Im Strafprozess zum Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat die Generalstaatsanwaltschaft am 35. Verhandlungstag eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert.
Anklage und Hintergrund der Tat
Die Anklage wirft dem 51-jährigen Taleb A., der aus Saudi-Arabien stammt und viele Jahre als Psychiater im Maßregelvollzug in Bernburg tätig war, sechs vollendete Morde sowie 338 beziehungsweise nach anderer Zählung 222 versuchte Morde und zahlreiche weitere Körperverletzungen vor. Am 20. Dezember 2024 war er mit einem mehr als zwei Tonnen schweren, 340 PS starken Auto in schlängelnden Linien und mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde durch eine Lücke in den Betonbarrieren auf den Fußweg zum Weihnachtsmarkt gefahren. Bei dem Attentat, das in der Anklage als Amokfahrt und Attentat bezeichnet wird, starben sechs Menschen, mehr als 300 Personen wurden verletzt, viele von ihnen schwer.
Plädoyer der Staatsanwaltschaft
Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher erklärte im Plädoyer, die Tat sprenge jede menschlich begreifbare Dimension. Die Tat habe nur eine Minute gedauert, ihre Auswirkungen aber seien kaum zu überschauen. Böttcher sagte weiter: „Es sei unbeschreiblich, welches Leid der Angeklagte aus rein persönlichen Motiven über viele Menschen und Familien gebracht habe." Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft plante der Angeklagte die Tat über einen längeren Zeitraum, verfolgte aber keine ideologischen Ziele. „Es ging und geht dem Angeklagten nur um sich selbst", zitierte Böttcher die Ermittlungsergebnisse. Das tatsächliche Motiv der Tat sah die Anklage in einem Konflikt mit einer Kölner Flüchtlingshilfeorganisation, gegen die der Beschuldigte vor Gericht verloren hatte.
