Rekordbrände in Frankreich und Spanien: Studie erwartet zehntausende zusätzliche Tote durch Rauch
Berlin, 28 Juli 2026
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Kurzfassung
Frankreich und Spanien erleben 2026 historische Waldbrände mit bereits weit über 100.000 Hektar zerstörter Fläche. Eine neue Analyse warnt vor zehntausenden zusätzlichen Todesfällen durch Rauchbelastung in Europa.
Berlin, 28 Juli 2026
Waldbrände historischen Ausmaßes wüten derzeit in Frankreich und Spanien, während eine neue Klimaanalyse für Europa zehntausende zusätzliche Todesfälle durch Rauch prognostiziert.
In Frankreich und Spanien haben die Waldbrände 2026 Rekordwerte erreicht. Nach Daten des Europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS ist in Spanien schon jetzt mehr als doppelt so viel Fläche abgebrannt wie sonst im Durchschnitt in einem ganzen Jahr, in Frankreich sogar mehr als die fünffache Fläche. In Frankreich erreichen die Feuer mit etwa 100.000 Hektar verbrannter Fläche seit Jahresbeginn einen historischen Rekordwert, wie aus der gemeinsamen Auswertung mehrerer Studien und Behördenangaben hervorgeht.
Rekordwerte in Südwesteuropa
In Frankreich wütet seit Mittwoch vergangener Woche ein Brand im Südwesten in der Präfektur Gironde. Mittlerweile haben sich die Flammen bis nahe Bordeaux ausgebreitet; das Feuer hat bereits eine Fläche von etwa 42.000 Hektar zerstört. Hunderttausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Auch in Spanien kämpfen Einsatzkräfte gegen einen Brand in der Provinz Ávila westlich von Madrid sowie in den benachbarten Regionen Madrid und Toledo. In Spanien wütet der größte Waldbrand in der jüngeren Geschichte des Landes; in Ávila, Madrid und Toledo wurden durch die Flammen bereits knapp 80.000 Hektar Wald- und Buschland verwüstet.
Zugleich sind auch in Portugal mehrere Waldbrände ausgebrochen. Betroffen sind die Regionen bei Braga und Bragança im Norden sowie bei Santarém im Zentrum des Landes. Die Waldbrandsaison in Südwesteuropa ist damit noch nicht am Höhepunkt: eigentlich geht sie im August erst so richtig los. Wetterbehörden und Forschungsinstitute beobachten die Lage mit großer Sorge.
Klimawandel als Brandbeschleuniger
Eine neue Analyse der World Weather Attribution (WWA) weist darauf hin, dass eine so extreme Bodendürre wie in diesem Jahr in Westeuropa etwa fünfmal wahrscheinlicher ist als ohne die menschengemachte Klimaerwärmung. Durch den Klimawandel und die damit einhergehende Erderwärmung erhöhen sich einer Analyse der World Weather Attribution (WWA) zufolge die Risikofaktoren für Waldbrände solchen Ausmaßes. Derzeit liegt die Erde bei einer Klimaerwärmung von etwa 1,4 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung.
Theo Keeping, ein Kollege der WWA, warnte zudem vor den gesundheitlichen Folgen: "Aus wissenschaftlicher Sicht ist mit Zehntausenden zusätzlichen Todesfällen aufgrund von Rauchbelastung zu rechnen." Laut Umweltbundesamt entsteht die wesentliche Gesundheitsgefährdung bei Bränden durch die hohe Feinstaubbelastung. Besonders gefährdet sind dabei Menschen mit Vorerkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems.
"Feuerspeiender Drache" über Frankreich
Besonders beunruhigend ist die Entstehung sogenannter Pyrocumulonimbus-Wolken über dem Feuer in Frankreich – ein Phänomen, das dort zum ersten Mal überhaupt beobachtet wurde. Die NASA betitelt das Phänomen auch als "feuerspeienden Drachen". Dabei handelt es sich um einen von Waldbränden erzeugten Feuersturm, der eine glühend heiße Wolke mit eigenem Wetter hervorbringt. Die auch als Cumulonimbus flammagenitus bezeichnete Wolke entsteht oft mehrere Kilometer hoch bis in die Stratosphäre. Dort trifft das Gemisch auf kühlere Luftmassen und erzeugt ein eigenes Wettersystem mit starken Winden, die das Feuer weiter anheizen.
Eric Brocardi, Sprecher der französischen Feuerwehr, erklärte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP: "Löschen oder unter Kontrolle bringen lässt sich der Feuersturm meistens nicht, unter anderem, weil die Winde ständig die Richtung wechseln." Die Folge sei, dass es sich in alle Richtungen ausbreite und mehrere Feuerfronten bilde, was die Lage völlig unberechenbar mache. Helfen können dem Feuerwehrsprecher zufolge im Falle einer "Feuerwolke" nur zwei Dinge: Es müsste heftigen Regen geben, bestenfalls über mehrere Tage. Oder das Feuer lässt sich an einen Ort lenken, an dem es von selbst erlösche, etwa am Meer.
Risiko für Mitteleuropa
Auch in Deutschland steigt die Waldbrandgefahr laut einer Studie, die über die European Geosciences Union (EGU) veröffentlicht wurde und sich gezielt mit den Einzugsgebieten von Donau, Main und Elbe beschäftigt. Demnach nimmt die Waldbrandgefahr im Laufe des Jahrhunderts überall deutlich zu – vor allem aber im Einzugsgebiet des Mains und in den östlichen bayerischen Mittelgebirgen. Dort wird eine hohe Waldbrandgefahr bis zum Ende des Jahrhunderts zum Normalzustand. Am 28. Juni wurde laut Messungen des Deutschen Wetterdienstes in Deutschland erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen eine Höchsttemperatur von 41,7 Grad Celsius erreicht.
Wie die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizerischen WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF erklärt, gab es nach feuchten Wintern beste Wachstumsbedingungen für die Pflanzen in Südwesteuropa. Durch die dann folgenden zwei Hitzewellen sei die Vegetation ausgetrocknet, weshalb sich Brände schnell und stark ausbreiten können, sobald eine Zündquelle auftritt. "Selbst wenn es jetzt mal kurz regne, würden Boden und Pflanzen nur oberflächlich angefeuchtet", so Miller. Jede weitere Hitzewelle mache die Situation nicht besser. Miller fordert: "müssen wir auf jeden Fall auch stärker auf Waldbrandmanagement und Landmanagement setzen."
Verbuschung und fehlende Waldpflege
Eine weitere Ursache für die Ausbreitung der Brände ist die Landflucht. Weil viele Menschen in die Städte ziehen würden und Dörfer dadurch leerstünden, würden landwirtschaftliche Flächen aufgegeben und Weiden nicht mehr abgegrast. Dadurch nehme die Verbuschung der Flächen zu, was im Falle eines Feuers ebenfalls zum Risikofaktor wird. "Das Hauptproblem ist, dass wir den Wald nicht mehr pflegen", warnte auch Forstexperte Paco Castañares in der Zeitung El Español.
Im Dezember erschien im Fachjournal "Communications Earth and Environment" eine Studie, die prognostiziert, dass sich auch durch den Klimawandel "wärmere und trockenere Klimazonen voraussichtlich in Richtung der nördlichen europäischen Breiten ausdehnen". Das verstärke die Brandbedingungen und erhöhe die Menge an trockenem Brennmaterial, wodurch das Risiko großer Waldbrände auch in diesen Breiten steige. Mariam Zachariah von der World Weather Attribution ergänzte: "Sollten die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad Celsius ansteigen lassen, könnten diese intensiven Verdunstungsbedingungen doppelt so wahrscheinlich werden und Dürren wie diese zu einem regelmäßigen Ereignis machen."
Forderungen an Politik und Gesellschaft
Das Wissenschaftsnetzwerk EASAC, ein Verbund der Nationalakademien der EU, mahnte im vergangenen Jahr eine veränderte Brandbekämpfung an. Wichtig sei es nicht nur, gegen die Feuer vorzugehen, sondern Bedingungen zu vermeiden, die ein unkontrolliertes Ausbreiten von Bränden begünstigen. Helfen könne dabei eine verbesserte Landschaftsplanung. Fachleute sind sich einig, dass neben dem Klimaschutz auch eine Anpassung im Umgang mit Wäldern und Landschaften dringend nötig ist.
Fragen & Antworten
Welche Flächen sind in Frankreich und Spanien bereits verbrannt?
In Frankreich wurden seit Jahresbeginn rund 100.000 Hektar durch Feuer zerstört – ein historischer Rekordwert. Allein der Gironde-Brand vernichtete etwa 42.000 Hektar. In Spanien brannten nach EFFIS-Daten bereits mehr als doppelt so viel Fläche wie im Jahresdurchschnitt; die Brände in Ávila, Madrid und Toledo verwüsteten rund 80.000 Hektar.
Was ist ein Pyrocumulonimbus und warum ist er gefährlich?
Ein Pyrocumulonimbus ist ein durch Waldbrände erzeugter Feuersturm, bei dem eine glühend heiße Wolke mehrere Kilometer hoch in die Stratosphäre aufsteigt und ein eigenes Wettersystem mit starken Winden erzeugt. Da diese Winde ständig die Richtung wechseln und mehrere Feuerfronten entstehen, ist der Sturm laut Feuerwehrsprecher Eric Brocardi kaum zu löschen.
Welche Folgen hat der Klimawandel für die Waldbrandgefahr in Mitteleuropa?
Eine EGU-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Waldbrandgefahr im Laufe des Jahrhunderts überall deutlich zunimmt – vor allem aber im Einzugsgebiet des Mains und in den östlichen bayerischen Mittelgebirgen. Dort wird eine hohe Waldbrandgefahr bis zum Ende des Jahrhunderts zum Normalzustand.
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