Führende deutsche Wirtschaftsforscher haben das in der Nacht zum Donnerstag von Union und SPD vereinbarte Reformpaket als unzureichend kritisiert, um die längste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit zu überwinden.

Die Präsidenten des Ifo Instituts in München, des DIW in Berlin, des ZEW in Mannheim sowie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft äußerten deutliche Kritik an dem 34-Punkte-Paket der Bundesregierung. Clemens Fuest, Achim Wambach und Marcel Fratzscher bemängelten vor allem das Fehlen von Maßnahmen zur Konsolidierung der Staatsausgaben. Fuest sagte wörtlich: "Größter Schwachpunkt des Reformpakets ist, dass Maßnahmen zur Konsolidierung der Staatsausgaben fehlen." Mittelfristig seien steuerliche Entlastungen unmöglich, wenn das Wachstum der Staatsausgaben nicht eingedämmt werde.

Diagnose der Forscher: Wachstumsschwäche und Belastungsfaktoren

Die exportabhängige deutsche Wirtschaft stagniert seit mehr als drei Jahren. Insbesondere die heimische Industrie ist geschrumpft und produziert weniger als in den Jahren vor der Corona-Pandemie. Zu den Belastungsfaktoren zählen hohe Energiekosten, übermäßige Bürokratie, der Fachkräftemangel, die wachsende chinesische Konkurrenz, ein technologischer Rückstand bei IT, KI und Elektronik sowie Handelshemmnisse durch US-Präsident Donald Trump. Auch die unsichere Weltlage mit den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten belastet die Konjunktur.