Österreich startet Supercomputer MUSICA – inklusive Quantenrechner OTTER
Wien, 03. Juli 2026
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Kurzfassung
An drei Standorten in Wien, Linz und Innsbruck ist der neue Hochleistungsrechner MUSICA offiziell in Betrieb gegangen. Das System erreicht 45,11 Petaflops und integriert erstmals den Quantenrechner OTTER mit bis zu 20 Qubits in eine klassische Höchstleistungsinfrastruktur.
Der neue österreichische Hochleistungsrechner MUSICA ist am Freitag an den drei Standorten Wien, Linz und Innsbruck offiziell eröffnet worden und verbindet klassisches Supercomputing mit Künstlicher Intelligenz sowie dem Quantenrechner OTTER.
Drei Standorte, ein System
Das Projekt mit dem vollständigen Namen „Multi-Site Computer Austria" bündelt seine Rechenleistung an der TU Wien im „Science Center" im Wiener Arsenal, an der Johannes Kepler Universität Linz sowie an der Universität Innsbruck. Insgesamt 184 Rechenknoten (Compute Nodes) befinden sich am Standort Wien-Landstraße, die Standorte Innsbruck und Linz beherbergen jeweils 128 Knoten. Die geografische Verteilung erhöht nach Angaben der Betreiber die Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit, da die Einzelteile unabhängig voneinander betrieben werden können.
Die Rechenleistung des neuen Systems liegt bei insgesamt 45,11 Petaflops. Ein Petaflop entspricht einer Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde. Den Kern bilden 1.088 Grafikprozessoren (GPUs) und 880 Hauptprozessoren (CPUs). Damit ist MUSICA laut den beteiligten Institutionen mehr als achtmal schneller als sein unmittelbarer Vorgänger, der Vienna Scientific Cluster 5 (VSC-5). In der Juniliste zählt das neue System zu den 100 schnellsten Supercomputern der Welt.
Quantenrechner OTTER als integraler Bestandteil
Eine Besonderheit ist die Integration des neuartigen Quantencomputers OTTER am Standort Innsbruck. OTTER verfügt über bis zu 20 miteinander verschaltete Qubits, also die quantenmechanischen Recheneinheiten, und ist direkt an den MUSICA-Verbund angeschlossen. Mit OTTER verfügt Österreich laut den Partnern über seinen ersten operationell genutzten Quantenrechner. Die Integration des Quantensystems schlug mit zusätzlichen 9 Millionen Euro zu Buche.
ASC-Direktor Andreas Rauber betonte, dass MUSICA „zwei Welten, die in der modernen Wissenschaft zunehmend zusammenwachsen: klassische Großsimulation und KI-gestützte Datenanalyse" miteinander verbinde. Der Supercomputer sei Teil des „Austrian Scientific Computing"-Netzwerks (ASC), dem auch die vorherigen schnellsten Rechner des Landes angehören – der Vienna Scientific Cluster 5 sowie dessen Vorgänger VSC-4.
Breites Anwendungsspektrum
Die Anwendungsfelder von MUSICA reichen von Grundlagenforschung wie der Simulation elektromagnetischer Wellenausbreitung über Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften bis hin zu Lebens- und Umweltwissenschaften sowie KI-bezogenen Berechnungen. Die Services der Infrastruktur stehen laut den Betreibern „Anwendern aus Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung offen, die einen Bedarf nach sehr hoher Rechenleistung haben". Damit sollen Wissenschaft, Industrie und Verwaltung gleichermaßen Zugang zu Spitzenrechenleistung erhalten.
Partner des Projekts sind die TU Wien, die TU Graz, die Universität Wien, die Universität Innsbruck, die Johannes Kepler Universität Linz, die Universität für Bodenkultur (Boku) sowie das Institute of Science and Technology Austria (ISTA). Eingebunden ist damit ein breites Konsortium der heimischen Hochschulen und Forschungsinstitutionen. Der reguläre Betrieb von MUSICA hatte bereits im Mai begonnen, die offizielle Eröffnung erfolgte am Freitag im Rahmen einer Standort-übergreifenden Veranstaltung.
Finanzierung über EU- und Bundesmittel
Finanziert wurde das Vorhaben zu 20 Millionen Euro aus der Forschungsinitiative „Quantum Austria", die Mittel aus dem EU-Aufbaufonds „NextGenerationEU" erhält. Weitere 16 Millionen Euro steuerte das Bundesministerium für Wissenschaft bei. Die Gesamtinvestition inklusive der Quantenintegration beläuft sich damit auf rund 36 Millionen Euro für die Anschaffung, hinzu kommen laufende Betriebskosten.
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) sprach von einem „Meilenstein für den Forschungsstandort Österreich. Der Supercomputer schafft die Grundlage dafür, dass Spitzenforschung, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und Innovation auch künftig in Österreich auf höchstem Niveau stattfinden können" und sichere die technologische Souveränität.
Warnung vor Kürzungen
Der Innsbrucker Quantenphysiker Gregor Weihs, der im März 2027 sein Amt als Rektor der Universität Innsbruck antreten wird, hob hervor, dass MUSICA „High Performance Computing, Künstliche Intelligenz und Quantencomputing auf internationalem Niveau" vereine. Er warnte zugleich, dass effektive Kürzungen der Universitätsbudgets „nicht nur Hochleistungsrechnen und KI" treffen, sondern „auch Österreichs ersten Quantencomputer massiv in seiner Nutzung und Weiterentwicklung betreffen" würden.
Rauber unterstrich ebenfalls die finanziellen Rahmenbedingungen und forderte angesichts ungewisser Hochschuletats eine „verlässlichen, planbaren Finanzierung des MUSICA-Betriebs". Ohne eine langfristige Mittelzusicherung, so die Warnung aus dem ASC, könne der internationale Anschluss in Hochleistungsrechnen, KI und Quantencomputing mittelfristig gefährdet sein.
Mit dem Startschuss verändert sich die österreichische Forschungslandschaft strukturell: Erstmals sind klassische Simulation, datengetriebene KI-Methoden und Quantenrechnen in einem föderierten Hochleistungsverbund zusammengeführt. Forschende können künftig hybriden Code schreiben, der Teile der Berechnung an die GPUs und CPUs und andere Teile an die Qubits von OTTER auslagert. Solche hybriden Quanten-Klassik-Workflows gelten international als eines der vielversprechendsten Rechenmodelle der kommenden Jahre.
Hybrides Rechnen als neues Modell
Die Standortwahl Wien-Landstraße im Arsenal ist nicht zufällig: Das dortige TU-Wien-Science-Center ist seit Jahren Schnittstelle zwischen universitärer Forschung, Industrie und öffentlichen Einrichtungen. Mit der Bündelung von Großrechenkapazität an einem traditionsreichen Forschungsstandort soll der Wissenstransfer in die Anwendung beschleunigt werden.
Für die kommenden Monate kündigten die Betreiber eine schrittweise Erweiterung der Nutzergruppen sowie erste Pilotprojekte zur Quantenintegration an. Antragsteller aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung müssen ihre Vorhaben in einem Peer-Review-Verfahren genehmigen lassen, ähnlich wie bei den Vorgängersystemen VSC-4 und VSC-5.
Beobachter sehen in MUSICA nicht nur einen Technologiesprung, sondern auch ein Signal an den Forschungsstandort Europa: Österreich positioniere sich mit der Kombination aus klassischer Höchstleistung und Quantenrechnen in einer Liga, die sonst vor allem von den USA, China und wenigen EU-Mitgliedstaaten bespielt werde. Damit habe das Land die Chance, bei KI- und Quantenanwendungen künftig eine sichtbarere Rolle zu spielen.
Die offizielle Inbetriebnahme markiert zugleich den Auftakt einer langfristig angelegten Betriebsphase. Die Lebensdauer eines Hochleistungsrechners dieser Klasse beträgt typischerweise fünf bis sieben Jahre, ehe er durch eine Nachfolgegeneration ersetzt wird. Die Weichen für MUSICA-2 oder vergleichbare Folgeprojekte würden, so die Erwartung der Forschungscommunity, jetzt gestellt.
Dass der Eröffnungstermin auf einen Freitag fiel, hatte Symbolkraft: Die gleichzeitige Inbetriebnahme an drei Standorten unterstrich den föderierten Ansatz und das Bekenntnis der beteiligten Universitäten zu einer gemeinsamen, dezentralen Forschungsinfrastruktur für ganz Österreich.
Fragen & Antworten
Was ist MUSICA und wo steht der Supercomputer?
MUSICA – ausgeschrieben „Multi-Site Computer Austria" – ist ein neuer österreichischer Hochleistungsrechner, der auf drei Standorte verteilt ist: die TU Wien im Wiener Arsenal, die Johannes Kepler Universität Linz und die Universität Innsbruck.
Was unterscheidet MUSICA von seinem Vorgänger VSC-5?
MUSICA erreicht laut den beteiligten Institutionen 45,11 Petaflops und ist damit mehr als achtmal schneller als der Vienna Scientific Cluster 5; zudem integriert das neue System erstmals den Quantencomputer OTTER mit bis zu 20 Qubits.
Wer hat MUSICA finanziert und wer kann ihn nutzen?
Das Projekt wurde mit insgesamt rund 36 Millionen Euro aus der Forschungsinitiative „Quantum Austria" (NextGenerationEU) sowie Mitteln des Wissenschaftsministeriums finanziert; die Rechenleistung steht Forschungs-, Wirtschafts- und Verwaltungsnutzern nach einem Antragsverfahren offen.
Supercomputer MUSICA startet in Wien, Linz und Tirol | finanz360