Herat, 09 Juni 2026
Die Sittenpolizei der radikalislamischen Taliban hat in der westafghanischen Stadt Herat mehrere Frauen festgenommen, weil sie nach Angaben von Augenzeugen die Kleiderordnung nicht eingehalten hatten.
Die Festnahmen ereigneten sich am Samstag in Herat. Nach Aussagen anonymer Zeugen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP trugen die festgenommenen Frauen zwar ein muslimisches Kopftuch, aber keinen Ganzkörperschleier wie Tschador oder Burka. Eine 23-jährige Frau berichtete, sie habe gesehen, wie zwei Mitarbeiter des Ministeriums für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung des Lasters (PVPV) – von denen einer eine Peitsche bei sich hatte – „zwei Frauen, die keinen Tschador trugen, in ein Fahrzeug setzten“.
Nach den Festnahmen kam es in Herat zu Protesten, bei denen laut UNO-Angaben auch Schussgeräusche zu hören waren. Ein AFP-Journalist berichtete, dass sich wegen der Festnahmen viele Frauen nicht mehr auf die Straße wagen. Ein 20-jähriger Taxifahrer sagte AFP, man sehe keine Frauen mehr in der Stadt. Im Zuge der Proteste sei es in den vergangenen Tagen zu Dutzenden Festnahmen gekommen.
