Nach dem WM-Debakel: DFB vor Grundsatzentscheidung über Nagelsmann – Klopp gilt als Wunschlösung
Frankfurt am Main, 01 Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada steht Bundestrainer Julian Nagelsmann massiv in der Kritik. Medienberichten zufolge ist Jürgen Klopp offen für eine Nachfolge, der DFB will in den kommenden Tagen über die Zukunft entscheiden.
Frankfurt am Main, 01 Juli 2026
Nach dem enttäuschenden WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale gegen Paraguay steht Bundestrainer Julian Nagelsmann vor einer ungewissen Zukunft, während Jürgen Klopp Medienberichten zufolge bereit wäre, das Amt zu übernehmen.
Das frühe Ende der deutschen Mannschaft bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada hat eine intensive Debatte über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann ausgelöst. Nach dem 3:4 im Elfmeterschießen gegen den Außenseiter Paraguay am vergangenen Wochenende, bei dem Jonathan Tah als sechster Schütze den ersten Elfmeter seiner Profikarriere schießen musste, „weil alle anderen nicht mehr wollen, ist leider bezeichnend“, wie der als TV-Experte tätige Mats Hummels kritisierte, steht die sportliche Führung des Deutschen Fußball-Bundes vor einer Grundsatzentscheidung.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte bereits unmittelbar nach der Niederlage klare Worte gefunden und erklärt: „Nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben werden wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Am Tag nach dem WM-Aus verbreitete der Verband ein kurzes Statement seines Präsidenten, in dem dieser mitteilte: „Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Nach bedingungslosem Rückhalt für den Bundestrainer klingt das nicht.
DFB-Spitze signalisiert Handlungsbedarf
Anstatt einer Abschluss-Pressekonferenz wie nach der EM 2021 oder Fragerunden nach der WM 2022 und der EM 2024 hatte es diesmal lediglich ein per Video vom DFB verbreitetes Statement von Neuendorf gegeben, ohne Möglichkeit, Fragen zu stellen. Am Flughafen München verließ der 38-jährige Nagelsmann das Gebäude bei strömendem Regen durch einen Hinterausgang – an einem Dutzend Journalisten vorbei, die vergeblich auf eine Stellungnahme warteten. Begleitet wurde der 38-Jährige von Partnerin Lena Wurzenberger, Mutter Burgi und seinem Co-Trainer und langjährigen Begleiter Benjamin Glück.
Berichten zufolge ist Jürgen Klopp offen für die Nachfolge Nagelsmanns. „Ich stehe bereit, wenn man das möchte“, hatte Klopp bereits im Vorfeld durchblicken lassen. Der 59-jährige ehemalige Erfolgstrainer von Mainz, Dortmund und Liverpool ist derzeit als „Head of Global Soccer“ beim globalen Konzern Red Bull tätig, wo sein Arbeitspapier noch eine Laufzeit bis zum Jahr 2029 aufweist. Es wird berichtet, dass Red Bull für eine vorzeitige Freigabe von Klopp definitiv eine Ablösesumme verlangen würde, die sich wohl im einstelligen Millionen-Bereich bewegt.
Klopp lässt Tür offen – unter Vorbehalt
Auf den konkreten Fall angesprochen, reagierte Klopp bei „MagentaTV“ allerdings zurückhaltend: „Ich habe einen Job und wir haben auch einen Bundestrainer“, sagte Klopp. Zudem erklärte er: „Da muss man jetzt einfach sagen: gut, da muss man sich irgendwann anders drum kümmern“, sagte Klopp vor dem Sechzehntelfinale zwischen England und der DR Kongo bei „MagentaTV“. Allerdings betonte der 59-Jährige zuvor noch in seiner Rolle als TV-Experte bei „MagentaTV“, Head of Global Soccer bei Red Bull bleiben zu wollen.
Hummels brachte neben Klopp auch Pep Guardiola als möglichen Kandidaten ins Gespräch. „Ich glaube, dass sowohl Pep Guardiola als auch Jürgen Klopp überall hinpassen – jede Vereinsmannschaft, jede Nationalmannschaft. Deswegen könnte ich mir beide sehr gut vorstellen“, sagte der Weltmeister von 2014, der bei der WM 2006 zum Liebling des Volkes aufgestiegen war, als er – übrigens in der Nachfolge der Lichtgestalt Franz Beckenbauer – den Deutschen als Experte im ZDF den Fußball erklärte. „Die beiden besten Trainer des vergangenen Jahrzehnts, der letzten 17, 18 Jahre in meinen Augen weltweit“, betonte Hummels.
Über Klopp fügte der Weltmeister abschließend an: „Er könnte ein Land auch nochmal komplett hinter sich vereininen. Es ist schon eine Vorstellung, die mir sehr gut gefällt, die eine Mannschaft noch mal komplett auf eine Spur bringt, wo es vor allem um das Gewinnen geht – nur um das Gewinnen, das ist das Wichtigste“, sagte der Weltmeister von 2014. Auch der frühere DFB-Manager Oliver Bierhoff riet dem Verband, sich um Klopp zu bemühen: „Ich glaube, da braucht man keinen Fachmann zu sein, dass man sagt, Jürgen Klopp ist als Bundestrainer, sollte er gewechselt werden, natürlich der Wunschtrainer“, sagte Bierhoff bei „Sky Sport DE“.
Hummels bringt Guardiola ins Spiel
Auch Sami Khedira, Weltmeister von 2014, meldete sich zu Wort. Das Fiasko von Foxborough gegen Paraguay sei „die Quittung für die letzten Jahre“, sagte der 2014er-Weltmeister. Mit Blick auf den aktuellen Kader ergänzte er: „Wir dürfen die Kinder nicht in Watte packen und sagen: Das Gewinnen ist nicht wichtig, wir müssen einfach nur die perfekte Technik haben“, sagte Khedira. „Kinder nicht in Watte packen“ – er stieß eine Diskussion an, die nun wieder Fahrt aufnehmen wird.
Bierhoffs ehemaliger Mitspieler Schweinsteiger, inzwischen „ARD“-Experte, übte ebenfalls Kritik. „Man habe schon vor Jahren den Fehler gemacht zu sagen, jetzt müsse man versuchen, nur noch fußballerische Lösungen zu finden“, sagte „ARD“-Experte Schweinsteiger. Torwart-Legende Oliver Kahn sprang ihm bei: „Wir haben entscheidende Entwicklungen im internationalen Fußball verpasst, das wird immer deutlicher.“
Philipp Lahm, Weltmeister-Kapitän von 2014, sah in einem Gastbeitrag für den „Kicker“ die Verantwortung beim Bundestrainer: „Für das Ausscheiden trägt natürlich der Bundestrainer die Verantwortung“, sagte der Weltmeister-Kapitän von 2014. Auch von Lahm gab es keine Rückendeckung für den 38-Jährigen. „Ich habe nie eine Mannschaft gesehen, die miteinander agiert“, sagte Lahm. Der deutschen Mannschaft fehle eine „natürliche Hierarchie“, bemängelte Lahm. Außerdem könne er „perfekt“ erklären, „warum wir die Gruppenphase mit sieben Punkten hätten beenden müssen.“ Der zweimalige Weltmeister war beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada jedoch mit nur zwei Zählern vorzeitig ausgeschieden.
„Schmallippig und patzig“ sei Nagelsmann gewesen, kritisierte Hummels, der zugleich einräumte, durch seine Ausbootung für die Heim-EM immer noch emotional befangen zu sein. „Hummels bewertete den Auftritt von Nagelsmann nach dem Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay im Elfmeterschießen als „zu schmallippig“, zudem sei der Trainer „manchmal ein bisschen patzig“ rübergekommen.
Verträge und Finanzen als Stolperstein
Nagelsmann besitzt einen Vertrag bis einschließlich der EM 2028, er soll etwa sieben Millionen Euro jährlich verdienen. Grundlage für Abfindungsverhandlungen wäre demnach ein Restvertragswert von 14 Millionen. Nagelsmann selbst schloss einen Rücktritt aus: „Ich bin keiner, der sagt, ich trete zurück, weil wir ausgeschieden sind“, hatte Nagelsmann erklärt. „Und wenn man das nicht möchte, muss man das sagen“, hatte Nagelsmann erklärt. Er bereite die EM und auch die im September beginnende neue Nations-League-Runde „gerne“ vor, wenn der DFB das wolle, so Nagelsmann weiter.
Anders als Löw aber, der 2018 tatsächlich zunächst mit Rücktrittsgedanken gespielt hatte, hat Nagelsmann gleich nach dem Ausscheiden verkündet, dass er gern weitermachen und seinen bis 2028 laufenden Vertrag erfüllen würde. Joachim Löw und Hansi Flick konnten sich nach den WM-Enttäuschungen 2018 und 2022 im Amt halten, weil es keinen natürlichen Nachfolgekandidaten gab. „Drei Bundestrainer sind am selben Punkt gescheitert: Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann. Wenn du dreimal ausscheidest so früh bei einer Weltmeisterschaft, ist das kein Zufall mehr.“ Ähnlich äußerte sich auch Kahn.
Berti Vogts, der frühere Bundestrainer, schrieb in seiner Kolumne für die „Rheinische Post“: „Wir haben im Moment keine Spieler, die auf höchstem Niveau mithalten können“. Vogts wiederum ist dafür, sich künftig an anderen Nationen zu orientieren: „Der Bundestrainer muss nach England fahren, nach Frankreich, nach Südamerika. Er muss schauen: Was wird da anders und vielleicht besser gemacht, was können wir für uns nutzen?“ Seiner Meinung nach müsse es regelmäßige Treffen des Bundestrainers mit den Bundesliga-Trainern geben, „um eine moderne Analyse des internationalen Fußballs zu machen.“ Dazu solle man auch ausländische Nationaltrainer einladen.
Kritik an der Verbandsspitze
Auch Dietmar Hamann äußerte sich kritisch. „Sky“-Experte Dietmar Hamann nannte namentlich Präsident Bernd Neuendorf und Geschäftsführer Andreas Rettig, deren Entscheidungen hinterfragt werden müssten. „Man muss auch mal die Führung des DFB infrage stellen“, sagte Hamann, dem insbesondere der Vertrag des arg kritisierten Bundestrainers Julian Nagelsmann bis zur EM 2028 nicht gefällt. „Ich glaube, es ist an der Zeit, die Herren Neuendorf und Rettig zu hinterfragen, wie das passieren konnte.“
Vom Experten zum Bundestrainer: Diesen Weg ist auch Franz Beckenbauer gegangen, der bei der EM 1984 als Kolumnist für die „Bild“-Zeitung tätig war, und von eben dieser „Bild“-Zeitung nach dem Vorrundenaus der Nationalmannschaft als Nachfolger von Jupp Derwall ins Amt gehievt wurde. Am Mittwoch titelte die „Sportbild“: „Wir brauchen Klopp als Stimmungs-Dreher.“ In den kommenden Tagen und Wochen dürfte der mediale Druck eher noch zunehmen – zumal er auf die nötige Resonanz stoßen würde. „Kloppo“ dürfte auf den meisten Stimmzetteln stehen.
Wirtschaftliche Hintergründe
Dabei spielen die Finanzen eine nicht unwesentliche Rolle, auch wenn sich durch den Nike-Deal (kolportiert 100 Millionen pro Jahr) vieles beim einst so klammen Verband entspannt hat. Adidas-Chef Björn Gulden schätzte zuletzt, dass in Summe mehr als drei Millionen Deutschland-Trikots verkauft würden, dreimal so viele wie noch bei der Weltmeisterschaft in Katar vor vier Jahren. Diese Nachricht wurde am 01.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Warum steht Julian Nagelsmann nach der WM 2026 in der Kritik?
Deutschland schied bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada bereits im Sechzehntelfinale nach Elfmeterschießen gegen Paraguay aus. Ex-Spieler wie Mats Hummels, Philipp Lahm und Sami Khedira kritisierten Auftritt und Auftreten des Bundestrainers, zudem lieferte die Mannschaft über das Turnier hinweg keine erkennbare Entwicklung.
Wie offen ist Jürgen Klopp für das Amt des Bundestrainers?
Medienberichten zufolge ist Klopp grundsätzlich offen für eine Nachfolge Nagelsmanns. Gleichzeitig verwies er bei „MagentaTV“ auf seine laufende Tätigkeit als „Head of Global Soccer“ bei Red Bull, deren Vertrag bis 2029 datiert ist; für eine vorzeitige Freigabe würde Red Bull laut Berichten eine Ablöse im einstelligen Millionenbereich verlangen.
Welche Rolle spielt Pep Guardiola in der DFB-Diskussion?
Der frühere Weltmeister Mats Hummels nannte Guardiola bei „MagentaTV“ neben Klopp als möglichen Kandidaten. Sollte der 55-jährige Spanier übernehmen, wäre dies das erste Mal, dass ein ausländischer Trainer die deutsche Nationalmannschaft betreuen würde.
DFB: Klopp offen für Bundestrainer-Job nach WM-Aus | finanz360