In Peru haben die Bürgerinnen und Bürger am Sonntag in einer Stichwahl einen neuen Präsidenten gewählt, wobei die rechtsgerichtete Keiko Fujimori und der linksgerichtete Roberto Sánchez als letzte Kandidaten gegeneinander antraten.

Die Wahllokale öffneten um 14.00 und schließen um Mitternacht unserer Zeit. Gewählt wurde zwischen Fujimori, Tochter des gestorbenen autokratischen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, und Sánchez, einem ausgebildeten Psychologen und Bewerber der Partei Juntos por el Perú. Im Moment ist José María Balcázar als Interimspräsident im Amt.

Fujimori gehört der Partei Fuerza Popular an, ist japanischer Abstammung und tritt bereits zum vierten Mal nacheinander für die Präsidentschaft an. Ihr Wahlkampflied betont, sie komme, um Ordnung zu schaffen. Gegenüber der Linken erklärte sie: „Jene Linke, deren einzige Betätigung darin besteht, Armut zu verteilen, während wir Wohlstand schaffen. Jene Linke, die Hass schürt, wohingegen wir uns den Frieden wünschen."

Kandidaten und ihre Programmatik

Sánchez wird von Anhängern des inhaftierten früheren Präsidenten Pedro Castillo unterstützt, der 2021 ebenfalls gegen Fujimori gewonnen hatte, später jedoch einen verfassungswidrigen Auflösungsversuch des Kongresses unternahm und festgenommen wurde. Sánchez kündigte an, im Fall eines Sieges Castillo aus der Haft zu befreien: „Was sagt die Stimme des Volkes? Sie wird die Demokratie von der Vereinnahmung durch den Mafiapakt im Kongress befreien. Sie wird den nationalen Reichtum freigeben, der sich derzeit in den Händen von einem Prozent der Bevölkerung konzentriert. Und sie werde auch den Präsidenten Castillo aus der Gefangenschaft befreien, sagt Sánchez.

In der ersten Runde im April hatten Fujimori und Sánchez jeweils weniger als 30 Prozent der Stimmen erhalten. Etwa 70 Prozent der Wählerinnen und Wähler hatten sich für andere Kandidaten entschieden. In jüngsten Umfragen lagen beide Bewerber gleich auf, wobei ein Fünftel der rund 27 Millionen Stimmberechtigten kurz vor der Wahl noch unentschlossen war.

Die junge Aktivistin und Politikerin Milagros Samillán, deren Bruder Marco Antonio Samillán, ein junger Arzt, 2023 bei Protesten gegen Castillos Absetzung von der Polizei getötet wurde, sagte: „Wir sind gegen den Fujimorismus. Wieder einmal müssen wir gegen Frau Keiko Fujimori stimmen, damit sie nicht die volle Macht an sich reißt, die sie so verzweifelt begehrt." Bei den Protesten waren 49 Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben gekommen, ohne dass bislang jemand die Verantwortung übernommen hätte.

Belastete Vorgeschichte: Proteste und Gewalt

Sánchez warb ebenfalls mit scharfer Rhetorik: „Wir müssen die korrupte Mafia besiegen, die Peru heute regiert. Nieder mit dem Mafiapakt! Nieder mit dem Fujimorismus!" Bei einer Wahlkampfveranstaltung warf er Fujimoris Partei eine Mitverantwortung für den Sturz mehrerer Präsidenten vor. Fujimori kündigte für den Fall eines Sieges einen harten Kurs gegen Kriminalität und illegale Migration an, Sánchez kündigte die Abschaffung von Gesetzen an, die nach seiner Auffassung die organisierte Kriminalität begünstigen.

Der Wahlkampf wurde laut Berichten von Gewalt und Wut auf die politische Klasse geprägt, der viele Wählerinnen und Wähler die jahrelange Instabilität anlasten. Ein Fischer aus Puerto Pizarro, einem Küstenort im Norden Perus, berichtete: „Jeder einzelne Fischer hier muss Schutzgeld zahlen, nur um überhaupt ausfahren zu können. Gestern Nacht wurden unsere Bootsmotoren gestohlen. Vor fünf Tagen wurde direkt hier vor unseren Augen ein Fischer ermordet. Wir sind traumatisiert, wir können nicht arbeiten."

Hintergrund der tiefen Krise ist die Verfassungsbestimmung, die es dem Parlament erlaubt, das Präsidentenamt wegen – Zitat – „permanenter moralischer Unfähigkeit" des Inhabers für vakant zu erklären. Mehrere Präsidenten wurden auf diese Weise gestürzt. Erst drei Monate vor der Stichwahl war Präsident José Jerí vom Parlament entfernt worden. Fujimori selbst hatte 2022 als Kongressabgeordnete laut Fakten zur Vorgeschichte Castillos Amtsenthebung mit vorangetrieben, als dessen Regierung von der Kongressmehrheit systematisch blockiert wurde.

Institutionelle Krise und häufige Machtwechsel

Für Sánchez wurde vorgestern ein Gerichtsprozess im Zusammenhang mit Parteienfinanzierung angesetzt. Ihm wird vorgeworfen, in den Jahren 2018 bis 2020 Zuwendungen an seine Partei nicht gegenüber der Wahlbehörde offengelegt zu haben. Seine Anwälte kündigten Berufung an; bei einem Wahlsieg würde Sánchez Immunität genießen. In der Bevölkerung herrscht Medienberichten zufolge Unmut: „Das Volk wähle einen Präsidenten – und das Parlament setze ihn wieder ab." Peru sei zum Gespött anderer Länder geworden, weil der Präsident ständig ausgewechselt werde, heißt es.

Der Wahlgewinner wird der neunte Staatschef seit 2016 beziehungsweise nach anderer Zählung der zehnte innerhalb von zehn Jahren sein. Die Amtsübergabe ist für den 28. Juli vorgesehen. Die neue Präsidentin oder der neue Präsident muss allerdings ohne eigene Mehrheit im Parlament regieren. Diese Nachricht wurde am 07.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.