Berlin, 06 August 2026

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat im Nachgang einer extremen Hitzewelle im Juni rund 9.600 zusätzliche Todesfälle in Deutschland registriert und damit die gesundheitlichen Folgen der Hitze bilanziert.

Die Auswertung des Robert Koch-Instituts bezieht sich auf eine einzelne, außergewöhnlich heiße Juni-Woche, in der die Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands rekordverdächtig stiegen. Nach vorläufigen Berechnungen starben in diesem Zeitraum rund 9.600 Menschen mehr als statistisch für die Jahreszeit zu erwarten wäre. Das Institut spricht von einer deutlichen Übersterblichkeit, die räumlich und zeitlich eng mit den extremen Temperaturen verknüpft ist.

Die Betroffenen waren nach Einschätzung des RKI mehrheitlich älter und vorbelastet. Besonders ältere Menschen, die Hitze schlechter selbst ausgleichen können, und Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen seien gefährdet. Auch das Statistische Bundesamt hatte in vergleichbaren Hitzeperioden der Vergangenheit erhöhte Sterbefallzahlen dokumentiert, ohne diese jeweils eindeutig der Temperatur zuordnen zu können.

Wer besonders betroffen ist

Die Daten stammen laut RKI aus einer laufenden Auswertung von Mortalitätsstatistiken, die mit den Temperaturaufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) abgeglichen werden. Der DWD hatte die betreffende Woche als ausgeprägte Hitzewelle eingestuft. In der Mitteilung heißt es zudem, dass die tatsächliche Zahl der hitzebedingten Todesfälle auch von der Definition und den verfügbaren Daten abhänge.

Der Befund fällt in eine Phase, in der Bund, Länder und Hilfsorganisationen ihre Vorbereitungen auf weitere Hitzesommer verstärken. Erst Anfang des Jahres 2024 hatte der Deutsche Bundestag das Programm „Deutschland lernt schwimmen" auf vier Jahre verlängert; den Schwerpunkt will die Bundesregierung gemeinsam mit der DLRG und dem Deutschen Schwimm-Verband auf strukturschwache Regionen legen. Hitzeschutz gilt dabei als Teil einer breiteren Strategie zur Anpassung an den Klimawandel.

Was Bund, Kommunen und Hilfsorganisationen tun

Parallel bauen Kommunen und Sozialverbände ihre Hilfsangebote aus. DLRG-Präsidentin Ute Vogt hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass Aufklärung über Risiken, kühle Räume und Nachbarschaftshilfe Leben retten können. Auch Hilfsorganisationen wie die Caritas oder das Deutsche Rote Kreuz bieten in betroffenen Stadtteilen Telefonkontakte und Hausbesuche für gefährdete ältere Menschen an.

Die RKI-Auswertung versteht sich als Zwischenstand. Eine endgültige Zahl hitzebedingter Todesfälle lasse sich erst nach weiteren epidemiologischen Analysen festlegen, hieß es in Berlin. Forscherinnen wie Jenifer Girke vom RKI betonen, dass die Mortalität bei Hitzewellen weltweit gut dokumentiert sei, nationale Schätzungen aber weiterhin mit Unsicherheiten behaftet blieben.

Was Hitzeschutz im Alltag bedeutet

Für die kommenden Jahre rechnen Klimaforscher mit einer Häufung solcher Extremphasen. Das RKI empfiehlt ein Bündel von Maßnahmen: Warnsysteme, kühle öffentliche Räume, Trinkwasserangebote im öffentlichen Raum und gezielte Information älterer Menschen und pflegender Angehöriger. Auch Städtebau und Klimaanpassung – etwa Begrünung, Verschattung und kühle Nächte – spielen laut Experten eine zentrale Rolle.

Das Institut ruft dazu auf, die Ergebnisse nicht nur als statistischen Hinweis, sondern als Handlungsauftrag zu lesen. Angesichts der steigenden Zahl heißer Tage pro Saison müsse Hitzeschutz dauerhaft in der Gesundheits- und Sozialpolitik verankert werden, vergleichbar mit dem Schutz vor anderen Umweltrisiken.

Fachleute weisen zugleich darauf hin, dass die einfache Faustregel „trinken, kühlen, informieren" weiter gilt: ausreichend Wasser, leichte Kleidung, kühle Räume am Tag und ein Blick auf ältere Nachbarinnen und Nachbarn.

Insgesamt verdeutlicht die aktuelle RKI-Bilanz, dass Hitzewellen in Deutschland längst keine Randerscheinung mehr sind, sondern ein relevantes Gesundheitsrisiko darstellen – mit messbaren Folgen für die Mortalität.

Mit Informationen von dpa und AFP.