Kritik an Trump wächst nach Tod von US-Soldaten im Iran-Konflikt
Washington, 20 Juli 2026
Jacob Michael Reinhold Lenz / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Nach dem Tod mehrerer US-Soldaten durch iranischen Beschuss im Nahen Osten wächst die Kritik am Kriegskurs von Präsident Donald Trump. Demokratische Kongressabgeordnete werfen ihm einen Krieg ohne Plan vor, während die USA weitere Kampfjets in die Region verlegen.
Washington, 20 Juli 2026
Im eskalierenden Konflikt zwischen den USA und Iran sind nach Angaben des US-Militärs seit Freitag mindestens zwei weitere amerikanische Soldaten durch iranischen Beschuss in Jordanien getötet worden, womit die Gesamtzahl der gefallenen US-Soldaten seit Kriegsbeginn auf 17 gestiegen ist.
Verstärkung der US-Luftwaffe in der Region
Die USA verlegen nach Medienberichten zusätzliche Kampfjets vom Typ F-16 vom Stützpunkt Spangdahlem in der Eifel sowie F-35-Maschinen vom britischen Stützpunkt RAF Lakenheath in den Nahen Osten. Wie das "Wall Street Journal" und die "New York Times" unter Berufung auf US-Beamte berichten, sind auch Tankflugzeuge Teil der Verlegung. Demnach war die Entscheidung dazu bereits getroffen worden, bevor am Freitag laut dem US-Militär zum ersten Mal seit Monaten wieder zwei US-Soldaten durch iranischen Beschuss getötet wurden.
Am Sonntag meldete das US-Militär zudem den Tod eines weiteren Soldaten im Irak, der am Samstag bei der kontrollierten Sprengung einer abgestürzten iranischen Drohne ums Leben kam. Damit erhöht sich die Zahl der US-Toten im Konflikt seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf Iran auf insgesamt 17. Das für die Region zuständige Militärkommando CENTCOM hatte am frühen Morgen mitgeteilt, die Angriffswelle sei vorüber.
Das US-Militär bezeichnete die neuen Angriffe als "Strafe" für den tödlichen Beschuss eines US-Stützpunkts in Jordanien. Nachdem die iranische Marine Schiffe in der Straße von Hormus beschossen hatte, bombardierte die US-Luftwaffe in der Nacht Munitionsdepots und Raketenstellungen an der iranischen Küste. Die USA zerstören nach eigenen Angaben zudem Brücken in Iran und greifen wieder täglich iranische Ziele an.
Iran reagiert mit Angriffen auf Golfstaaten
Iran reagierte seinerseits mit Raketen und Drohnen auf US-Militärbasen in Bahrain und Kuwait sowie auf einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien. Nach iranischen Angaben bombardierte das US-Militär zudem ein im Bau befindliches Atomkraftwerk. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) untersucht die Angriffe auf die iranische Atomanlage. Israelische und jordanische Streitkräfte fingen nach eigenen Angaben eine auf den jordanischen Badeort Aqaba gerichtete iranische Rakete ab.
Auch die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts verschärfen sich. Die für den internationalen Handel zentrale Meerenge Straße von Hormus ist faktisch dicht, Öltanker und Containerschiffe stecken im Persischen Golf fest. US-Soldaten sind in mehreren Golfstaaten stationiert und damit in Reichweite iranischer Drohnen und Raketen. Iran hat nach Berichten auch Meerwasserentsalzungsanlagen in Kuwait bombardiert.
Wirtschaftliche Folgen und Reaktionen in der Region
Die Golfstaaten suchen eigenen Angaben zufolge aktiv nach alternativen Exportrouten für ihr Öl und Gas. Zeidon al-Kinani, Direktor des Arab Perspectives Institute in Doha, sprach im Gespräch mit der ARD von einer "ökonomischen Katastrophe". Al-Kinani warnte, falls der Konflikt so weitergehe, drohe ein halb-dauerhafter Krieg mit endlosen Schlägen und Vergeltungsschlägen, vielleicht mit kurzen Pausen.
In allen arabischen Golfstaaten gebe es kurzfristig den Wunsch, den Krieg zu beenden. "Künftig heißt: nach dem Krieg", erklärte al-Kinani mit Blick auf die langfristige Gestaltung der Beziehungen zu Iran. Auch Katar und Saudi-Arabien seien ins Visier der Iraner geraten. Nach Angaben des ARD-Korrespondenten in Doha verfalle die Bevölkerung trotz Luftalarms noch nicht in Panik.
Kritik im US-Kongress
Im US-Kongress wächst unterdessen die Kritik an Präsident Donald Trump. Mark Warner, Vizevorsitzender des Geheimdienstausschusses im Senat, sagte gegenüber CBS News, es sei bemerkenswert, dass es nicht noch mehr Opfer gegeben habe. Warner erklärte: "Wir haben buchstäblich Hunderte Schwerverletzte." Er warf Trump vor, den Krieg ohne Plan begonnen zu haben, und verwies darauf, dass "keine unmittelbare Bedrohung durch Iran bestand".
Warner, Mitglied der sogenannten "Gang of Eight" im Kongress, kritisierte scharf die Kriegsführung: "wenn man einen Krieg aus eigener Entscheidung beginnt", sei dies die Konsequenz. Weitere demokratische Kongressabgeordnete schlossen sich der Kritik an Trumps Kriegsführung an. Trump war am Samstag nach dem Angriff in Jordanien zunächst öffentlich nicht in Erscheinung getreten.
Die "Washington Post" zitierte einen namentlich nicht genannten US-Beamten mit der Aussage, die USA bereiteten sich auf einen umfassenderen Krieg vor. Derselbe Beamte hob demnach jedoch auch hervor, dass "Wir haben nicht genug, um die Einsätze sicher aufrechtzuerhalten, und ich glaube nicht, dass sich das Weiße Haus dessen bewusst ist". Schwindende Waffenvorräte setzten einer Ausweitung des militärischen Vorgehens Grenzen.
Experten warnen vor Fehleinschätzung
Ein jordanischer Ex-General im Studio in Doha sagte im Gespräch mit dem ZDF, man könne stündlich damit rechnen, dass die Amerikaner ihre Angriffe verstärkten. "Diese Schläge könnten von hoher Intensität sein", sagte er. Deutlich heftiger als die der letzten Tage. Trump habe zudem eine erneuerte Seeblockade gegen Iran angekündigt. US-Präsident Donald Trump hat den Krieg nach eigenen Angaben als notwendig erklärt, um Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern.
Politikwissenschaftler Hasni Abidi hält eine militärische Lösung nicht für erfolgversprechend. Bei Al-Jazeera sagte er: "Wenn die militärische Eskalation darauf abzielt, den Einfluss Irans auf die Straße von Hormus zu verringern, dann ist das eine Fehleinschätzung." Die Kontrolle über die Straße von Hormus sei für die Iraner inzwischen nicht nur Teil der eigenen Sicherheitsdoktrin, sondern auch ihr einziger Trumpf. Nach iranischen Angaben wurden bei US-Angriffen der vergangenen drei Wochen mindestens 50 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt.
Im Sender al-Jazeera aus Katar sind die Angriffe auf die Golfstaaten wieder jeden Abend das Topthema. Auch Seeleute auf angegriffenen Schiffen in der Straße von Hormus, ausländische Arbeitskräfte in attackierten Golfstaaten sowie Menschen in Israel und Libanon sind dem Konflikt bereits zum Opfer gefallen. Das Weiße Haus habe zugestimmt, dass CENTCOM die Todesfälle der US-Soldaten öffentlich mache.
Die USA führen den Krieg in Iran nach bisherigem Stand ohne Bodeninvasion. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran zur Beendigung des Krieges scheitert laut "Washington Post" an den Eskalationen im Streit um die Kontrolle des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Nach Angaben des Senders Deutschlandfunk, der den Beitrag am 20. Juli 2026 ausstrahlte, ist die Lage ernst.
Auch die ZDF-Korrespondenten berichten von einer deutlichen Kehrtwende der US-Regierung im Umgang mit dem Konflikt. Die Eskalation seit Beginn des Monats hatte sich an der Straße von Hormus entzündet, die für den weltweiten Energiehandel von zentraler Bedeutung ist. Seit mehr als einer Woche folgt auf jeden Angriff schnell der Vergeltungsschlag.
Fragen & Antworten
Wie viele US-Soldaten sind im Iran-Konflikt bisher getötet worden?
Die Gesamtzahl der seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf Iran gefallenen US-Soldaten ist nach Angaben des US-Militärs auf 17 gestiegen, zuletzt durch zwei Tote bei iranischem Beschuss in Jordanien am Freitag sowie einen weiteren Soldaten im Irak am Samstag.
Welche Vorwürfe erhebt Mark Warner gegen Präsident Trump?
Mark Warner, Vizevorsitzender des Geheimdienstausschusses im Senat, wirft Trump vor, den Krieg ohne Plan begonnen zu haben, obwohl keine unmittelbare Bedrohung durch Iran bestanden habe, und verwies auf hunderte Schwerverletzte.
Warum ist die Straße von Hormus im Konflikt so umkämpft?
Die Meerenge ist für den weltweiten Energiehandel von zentraler Bedeutung und gilt iranischen Strategen als Teil der eigenen Sicherheitsdoktrin sowie als einziges Druckmittel; sie ist aktuell faktisch gesperrt.
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