarbeit über den Ärmelkanal hinweg.
Mit der Ausstellung im British Museum wird der Teppich von Bayeux einem breiten britischen und internationalen Publikum zugänglich gemacht. Die Organisatoren betonen, dass die Leihgabe nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen französischen und britischen Experten möglich wurde.
Die Rückkehr des Teppichs nach Frankreich ist für Juli 2027 vorgesehen. Bis dahin wird das Werk in der eigens angefertigten flachen Vitrine im British Museum zu sehen sein. Die Veranstalter erwarten, dass die Ausstellung zu den meistbesuchten Kulturereignissen des Jahres zählen wird.
Fragen & Antworten
Was ist der Teppich von Bayeux?
Der Teppich von Bayeux ist ein etwa 70 Meter langes mittelalterliches Kunstwerk aus dem 11. Jahrhundert, das in 58 Szenen die normannische Eroberung Englands im Jahr 1066 darstellt. Er gilt als eines der wichtigsten Bildzeugnisse des Hochmittelalters und gehört seit 2007 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.
Warum wird der Teppich nach London ausgeliehen?
Die Leihgabe wurde im vergangenen Jahr von Frankreich und Großbritannien angekündigt und gilt als diplomatische Geste zur Bekräftigung der französisch-britischen Freundschaft. Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete sie als greifbaren Ausdruck einer langjährigen Verbindung zwischen den beiden Ländern.
Ab wann ist der Teppich im British Museum zu sehen?
Der Teppich wird ab dem 10. September 2026 in einer eigens angefertigten flachen Vitrine im British Museum in London ausgestellt. Die Ausstellung läuft bis Juli 2027, und alle Tickets waren bereits beim Vorverkaufsstart Anfang Juli innerhalb von 24 Stunden vergriffen.
Teppich von Bayeux in London: Leihgabe im British Museum | finanz360