Südkorea: Milliardenprogramm für Chips und KI vorgestellt | finanz360
Südkorea kündigt milliardenschweres Chip- und KI-Investitionsprogramm an
Seoul, 29. Juni 2026
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Kurzfassung
Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hat ein milliardenschweres Investitionsprogramm angekündigt, mit dem das Land seine Halbleiter- und KI-Industrie massiv ausbauen will. Samsung und SK Hynix planen gemeinsam Investitionen von bis zu umgerechnet rund 1,3 Billionen US-Dollar über das kommende Jahrzehnt.
Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hat am 29. Juni 2026 in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache in Seoul ein groß angelegtes Investitionsprogramm angekündigt, mit dem das Land seine Stellung in der Halbleiterproduktion und bei Künstlicher Intelligenz deutlich stärken will.
Drei Säulen für den Sprung nach vorn
Mit dem Programm sollen nach Angaben des Präsidenten die Weichen für ein „neues Kapitel in der Geschichte Koreas“ gestellt werden. Im Zentrum stehen drei Bereiche, die Lee Jae-myung als „dreifache Achse für unseren großen Sprung nach vorn“ bezeichnete: Halbleiter, physische KI und KI-Rechenzentren. Lee kündigte an: „Wir müssen die Kernelemente der Künstlichen Intelligenz schneller als jedes andere Land sichern.“
Die Chefs von Samsung Electronics und SK Hynix waren bei der Präsentation im Präsidentenamt anwesend. Wie aus Berichten von CNBC und anderen Medien hervorgeht, sollen beide Konzerne gemeinsam ein Halbleiter-Ökosystem im Wert von rund 800 Billionen südkoreanischen Won aufbauen, umgerechnet etwa 454,4 Milliarden Euro. Damit verbunden ist der Bau neuer, großer Chipcluster im Südwesten des Landes, die bisher wirtschaftlich weniger stark erschlossen ist als der Großraum Seoul.
Einem Bericht des Korea Economic Daily zufolge summieren sich die Vorhaben beider Konzerne über das kommende Jahrzehnt auf bis zu 2.000 Billionen Won, umgerechnet rund 1,3 Billionen US-Dollar. Davon entfallen den Berichten zufolge rund 1.000 Billionen Won auf Samsung – etwa 646 Milliarden US-Dollar – und eine ähnlich große Summe auf SK Hynix. Bereits ein einzelnes Werk koste laut Korea JoongAng Daily mindestens 60 Billionen Won, rund 40 Milliarden US-Dollar. Der Schwerpunkt der Investitionen verschiebt sich dabei von der Endfertigung der Chips hin zur besonders kapitalintensiven Wafer-Produktion.
Cluster im Südwesten: Gwangju und Süd-Jeolla als Zentren
Die Stadt Gwangju und die Provinz Süd-Jeolla haben angekündigt, zwischen 5 Billionen Won (etwa 2,8 Milliarden Euro) und 20 Billionen Won (etwa 11,4 Milliarden Euro) selbst zu investieren. Medienberichten zufolge könnten die Gesamtinvestitionen in den kommenden Jahren sogar eine Billiarde Won, umgerechnet rund 569 Milliarden Euro, übersteigen. Mit den Mitteln sollen Halbleiterfabriken, KI-Rechenzentren, moderne Verpackungstechnologien, Batterien und Displays entstehen.
Hintergrund des Programms ist das Bestreben der Regierung, die starke wirtschaftliche Konzentration im Großraum Seoul aufzubrechen und die Regionen außerhalb der Hauptstadt stärker einzubinden. Gleichzeitig will Seoul mit dem Programm die heimischen Lieferketten absichern und technologische Souveränität erreichen. Die Chipindustrie ist für die exportabhängige südkoreanische Wirtschaft von entscheidender Bedeutung, da die beiden Hersteller zu den weltweit größten Produzenten von Speicherchips gehören.
Samsung und SK Hynix: Die treibenden Konzerne
Samsung hatte bereits vor der Präsidentenansprache langfristige Investitionen in Höhe von einer Quadrillion Won, umgerechnet rund 568,7 Milliarden Euro, für die 2030er-Jahre angekündigt. SK Hynix seinerseits hatte ebenfalls einen Ausbau seiner Produktionskapazitäten bekannt gegeben. SK Hynix ist nach übereinstimmenden Berichten mittlerweile der wertvollste Konzern Südkoreas und hat damit Samsung vom Spitzenplatz verdrängt. Das Unternehmen gilt als wichtigster Lieferant von High-Bandwidth-Memory-Chips, kurz HBM-Chips, die für Nvidia und andere KI-Spezialisten unverzichtbar sind.
Die wachsende Nachfrage nach Hochleistungsspeicherchips treibt das Geschäft beider Konzerne. Cloud-Anbieter und KI-Unternehmen bauen ihre Infrastruktur derzeit massiv aus, wovon Samsung und SK Hynix profitieren. Mit den angekündigten Milliardeninvestitionen will die Regierung sicherstellen, dass südkoreanische Unternehmen ihre führende Stellung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz behaupten und ausbauen können. Samsung verspricht sich von seinen Investitionen zudem, den technologischen Rückstand gegenüber dem Rivalen SK Hynix zu verringern.
Beschleunigte Genehmigungen und Bürokratieabbau
Südkoreas Handels-, Industrie- und Energieminister Jung-Kwan Kim kündigte an: „Wir werden unsere Produktionskapazitäten rasch ausbauen, indem wir den Zeitrahmen von der Genehmigung bis zur Fertigstellung drastisch verkürzen.“ Damit soll der Bürokratieabbau das ehrgeizige Vorhaben absichern. Die Initiative verschärft zugleich den weltweiten Wettlauf um die Vorherrschaft in der Halbleiterindustrie, in dem auch die Europäische Union mit Subventionsprogrammen versucht, ihre Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten zu reduzieren.
An der Börse sorgten die Ankündigungen allerdings für Verunsicherung. Am Tag der Präsentation verlor die Samsung-Aktie an der Korea Exchange zeitweise 3,87 Prozent auf 326.000 Won, die SK-Hynix-Aktie gab um 1,35 Prozent auf 2.637.000 Won nach. Beobachter verwiesen darauf, dass die Finanzierung der gewaltigen Summen und die Frage, was am Ende für die Aktionäre übrig bleibe, im Zentrum der Diskussion stehen. Präsidialberater Kim Yong-beom nannte die erwarteten Zahlen vorab „sehr ungewöhnlich“; die Regierung selbst stufte die Summen als ungewöhnlich hoch ein.
Verunsicherung an der Börse
Zudem bleibt nach Einschätzung von Beobachtern offen, ob aus der angekündigten Billionensumme tatsächlich eine verbindliche Zusage wird oder lediglich eine Absichtserklärung. Die kursierenden Schätzungen reichen von 900 Billionen Won allein für den Cluster im Südwesten bis hin zu den 2.000 Billionen Won für sämtliche Konzernpläne. Bei Samsung kommt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap zusätzlich ein geplanter Aktienrückkauf über rund 90 Billionen Won hinzu, der vom Vorstand allerdings noch nicht bestätigt wurde.
Kritiker äußern Zweifel, ob die eher ländlich geprägte Südwestregion die nötige Infrastruktur für ein Projekt dieser Größenordnung bereitstellen kann. Auch die Frage, ob dort ausreichend qualifizierte Fachkräfte angezogen werden können, sei bislang ungeklärt. Einige Beobachter werten den Plan zudem als Versuch des Präsidenten, seine Beliebtheit außerhalb des Großraums Seoul zu stärken.
Kritik: Infrastruktur, Fachkräfte, politische Motive
Die Bedeutung der Chipbranche für Südkorea lässt sich kaum überschätzen. Das Land gehört zu den wichtigsten Produktionsstandorten für Speicherchips weltweit, und die Halbleiterindustrie trägt einen erheblichen Teil zu den Exporten bei. Mit dem angekündigten Programm will Seoul seine Position in einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts sichern und sich gegen Konkurrenten in Asien, Nordamerika und Europa behaupten.
Das Vorhaben reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Industriepolitik-Initiativen weltweit. Während die Europäische Union mit Subventionen den Ausbau der heimischen Chipfertigung vorantreibt, setzen die USA auf das CHIPS Act und ähnliche Programme. Südkorea verfolgt mit der jetzigen Ansage das Ziel, in diesem Wettbewerb vorne mitzuspielen und zugleich seine Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu verringern.
Südkorea im globalen Chip-Wettlauf
Insgesamt zeigt die Ankündigung, dass Seoul bereit ist, im globalen Tech-Wettlauf enorme Summen zu mobilisieren. Ob die Investitionen wie geplant umgesetzt werden können, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Schon jetzt aber dürfte das Programm die Dynamik im weltweiten Halbleitermarkt weiter verstärken.
Fragen & Antworten
Was hat Präsident Lee Jae-myung am 29. Juni 2026 angekündigt?
Lee Jae-myung kündigte in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache in Seoul ein groß angelegtes Investitionsprogramm für die Halbleiter- und KI-Industrie an, das unter anderem den Bau neuer Chipcluster im Südwesten des Landes umfasst.
Wie viel wollen Samsung und SK Hynix investieren?
Nach Berichten des Korea Economic Daily summieren sich die Vorhaben beider Konzerne über das kommende Jahrzehnt auf bis zu 2.000 Billionen Won, umgerechnet rund 1,3 Billionen US-Dollar, wovon etwa die Hälfte auf Samsung entfallen soll.
Welche Rolle spielt SK Hynix im globalen Chip-Markt?
SK Hynix ist nach übereinstimmenden Berichten der wichtigste Lieferant von High-Bandwidth-Memory-Chips für Nvidia und inzwischen das wertvollste Unternehmen Südkoreas, noch vor Samsung.