Nach WM-Aus in Foxborough: Völler stärkt Nagelsmann den Rücken, Klopp weicht Nachfolgefrage aus
Foxborough, 30. Juni 2026
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Kurzfassung
Nach dem 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay stützt DFB-Sportdirektor Rudi Völler Bundestrainer Julian Nagelsmann, dessen Vertrag bis 2028 läuft. Jürgen Klopp wies Spekulationen über eine Nachfolge bei MagentaTV zurück, Nagelsmann selbst erklärte seine Bereitschaft zur Weiterarbeit.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay den Rücken gestärkt, während Jürgen Klopp Spekulationen um eine mögliche Nachfolge bei einem Auftritt bei MagentaTV zurückwies.
Erneutes Vorrunden-Debakel mit Folgen
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft in den USA bereits in der ersten K.-o.-Runde gescheitert. In Foxborough unterlag die Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen. Damit verpasst Deutschland zum dritten Mal in Folge das Achtelfinale einer WM – nach 2018 in Russland und 2022 in Katar.
Unmittelbar nach dem Spiel erklärte Nagelsmann, der den Posten im September 2023 als jüngster Bundestrainer der DFB-Geschichte übernommen hatte, seine Bereitschaft zur Weiterarbeit. „Ich möchte es weiter machen. Ich stehe bereit, wenn man das möchte“, sagte der 38-Jährige. Zugleich räumte er ein: „Es würde nicht jeder unterschreiben, dass ich Bundestrainer bleibe.“ Sein Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund läuft bis zur Europameisterschaft 2028.
Völler stellt sich vor den Coach
DFB-Sportdirektor Rudi Völler, vor der Abreise aus Foxborough befragt, stellte sich vor den Coach. „Ich bin immer noch überzeugt davon, dass er der Richtige ist“, sagte Völler, der 1990 als Spieler Weltmeister wurde und früher bereits Teamchef der Nationalelf war. In einem weiteren Statement ergänzte er: „Ich bin immer noch davon überzeugt, dass Julian Nagelsmann wahrscheinlich der Richtige ist, um weiterzumachen.“ Allerdings räumte auch Völler ein: „Natürlich bin ich nicht der DFB alleine, habe das nicht alleine zu entscheiden.“
Aus der Mannschaft kam Unterstützung für den Trainer. Kapitän Joshua Kimmich sagte, er hoffe, dass Nagelsmann nicht hinschmeiße, sondern „weiter an sich und seine Fähigkeiten glaubt“. Kimmich verwies zudem darauf, dass „keine Mannschaft in der Kabine sitzen hat, die mit dem Finger auf ihn zeigt. Das ist von vielen Trainern ein Problem, dass – wenn es sportlich nicht läuft – die Spieler die Ausrede beim Trainer suchen. Das ist bei uns nicht der Fall.“
Verteidiger Antonio Rüdiger, der erst nach der Verletzung von Nico Schlotterbeck in die Startelf gerückt war, nannte Nagelsmann einen „Toptrainer“ und ergänzte: „Wir müssen dankbar sein, dass wir so einen haben.“ Rüdiger forderte zugleich grundsätzliche Diskussionen: „Wenn man bei drei WM-Turnieren ‚kläglich‘ ausscheide, müsse man mehr hinterfragen – und zwar ‚alles‘.“
Klopp fordert Umbau – und weicht aus
In die Debatte schaltete sich auch Jürgen Klopp ein. Der 59-Jährige, inzwischen Head of Football bei Red Bull, reagierte bei MagentaTV entsetzt auf das Ausscheiden und kritisierte die dürftige Offensivleistung: „Die DFB-Elf habe ‚zu wenig kreiert‘.“ Klopp forderte einen umfassenden Umbau: „Wir können über den DFB reden. Wir müssen hundertprozentig ein paar Dinge verändern. Da können wir bei der U10 anfangen.“ Sein Vertrag bei Red Bull läuft bis Ende 2029.
Auf Spekulationen, er selbst könnte Nagelsmann beerben, reagierte Klopp ausweichend. „Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment. Es gibt dazu nichts zu sagen“, sagte er. Schon vor dem Turnier hatte Klopp angemerkt: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch.“ Mit Blick auf die sportliche Zukunft formulierte er: „Wir waren Fußball-Deutschland. Um wieder Fußball-Deutschland zu werden, müssen wir jetzt ran an die Nummer, und zwar richtig.“
Nagelsmann selbst ordnete das Scheitern in einen größeren Zusammenhang ein. „Wenn du in der ersten K.o.-Runde ausscheidest bei so einem großen Turnier mit 48 Mannschaften, ist das deutlich zu wenig für den deutschen Fußball“, sagte er. Auch über seine Vorgänger urteilte er: „Es war immer so, bei Hansi oder Jogi, die haben immer etwas probiert, haben einen gewissen Stamm gleich gelassen und der Outcome ist sehr ähnlich.“ Eine Rückkehr zur Weltspitze sei alles andere als selbstverständlich: „Es wäre vermessen, wenn wir nach dem dritten großen Turnier sagen, wir gehören noch zur Weltspitze, das tun wir einfach nicht.“
Dritter DFB-Coach in Folge ohne Achtelfinale
Hansi Flick, Nagelsmanns Vorgänger, war 2022 nach der Vorrunde in Katar entlassen worden – auf Betreiben Völlers. Später wurde Flick mit dem FC Barcelona erneut Titel-Trainer. Davor hatte Joachim Löw nach der historischen ersten deutschen Vorrunden-Pleite bei einer WM 2018 in Russland noch bis zum Achtelfinal-Aus bei der EM 2021 im Amt bleiben können. Nagelsmann ist damit der dritte DFB-Coach in Folge, der das WM-Achtelfinale verpasst.
Bei der Partie in Foxborough erlebte Torhüter Manuel Neuer sein viertes WM-Spiel und kündigte im Anschluss sein endgültiges Karriereende in der Nationalmannschaft an. Kapitän Kimmich haderte mit der Effizienz: „Klar ist, dass wir wieder früh ausgeschieden sind, weil wir hier einen schwachen Gegner nicht schlagen konnten.“ Nagelsmann sprach von einer „Niedergeschlagenheit“ und nannte die Aberkennung eines Tores von Jonathan Tah in der 102. Minute wegen eines angeblichen Fouls von Waldemar Anton an Gill einen „Vollskandal“. Deutsche Schiedsrichter-Experten im Fernsehen bewerteten den VAR-Eingriff als Fehlentscheidung.
Kritik aus dem Expertenlager
ZDF-Experte Per Mertesacker, einst selbst Abwehrchef der Nationalelf, sagte: „Und wir haben es nicht geschafft, mehr als zwei Chancen in 120 Minuten zu bekommen.“ Der frühere Mittelfeldspieler Christoph Kramer ergänzte: „Du darfst gegen Paraguay nicht in die Verlängerung kommen“, und formulierte zugespitzt: „Am Ende ist der Trainer immer der, der es lenkt. Er muss sich hinterfragen.“
Weltmeister von 2014 Mats Hummels forderte personelle Konsequenzen: „Es schreit nach Konsequenzen. Die Heim-EM wird mir immer noch zu gut geredet. Deswegen muss das ein Thema sein, sowohl, glaube ich, vom Bundestrainer selbst aus als auch vom Verband.“ Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus sagte: „Ich glaube, dass es nach dieser WM mit einem neuen Trainer weitergehen muss. Das war einfach zu viel.“
Ausblick auf EM 2028 und WM 2030
Die kommenden Großturniere für Deutschland sind die EM 2028 und die WM 2030. Nagelsmann hatte nach der Heim-EM 2024, die mit dem unglücklichen Viertelfinal-Aus nach Verlängerung gegen Spanien geendet hatte, den WM-Titel als Ziel ausgegeben. Nun stehen dem Verband nach dem „blamablen Aus“ nach Einschätzung von Beobachtern „turbulente Zeiten“ bevor. Auch die Rolle des 66 Jahre alten Völler wird hinterfragt: „Ist das auch noch Völler (66) für die Zeit des Neuaufbaus für die Europameisterschaft 2028?“, heißt es in einer Analyse. Ein DFB-Entscheider hatte betont: „Wenn man in so einer Form ausgeschieden ist, werden es viele nicht verstehen.“
Auf Seiten der Mannschaft standen neben den Verletzten Gnabry, Karl und Schlotterbeck auch Jamal Musiala, der zuvor längere Zeit ausgefallen war, nicht zur Verfügung. Stürmer Deniz Undav erhielt trotz starker Form nur wenig Spielzeit, was Kritik hervorrief. Im Achtelfinale wäre für Deutschland Frankreich der mögliche nächste Gegner gewesen. Stattdessen trat bereits die Heimreise an – in jener Stadt, in der Nagelsmann einst seine ersten Trainingseinheiten mit der DFB-Elf während einer USA-Reise abgehalten hatte.
Fragen & Antworten
Warum ist Deutschland bei der WM 2026 ausgeschieden?
Deutschland verlor in Foxborough in der ersten K.-o.-Runde mit 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay und verpasste damit zum dritten Mal in Folge das WM-Achtelfinale.
Wie hat DFB-Sportdirektor Rudi Völler auf das Aus reagiert?
Völler stellte sich vor der Abreise aus Foxborough vor Julian Nagelsmann und sagte: „Ich bin immer noch überzeugt davon, dass er der Richtige ist.“ Zugleich betonte er, die Entscheidung nicht allein treffen zu können.
Was hat Jürgen Klopp zu seiner möglichen Nachfolge als Bundestrainer gesagt?
Klopp wies bei MagentaTV Spekulationen zurück und sagte: „Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment. Es gibt dazu nichts zu sagen.“ Sein Vertrag bei Red Bull läuft bis Ende 2029.
DFB nach WM-Aus: Völler stützt Nagelsmann, Klopp schweigt | finanz360