Online-Apotheken im Test: Preisvorteile, aber auch Risiken bei Beratung und Datenschutz
Berlin, 26 Juli 2026
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Kurzfassung
Ein Test von Stiftung Warentest zeigt, dass Versandapotheken bei rezeptfreien Produkten deutlich günstiger sein können als vor Ort, aber nur zwei Anbieter schneiden insgesamt gut ab. Die fachliche Beratung fehlt häufig, bei rezeptpflichtigen Mitteln warnt die Expertin zudem vor gefälschten Arzneimitteln und einem unzureichenden Datenschutz.
Berlin, 26 Juli 2026
Stiftung Warentest hat neun Versandapotheken geprüft und kommt zu einem gemischten Urteil: Preisvorteile gibt es vor allem bei rezeptfreien Produkten, doch nur zwei Anbieter erhielten die Gesamtnote "gut" und die fachliche Beratung bleibt häufig auf der Strecke.
Preisvorteil vor allem bei rezeptfreien Mitteln
Beim Blick auf die Preise können Online-Apotheken durchaus punkten. Laut Stiftung Warentest lag die fällige Summe für einen Test-Warenkorb mit fünf Produkten selbst bei der teuersten der neun gecheckten Versandapotheken noch rund 36 Prozent unter der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller. Für Verbraucherinnen und Verbraucher, die regelmäßig rezeptfreie Mittel wie Schmerztabletten oder Erkältungspräparate kaufen, ergibt sich damit ein spürbarer Preisvorteil gegenüber der Vor-Ort-Apotheke.
Allerdings sind die Gesamtergebnisse des Tests weniger rosig. "Nur zwei Anbieter bekamen von den Testern das Prädikat 'gut'", heißt es im Bericht. Zweimal wurde "ausreichend" vergeben, der Rest befand sich mit "befriedigend" im großen Mittelfeld. Auch die Gesundheitsberatung wurde geprüft, und hier zeigen sich deutliche Schwächen bei mehreren Anbietern.
Ein zentrales Problem ist die Beratung, insbesondere bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln. "Doch leider fehlen auch bei rezeptpflichtigen Medikamenten teilweise die wichtigen Hinweise zu Wechselwirkungen und Nebenwirkungen", so die Gesundheitsexpertin. Wer online bestellt, erhält nicht immer die Hinweise, die in der Apotheke um die Ecke zum Pflichtprogramm gehören. "Das ist wichtig, weil wir von Apotheken erwarten, dass sie die Patienten gut beraten", begründet Sauer die Kritik.
Beratung fehlt bei rezeptpflichtigen Medikamenten
Hinzu kommen konkrete Sicherheitsbedenken. "Arzneimittel könnten dann gefälscht sein", warnt die Expertin mit Blick auf nicht zugelassene oder unseriöse Anbieter. "Das ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Gesundheit", betont sie. Wer bei einer Versandapotheke bestellt, sollte daher unbedingt prüfen, ob der Anbieter auch wirklich eine offizielle Zulassung besitzt.
Auch beim Datenschutz gibt es im Test Auffälligkeiten. "In einem Fall hat eine App beim Rezepteinlösen Daten an einen Werbetracker übermittelt. Das ist datenschutzrechtlich gar nicht in Ordnung", sagt Bettina Sauer. Das bedeutet, dass sensible Gesundheitsdaten in die Hände Dritter gelangen können, etwa für personalisierte Werbung.
Datenschutz und Rücknahme als Schwachstellen
Ein weiteres Ärgernis betrifft die Rücknahme von Medikamenten. "Einer hatte zusätzlich ein Datenschutzproblem, ein anderer verweigerte die Rücknahme von Medikamenten", berichtet Sauer. In der stationären Apotheke ist die Rücknahme unter bestimmten Bedingungen dagegen üblich und gesetzlich geregelt. "Das ist auch ihre gesetzliche Pflicht", hebt die Expertin hervor.
Wer dennoch online bestellen möchte, hat einige Möglichkeiten, seriöse Anbieter zu erkennen. Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland rät, auf das gemeinsame EU-Logo für Versandapotheken zu achten. "Wenn Sie auf das Logo klicken, müssen Sie auf ein Verzeichnis mit allen zugelassenen Versandapotheken des jeweiligen Landes weitergeleitet werden. Oder Sie werden auf eine offizielle Ministeriumsseite weitergeleitet, die die Zulassung der Online-Apotheke bestätigt", erklärt die Verbraucherzentrale. Klickt das Logo ins Leere oder fehlt es ganz, ist Vorsicht geboten.
So erkennt man seriöse Versandapotheken
Auch Sonderangebote können ein Hinweis sein. "Manche Anbieter erlassen zum Beispiel die Zuzahlung bei E-Rezepten", nennt Sauer ein Beispiel. Solche Rabatte sind bei seriösen Anbietern unüblich und können auf unseriöse Geschäftspraktiken hindeuten.
Wer unsicher ist, kann sich auch direkt vor Ort beraten lassen. "Darum kann man sich als Tipp merken, dass man vor Ort fragen kann", erklärt Bettina Sauer von Stiftung Warentest. Die Apothekerinnen und Apotheker vor Ort sind zur Beratung verpflichtet und können auf Wechselwirkungen mit anderen Mitteln hinweisen.
Grundsätzlich gilt: Versandapotheken sind in der EU legal und können eine sinnvolle Ergänzung sein, etwa für Menschen auf dem Land oder mit eingeschränkter Mobilität. Der Versandhandel unterliegt dabei denselben Qualitätsanforderungen wie die stationäre Apotheke, sofern der Anbieter zugelassen ist. Wer diese Zulassung jedoch nicht prüft, geht ein vermeidbares Risiko ein.
Die Testergebnisse zeigen zudem, dass selbst die zugelassenen Anbieter im Service nicht überzeugen. Die Mehrheit schnitt lediglich mit "befriedigend" ab, zwei mit "ausreichend". Das spricht dafür, dass selbst innerhalb des legalen Marktes noch Luft nach oben ist, insbesondere bei der persönlichen Beratung.
Für den Alltag bedeutet das: Wer rezeptfreie Mittel online kauft, kann Geld sparen, sollte aber bei rezeptpflichtigen Medikamenten und bei Beratungsbedarf eher den Weg in die Apotheke vor Ort wählen. Wer dennoch online bestellt, sollte auf das EU-Logo achten, die Zulassung prüfen und keine Rabatte auf die Zuzahlung bei E-Rezepten als selbstverständlich hinnehmen.
Fazit: Preis sparen ja, aber mit Bedacht
Am Ende bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend. Wer eine reine Lieferung wünscht und keine Beratung braucht, kann mit einer seriösen Versandapotheke Geld sparen. Wer jedoch auf eine individuelle Beratung Wert legt oder rezeptpflichtige Mittel benötigt, ist nach Einschätzung von Stiftung Warentest in der stationären Apotheke besser aufgehoben.
Der Test von Stiftung Warentest ist kein Aufruf, vollständig auf Online-Apotheken zu verzichten. Er zeigt aber, dass die Wahl des Anbieters entscheidend ist und dass die Beratung, die in der Vor-Ort-Apotheke selbstverständlich dazugehört, online häufig fehlt oder zumindest nicht in vergleichbarer Qualität angeboten wird.
Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich unsicher fühlen, können sich neben Stiftung Warentest auch an die Verbraucherzentralen der Bundesländer wenden, die bei Fragen zu unseriösen Angeboten oder Datenschutzproblemen beraten können. Auch das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland steht für grenzüberschreitende Fragen zur Verfügung.
Fragen & Antworten
Wer ist Bettina Sauer?
Bettina Sauer ist Expertin bei Stiftung Warentest und hat den Test von neun Versandapotheken maßgeblich bewertet. Sie warnt vor fehlender Beratung und vor möglichen Fälschungen bei unseriösen Anbietern.
Wie erkennt man eine seriöse Online-Apotheke?
Seriöse Versandapotheken tragen das gemeinsame EU-Logo, das beim Klick auf das offizielle Verzeichnis der zugelassenen Anbieter oder auf eine Ministeriumsseite führt. Fehlt dieses Logo oder werden zweifelhafte Rabatte auf die Zuzahlung bei E-Rezepten angeboten, ist Vorsicht geboten.
Warum ist die Beratung bei Online-Apotheken häufig schlechter?
Im Test fehlten bei mehreren Anbietern wichtige Hinweise zu Wechselwirkungen und Nebenwirkungen, besonders bei rezeptpflichtigen Medikamenten. Stiftung Warentest bewertete die Gesundheitsberatung daher nur in zwei Fällen als gut, der Großteil erhielt nur ein befriedigendes Urteil.
Online-Apotheken Test 2026: Preisvorteile und Risiken | finanz360