Mehr als elf Tage nach einem Doppelerdbeben im Norden Venezuelas ist die offizielle Zahl der Toten auf 3.342 gestiegen, rund 16.470 Menschen wurden nach Regierungsangaben verletzt, während die Vereinten Nationen bis zu 50.000 Vermisste befürchten.

Am 24. Juni hatten kurz hintereinander zwei starke Erdbeben den Norden Venezuelas erschüttert. Am schwersten betroffen war der nördlich der Hauptstadt Caracas gelegene Bundesstaat La Guaira. Das Informationsministerium in Caracas erklärte, dass mehr als 3.340 Menschen ums Leben gekommen seien. Zudem seien 16.470 Menschen verletzt worden, wie die Regierung mitteilte.

Die offizielle Zahl der Todesopfer durch das verheerende Doppelerdbeben in Venezuela ist auf mehr als 3.300 gestiegen. Es seien bisher 3.342 Todesopfer geborgen worden, teilte die Regierung am Sonntag mit. Zuvor waren rund 2.900 Todesopfer angegeben worden. Die Behörden gehen von mehr als 16.000 Verletzten aus.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte diese aber bei bis zu 50.000 liegen. Zur Zahl der noch Vermissten machte die Regierung erneut keine Angaben. Diese Nachricht wurde am 05.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

Wachsende Kritik an den Behörden

Unterdessen wächst die Frustration über eine von einigen als verspätet und unzureichend bezeichnete Reaktion auf die Katastrophe. Überlebende und Hilfsorganisationen hatten den Behörden Schwerfälligkeit und Ineffizienz vorgeworfen. Es fehle schweres Gerät zur Trümmerbeseitigung, weshalb die Rettungsarbeiten maßgeblich von Zivilisten und ausländischen Helfern getragen würden.

Den materiellen Schaden beziffern die Behörden ebenfalls dramatisch. Mehr als 17.300 Menschen verloren den Angaben zufolge ihr Zuhause. Familien in La Guaira und angrenzenden Küstengebieten suchen seit Tagen nach Angehörigen, während Strom- und Wasserversorgung in mehreren Gemeinden weiterhin unterbrochen sind.

Regierung verteidigt ihr Vorgehen

Interimspräsidentin Delcy Rodriguez verteidigte das Vorgehen der Regierung in einer Rede anlässlich des 215. Jahrestags der Unabhängigkeit Venezuelas. Sie erklärte, sie habe unverzüglich Sicherheitskräfte entsandt. Sie habe unmittelbar Einsatzkräfte und eine Notfalleinheit beim Militär entsandt.

Zugleich kündigte die Übergangspräsidentin die Schaffung einer neuen Militäreinheit an, die bei Notfällen und Katastrophen helfen soll. Übergangspräsidentin Rodriguez wies Kritik an den Rettungsarbeiten zurück. Beobachter sehen darin den Versuch, die eigene Reaktion gegen wachsende Zweifel in der Öffentlichkeit zu verteidigen.

Internationale Hilfe und Vermisste

Die Kluft zwischen offizieller Darstellung und Erfahrungsberichten aus den Katastrophengebieten bleibt groß. Internationale Helfer berichten von einer langsamen Koordination und einem Mangel an schwerem Gerät, wodurch Verschüttete teils erst Tage nach den Erdstößen geborgen werden konnten. Hilfsorganisationen fordern einen ungehinderten Zugang zu den betroffenen Zonen.

Die venezolanische Regierung steht damit innenpolitisch unter Druck, während international die Sorge wächst. Die Vereinten Nationen haben ihre Schätzungen zu Vermissten zuletzt deutlich nach oben korrigiert, was die Hoffnung auf eine baldige Verringerung der Opferzahl mindert.

Mit der neuen Militäreinheit und dem Verweis auf bereits entsandte Sicherheitskräfte versucht Rodriguez, die Kritik zu entkräften. Gleichzeitig wächst in der Bevölkerung und bei Rettungskräften die Unzufriedenheit über Tempo und Umfang der Hilfsmaßnahmen.

Die kommenden Tage gelten als entscheidend dafür, ob die Behörden die Versorgung der Überlebenden spürbar verbessern und eine transparente Bilanz zu Vermissten vorlegen können. Ohne schweres Gerät und zusätzliche ausländische Hilfe dürften die Bergungsarbeiten nur langsam vorankommen, warnen Helfer vor Ort.