Nagelsmann erklärt nach DFB-Krisensitzung in Frankfurt den Rücktritt als Bundestrainer
Frankfurt am Main, 03. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem frühen WM-Aus gegen Paraguay im Elfmeterschießen hat Bundestrainer Julian Nagelsmann bei einer dreistündigen Krisensitzung in Frankfurt am Main die Konsequenzen gezogen und wird nach übereinstimmenden Medienberichten seinen Rücktritt erklären. Der DFB-Aufsichtsrat muss nun über die Vertragsauflösung entscheiden; als Wunschnachfolger gilt Jürgen Klopp.
Julian Nagelsmann wird nach einer dreistündigen Krisensitzung mit der DFB-Spitze in Frankfurt am Main seinen Rücktritt als Bundestrainer erklären und macht damit den Weg für einen Nachfolger frei.
Aus im Elfmeterschießen
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist bei der WM in den USA bereits im Sechzehntelfinale gescheitert. Nagelsmann war mit der DFB-Auswahl in der Nacht von Montag auf Dienstag im Sechzehntelfinale der WM im Elfmeterschießen an Paraguay gescheitert. Nach dem 1:2 gegen den Außenseiter in Foxborough hatte der 38-Jährige noch erklärt, weitermachen zu wollen. „Ich bin keiner der wegläuft. Ich stehe zur Verfügung und mache bis zur Europameisterschaft 2028 weiter“, sagte Nagelsmann im Stadion.
Doch nur wenige Tage später fiel die Entscheidung in einer „geheimen Sitzung“ in der DFB-Zentrale. Wie der TV-Sender Sky und die „Bild“-Zeitung berichteten, wurde Nagelsmann dort am Donnerstagmorgen drei Stunden lang zu den Gründen des frühen Scheiterns befragt. „Nagelsmann habe sich zur Kaderzusammenstellung, seinen Personal-Entscheidungen während des Turniers sowie dem täglichen Miteinander im Basecamp des Teams äußern müssen“, hieß es. Anschließend habe ihm DFB-Präsident Bernd Neuendorf nahegelegt, freiwillig von seinem Amt zurückzutreten. „Nagelsmann solle sich Bedenkzeit erbeten haben“, berichtete die Sportschau. Über die Auflösung eines Vertrags von Nagelsmann würde der DFB-Aufsichtsrat entscheiden.
Die Sitzung in Frankfurt
Die DFB-Führung hatte nach dem Turnier rasch Beratungsbedarf angemeldet. Bei der Sitzung drei Tage nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay waren nach Informationen der „Bild“ Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler, Liga-Boss Hans-Joachim Watzke und DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig dabei. Laut Sportschau könnte bereits am Freitag eine Entscheidung bekanntgegeben werden. „Ich kann mir in keinem Fall vorstellen, dass er Trainer bleibt … es gibt eine breite Ablehnungsfront in Deutschland gegen ihn“, sagte Sportschau-Reporter Heiko Neumann. „Er rechnet damit, dass der DFB bereits im Laufe des Freitags die Trennung von Nagelsmann bekanntgeben wird.“
Der Verband äußerte sich bislang nicht, kündigte aber an: „Man werde weiter fortlaufend berichten.“ Zudem soll DFB-Präsident Bernd Neuendorf am Mittwoch in einer internen Mail an hochrangige Ehren- und Hauptamtliche über den Stand der Dinge informiert haben. „Ich bin überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, um weiterzumachen“, sagte Völler noch vor der Sitzung über Nagelsmann, schränkte aber ein: „Aber ich bin nicht der DFB alleine. Ich habe das nicht alleine zu entscheiden.“
Berichte über den Rücktritt
Nach Informationen der „Bild“-Zeitung wird Nagelsmann nun einen Schritt gehen, den er nach der Niederlage selbst noch ausgeschlossen hatte. „Julian Nagelsmann will nach Informationen der Bild-Zeitung seinen Rücktritt erklären“, hieß es. Laut der Frankfurter Rundschau soll die Ablösung von Nagelsmann „ausgemachte Sache und bis zum Wochenende durch“ sein. Dem Vernehmen nach hat Nagelsmann eine „gesichtswahrende Lösung“ akzeptiert und so einer Entlassung vorgegriffen.
Sollte es zur Vertragsauflösung kommen, steht einem Bericht zufolge eine Abfindung im siebenstelligen Bereich im Raum. „die Spanne des Gehalts von Nagelsmann betrachtet, die zwischen extremen 7 Millionen Euro und immer noch stattlichen 4,8 Millionen Euro angegeben wird“ – diese Größenordnung war zuletzt diskutiert worden. Nagelsmanns Vertrag lief eigentlich bis zur EM 2028, sodass noch zwei Jahre Restlaufzeit bestünden. Im Raum steht eine Abfindung in Höhe eines Jahresgehalts.
Klopp als Wunschlösung
Als sein möglicher Nachfolger gilt Jürgen Klopp. „so wird vor allem der Name Jürgen Klopp genannt“, heißt es in den Berichten. Der 59-Jährige ist seit Januar 2025 Head of Global Soccer bei Red Bull und arbeitet parallel als TV-Experte bei MagentaTV in den USA. Zuvor war er sehr erfolgreicher Trainer von Borussia Dortmund und des FC Liverpool, mit dem er 2019 die Champions League und die englische Meisterschaft gewann. Klopps Vertrag beim Getränkekonzern läuft bis 2029; nach Medienberichten gibt es aber zumindest eine mündliche Vereinbarung, die ihm den Wechsel zum DFB ermöglichen würde. Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff erklärte allerdings, der Vertrag enthalte keine Ausstiegsklausel.
Bierhoff begrüßte diese Personalie ausdrücklich. „Da braucht man kein Fachmann zu sein, um zu sagen, dass Jürgen Klopp als Bundestrainer, sollte er wechseln, natürlich der Wunschtrainer wäre“, sagte der frühere DFB-Geschäftsführer bei Sky. Auch der ehemalige Nationalspieler Bastian Schweinsteiger nannte Klopp und Völler in einem Atemzug: „wenn Julian Nagelsmann nicht weitermachen sollte, würde ich sagen, dass Jürgen Klopp und Rudi Völler schon das Dream-Team wären“. Klopp selbst hatte indes betont, das Amt sei aktuell nicht sein Fokus. „Das sei ‚kein Halbtagsjob‘, sagte er selbst. „Ich verstehe das, wenn über den Bundestrainer gesprochen wird, dass da irgendwie mein Name genannt wird.“ Bei MagentaTV hatte er zuletzt süffisant formuliert: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch.“
Dritter Trainer binnen fünf Jahren
Beim Boulevard ist die Personalie dennoch gesetzt. „so sicher wie das Amen in der Kirche“, zitierte der „Spiegel“ einen einflussreichen Top-Manager eines Spitzenklubs. DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke kennt Klopp aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten und pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Auch der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel verwies auf eine längere Vorgeschichte: „Das wusste Klopp auch, weil ihm dies Vertreter des DFB im Frühjahr 2019 in Liverpool erläutert haben“ – damals sei ihm die Löw-Nachfolge für 2022 in Aussicht gestellt worden.
Nagelsmann wäre der dritte Nationaltrainer, von dem sich der DFB innerhalb von nur fünf Jahren verabschiedet. Nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland durfte Joachim Löw zunächst weitermachen und hielt sich bis November 2021. Dessen Nachfolger Hansi Flick verantwortete die „kommunikativ desaströse WM in Katar“ 2022, ehe er freigestellt wurde. Nagelsmann wiederum hatte das Amt im September 2023 übernommen, galt als „Wunschlösung“ von Sportdirektor Völler und führte die Mannschaft bei der Heim-EM 2024 bis ins Viertelfinale, in dem man Spanien mit 1:2 nach Verlängerung unterlag.
Experten fordern Umbruch
Die sportliche Bilanz ist aus Sicht vieler Experten katastrophal. Nagelsmanns erste Turnier als Bundestrainer war die Heim-EM vor zwei Jahren, bei der Deutschland im Viertelfinale mit 1:2 nach Verlängerung gegen den späteren Titelträger Spanien ausschied. „Schon bei der Heim-EM haben wir nicht wirklich geglänzt. Danach blieb eine Entwicklung aus. Jetzt zu den Top 32 der Welt zu zählen, kann nicht unser Anspruch sein. Deswegen muss er hinterfragt werden“, schrieb Philipp Lahm in seiner Kolumne bei „Kicker“. „Wenn man die ganze Faktenlage gerade so sieht, würde ich sagen: Es muss sich auf der Trainerposition etwas ändern“, forderte Mats Hummels bei MagentaTV.
Auch Ex-Torwart Oliver Kahn hatte bereits am Mittwoch über LinkedIn gefordert, die Verhältnisse grundsätzlich zu hinterfragen. „Talent bringt dich zur Weltmeisterschaft. Verantwortung entscheidet, wie lange du dort bleibst“, schrieb der Europameister von 1996 und Vize-Weltmeister von 2002. „Drei Bundestrainer sind am selben Punkt gescheitert“, bilanzierte er – und verwies auf das Elfmeter-Drama gegen Paraguay: „Eine Spitzenmannschaft sucht in diesem Augenblick keine Freiwilligen. Sie hat Spieler, die den Ball verlangen.“
Spieleranalysen und Stimmung
Aus Sicht von Schweinsteiger braucht es eine umfassende Aufarbeitung. „Ich denke, man muss alles hinterfragen“, sagte der 41-Jährige, Rio-Weltmeister von 2014, in der Sportschau. Auch Berlins Verbandschef Bernd Schultz forderte eine breite Diskussion. „Ich wünsche mir, dass eine breite Diskussion geführt wird“, sagte er. Unmittelbar nach dem Aussetzen hatte Jamal Musiala bereits auf Instagram betroffen reagiert: „Euch alle enttäuscht zu haben, schmerzt vielleicht am meisten.“ Jonathan Tah, der 30-jährige Abwehrspieler des FC Bayern, schrieb: „Der verschossene Elfmeter ist mir schon Tausende Male durch den Kopf gegangen … Ich würde ihn nächstes Mal wieder schießen! Mit voller Überzeugung und Zuversicht, ihn für Deutschland reinzumachen.“
Die sportliche Analyse fällt verheerend aus. „selten spielte ein deutsches Nationalteam verkrampfter und orientierungsloser als in den Partien gegen Ecuador und Paraguay, den klaren Aussenseitern“, heißt es in einem Kommentar. Auffällig war die Degradierung des langjährigen Stützen Oliver Baumann zugunsten von Manuel Neuer, ein öffentliches Scharmützel mit dem Stürmer Deniz Undav, das „ohne Not“ erfolgte sowie Personaldiskussionen während des Turniers. Beim 7:1 gegen Curaçao erzielte Musiala sein einziges Turniertor ohne Torvorlage; im Elfmeterschießen gegen Paraguay scheiterte zuerst Kai Havertz vom FC Arsenal. „als das System Nagelsmann beim 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay final kollabierte“, lautete das Fazit eines Beobachters.
Offene Personalfragen
Das Krisentreffen dauerte etwa drei Stunden und fand am Donnerstag in der Zentrale des Verbandes in Frankfurt am Main statt. „Laut ‚Frankfurter Rundschau‘ soll die Ablösung von Nagelsmann ausgemachte Sache und bis zum Wochenende durch sein“, hieß es. Die genauen Modalitäten sind weiter offen – „Spekuliert wird mittlerweile auch über die Zukunft von Völler und Rettig“, wie aus den Berichten hervorgeht. Dem DFB-Aufsichtsrat kommt die formale Entscheidung über die Vertragsauflösung und die Nachfolge zu.
Die Zeit drängt sportlich: Das erste Ländspiel nach der WM ist für den 24. September in den Niederlanden zum Auftakt der Nations League geplant. Sollte Klopp den Posten antreten, würde er nach Meinung Neumanns den Neustart in dieser Partie verantworten, „mit weiteren Wechseln an der DFB-Spitze rechnet er aber nicht“. Auch Nike wird 2027 Adidas als DFB-Ausrüster ablösen – die Neuaufstellung der Nationalelf fällt also in eine Phase großer Umbrüche. „Wir haben ein absolutes Topverhältnis, ein freundschaftliches Verhältnis. Julian ist ein Toptrainer“, hatte Völler zwar noch vor dem Paraguay-Spiel im DFB-Camp in Winston-Salem gesagt. An der Diagnose änderte das nichts mehr: Kaum jemand rechnet noch mit seinem Verbleib beim DFB.
Fragen & Antworten
Wer ist Julian Nagelsmann und warum tritt er zurück?
Julian Nagelsmann war seit September 2023 Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Nach dem Aus im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay und einer dreistündigen Krisensitzung mit der DFB-Spitze in Frankfurt am Main will er laut übereinstimmenden Medienberichten seinen Rücktritt erklären.
Wer könnte Nachfolger von Nagelsmann werden?
Als Wunschnachfolger gilt Jürgen Klopp, der seit Januar 2025 Head of Global Soccer bei Red Bull ist und parallel als TV-Experte bei MagentaTV arbeitet. Zuvor war er als Trainer von Borussia Dortmund und FC Liverpool erfolgreich.
Was passiert nun mit dem Vertrag von Nagelsmann?
Der DFB-Aufsichtsrat muss über die Auflösung des bis zur EM 2028 laufenden Vertrags entscheiden. Im Raum steht nach Medienberichten eine Abfindung in Höhe eines Jahresgehalts; Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig sollen ebenfalls auf dem Prüfstand stehen.
Nagelsmann Rücktritt: DFB-Trennung nach WM-Aus gegen | finanz360