Der russische Oppositionelle und Kriegskritiker Boris Nadeschdin hat seine Kandidatur für die im September geplante Parlamentswahl in Russland zurückgezogen, nachdem er am Vortag kurzzeitig festgenommen und zuvor als "ausländischer Agent" eingestuft worden war.

Der 63-jährige Boris Nadeschdin, einst Abgeordneter der Staatsduma, zählt zu den wenigen russischen Politikern, die Präsident Wladimir Putin und die russische Offensive gegen die Ukraine offen kritisieren. Am Sonntag teilte er über den Online-Dienst Telegram mit, dass er und seine Unterstützer die gesammelten Unterschriften nicht bei der Wahlkommission einreichen werden. "Wir werden nicht bei der Wahlkommission die aberhunderten Unterschriften überreichen, die wir gesammelt haben", schrieb er.

Repressionen gegen Nadeschdin

Seinen Wahlkampf hatte Nadeschdin im Wahlkreis Mytischtschi, seiner Heimatregion bei Moskau, organisiert. Nun erklärte er, seine rechtlichen Möglichkeiten, in Russland Oppositionspolitik zu betreiben, seien erschöpft. "Meine Möglichkeiten, in Russland auf legalem Wege Oppositionspolitik zu betreiben, sind ausgeschöpft", schrieb er. Damit zieht er die Konsequenzen aus einer Kette von Repressionen, die ihn in den vergangenen Tagen getroffen haben.