Schlotterbeck WM-Aus: Innenbandriss nach DFB-Sieg | finanz360
Schlotterbeck WM-Aus: Innenbandriss nach DFB-Sieg
Toronto, 22 Juni 2026
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Kurzfassung
Innenverteidiger Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund hat sich im zweiten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste (2:1) einen Innenbandriss im linken Sprunggelenk zugezogen und fällt für den Rest der WM aus. Bundestrainer Julian Nagelsmann darf keinen Ersatz nachnominieren, weil die FIFA-Frist für verletzte Feldspieler bereits abgelaufen ist.
Toronto, 22 Juni 2026
Innenverteidiger Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund hat sich beim 2:1-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste am Samstag in Toronto einen Innenbandriss im linken Sprunggelenk zugezogen und fällt für den Rest der WM 2026 aus.
Wie der Deutsche Fußball-Bund am Sonntag bestätigte, zog sich der 26-Jährige die schwere Verletzung im zweiten Gruppenspiel zu, nachdem er bereits nach 15 Minuten behandelt worden war und in der Halbzeitpause für Antonio Rüdiger ausgewechselt wurde. „Es sieht auf jeden Fall nicht ganz so gut aus - leider", hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann unmittelbar nach dem Spiel in einer ersten Reaktion gesagt. Eine Untersuchung am Sonntag sollte genaueren Aufschluss über die Schwere der Blessur geben.
Nach Informationen von RTL/ntv und der Bild-Zeitung erlitt Schlotterbeck einen Bänderriss im linken Sprunggelenk. Dem Innenverteidiger von Borussia Dortmund drohe eine rund zweimonatige Pause, womit er auch den Saisonstart in der Bundesliga am 7. August verpassen werde. „Nach dem frühen Ausscheiden 2022 endet auch die zweite WM-Teilnahme für Schlotterbeck mit einer bitteren Enttäuschung", hieß es in einer Stellungnahme.
Schwere Diagnose: Innenband im linken Sprunggelenk
Schlotterbeck selbst wandte sich am Sonntag über Instagram an die Fans und appellierte an den Zusammenhalt. „Was jetzt zählt, ist die Mannschaft", schrieb er und betonte: „Sie verdient die volle Unterstützung. Lasst uns zusammenstehen und zeigen, dass wir in guten wie in schwierigen Momenten hinter dieser deutschen Mannschaft stehen und sie auf ihrem Weg zum WM-Titel unterstützen!" Der DFB veröffentlichte den Beitrag ebenfalls auf seinen Kanälen.
Die Verletzung wiegt besonders schwer, weil Bundestrainer Nagelsmann keinen Ersatz nachnominieren darf. Die FIFA-Regeln besagen, dass verletzte Feldspieler nur bis 24 Stunden vor dem ersten eigenen Turnierspiel durch einen anderen Akteur ersetzt werden dürfen. Für die DFB-Elf lief diese Frist bereits am 13. Juni ab, einen Tag vor dem 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao. Damit muss das deutsche Team den Rest des Turniers mit 22 Feldspielern und drei Torhütern bestreiten.
FIFA-Regel verhindert Nachnominierung
Nagelsmann reagierte betroffen auf den Ausfall seines Abwehrspielers. „Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau", sagte der Bundestrainer. Gleichzeitig gab er sich kämpferisch: „Trotz seines Ausfalls sind wir in der Innenverteidigung mit Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw weiterhin sehr gut aufgestellt für die WM." Aufmunternd fügte er hinzu: „Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen - zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt."
Es ist bereits der zweite schwere personelle Rückschlag für die DFB-Elf im Turnier. Zuvor hatte sich der Münchner Flügelstürmer Lennart Karl, den Nagelsmann am 5. Juni nachnominiert hatte, eine Muskelblessur zugezogen und musste ebenfalls gestrichen werden. Genau für diesen Fall hatte der Bundestrainer den 22 Jahre alten Münchner als sogenannten Trainingstorwart mit nach Amerika genommen - ein Wechsel auf dem Feld ist damit ausgeschlossen.
Das Spiel gegen die Elfenbeinküste war dennoch ein Erfolg für die deutsche Mannschaft. Nach dem 7:1-Auftakt gegen Curaçao und dem 2:1 gegen die Ivorer hat das Team vorzeitig das Achtelfinale erreicht - erstmals seit der Heim-WM 2006 wieder ein zweites Gruppenspiel gewonnen. Vor 45.000 Zuschauern im Stadion in Toronto, darunter rund 3.000 deutsche Fans, hatte Nadiem Amiri mit einer Flanke das 1:1 durch Joker Deniz Undav vorbereitet, ehe Undav in der Nachspielzeit auch noch das Siegtor erzielte.
DFB-Präsident Neuendorf lobt den Teamgeist
DFB-Präsident Bernd Neuendorf zeigte sich nach dem vorzeitigen Gruppensieg euphorisch. „Dass unsere Mannschaft vorzeitig den Gruppensieg erreicht hat, erfüllt mich mit Stolz und Glück", sagte der 64-Jährige dem SID. Er verwies zugleich auf das 0:0 von Curaçao gegen Ecuador und betonte, dass auch der 7:1-Auftaktsieg gegen den WM-Neuling „keine Selbstständigkeit war". Für Nagelsmann war der Erfolg auch das Ergebnis kluger Wechsel: Nach 60 Minuten brachte er mit einem Dreifach-Wechsel frische Offensivkräfte, darunter Amiri und Undav.
Im Spiel gegen die Elfenbeinküste hatte Manuel Neuer im Tor der deutschen Mannschaft gestanden und einen weiteren Meilenstein erreicht. Mit seinem 21. WM-Einsatz ist der 40-jährige Torhüter des FC Bayern München nun alleiniger WM-Rekordtorhüter. „Man muss einfach cool bleiben, in seiner Routine bleiben", hatte der Kapitän vor der Partie gesagt und vor der Schnelligkeit des Gegners gewarnt: „Aufgrund der Schnelligkeit des Gegners wird uns ein bisschen mehr erwarten."
Fairplay-Debatte nach dem Spiel
Die Begegnung war auch von einer Fairplay-Debatte überschattet worden. Der Trainer der Elfenbeinküste, Emerse Faé, hatte dem deutschen Team nach der Last-Minute-Niederlage fehlendes Fairplay vorgeworfen. „Von einer großen Nation wie Deutschland hätte man etwas mehr Fairplay erwarten können, als Singo den Ball wegen einer Verletzung ins Aus spielte", sagte Faé. Hintergrund war eine Szene in der 80. Minute, in der die deutsche Mannschaft den Ball nach einer Spielunterbrechung nicht zurückspielte.
Für die deutsche Mannschaft geht das Turnier nun ohne einen ihrer Leistungsträger weiter. Im dritten Gruppenspiel am Donnerstag (22 Uhr MESZ) trifft das DFB-Team in New York/New Jersey auf Ecuador. Das Spiel wird live in der ARD und bei MagentaTV übertragen. Die Mannschaft flog am Sonntagabend (Ortszeit) bereits weiter in die USA, während Schlotterbeck zunächst beim Team im Mannschaftskreis bleibt. „Es ist ein schönes Zeichen, dass er zunächst hier im Mannschaftskreis bleibt, denn er hat auch neben dem Platz Einfluss", sagte Nagelsmann dazu.
Ausblick auf das dritte Gruppenspiel gegen Ecuador
Am Rande des deutschen Lager bemüht man sich um Normalität. Am Montag steht für die Spieler ein freier Tag auf dem Programm, am Dienstag und Mittwoch sind normale Trainingseinheiten in Winston-Salem geplant, ehe es mit dem Flugzeug weiter nach New York/New Jersey geht. Die Nachnominierung eines Feldspielers ist laut FIFA-Reglement nicht mehr möglich, das deutsche Team muss den weiteren Turnierverlauf mit dem aktuellen Kader bestreiten.
Optionen in der Innenverteidigung
Schlotterbecks Ausfall wirft die Frage auf, wie Nagelsmann die Defensive in den kommenden Spielen justieren wird. Jonathan Tah, der beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste mit einer starken Leistung überzeugte, bleibt die erste Wahl in der Innenverteidigung. Neben Rüdiger, der den verletzten Schlotterbeck am Samstag nahezu fehlerfrei ersetzte, stehen mit Waldemar Anton und Malick Thiaw zwei weitere Optionen bereit. Leon Goretzka, der mit einer Rettungstat in der Defensive auf sich aufmerksam machte, böte zudem eine zusätzliche Absicherung im Mittelfeld.
Auch im deutschen Lager wurde die besondere Atmosphäre des Turniers in den USA, Kanada und Mexiko hervorgehoben. In und um Toronto leben etwa 200.000 Menschen mit deutschen Wurzeln, einige von ihnen hatten sich dem Fanmarsch zum Spiel angeschlossen. Die DFB-Elf logierte im Delta Hotel und war bereits am Samstag in der kanadischen Metropole angekommen. Treffpunkt der deutschen Anhänger war am „Amsterdam Brewhouse", von wo aus es gemeinsam zum Stadion ging.
Fragen & Antworten
Welche Verletzung hat sich Nico Schlotterbeck zugezogen?
Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund erlitt beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste einen Innenbandriss im linken Sprunggelenk. Ihm droht eine Pause von rund acht Wochen.
Warum darf Julian Nagelsmann keinen Ersatz für Schlotterbeck nachnominieren?
Die FIFA-Regeln erlauben einen Wechsel bei verletzten Feldspielern nur bis 24 Stunden vor dem ersten Turnierspiel einer Mannschaft. Für die DFB-Elf lief diese Frist am 13. Juni, einen Tag vor dem 7:1 gegen Curaçao, ab.
Wie hat sich die deutsche Mannschaft trotz des Ausfalls positioniert?
Bundestrainer Nagelsmann sieht die Innenverteidigung mit Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw weiterhin gut besetzt. Zudem hatte Antonio Rüdiger den verletzten Schlotterbeck bereits gegen die Elfenbeinküste nahezu fehlerfrei ersetzt.