Das Bundeskabinett hat am 7. Juli 2026 einen Gesetzentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) gebilligt, der die Steuern auf Spirituosen, Champagner, Sekt, Likörweine und Alkopops um 20 Prozent anhebt.
Der Entwurf sieht nach Angaben des Bundesfinanzministeriums Mehreinnahmen von 455 Millionen Euro vor. Eine 0,7-Liter-Flasche Wodka mit 40 Prozent Alkohol würde demnach rund 90 Cent mehr kosten. Zusätzlich plant die Bundesregierung die Einführung einer Zuckersteuer auf Getränke wie Limonaden und Colas sowie höhere Steuern auf Tabak.
Unverändert bleiben sollen hingegen die Biersteuer sowie die Abgaben auf Wein, der weiterhin steuerfrei bleibt. Damit greift die Reform ausdrücklich nicht in die am weitesten verbreiteten alkoholischen Getränke ein, sondern konzentriert sich auf höherprozentige Produkte und Süßgetränke.
Kritik aus der Ärzteschaft
Kritik an dem Vorhaben kommt unter anderem aus der Ärzteschaft. Erik Bodendieck, der als Vertreter medizinischer Berufsverbände öffentlich Stellung bezog, nannte die Reform im Deutschlandfunk-Bericht "Schwachsinnig", weil sie aus gesundheitspolitischer Sicht kaum Wirkung entfalte. Auch Suchtforscher wie Jakob Manthey sehen in der geplanten Erhöhung kein wirksames Instrument, um den Alkoholkonsum in der Bevölkerung spürbar zu senken.
Aus Sicht der Kritiker ist die Maßnahme vor allem fiskalisch motiviert. Sie verweisen darauf, dass Preiserhöhungen von etwa 20 Prozent in der Regel zu kurzfristigen Konsumrückgängen führten, langfristig aber durch Preisanpassungen der Hersteller und eine Gewöhnung der Konsumenten weitgehend aufgeweicht würden. Für eine nachhaltige Senkung des Pro-Kopf-Verbrauchs seien strukturelle Maßnahmen wie Werbebeschränkungen, ein Mindestpreis pro Gramm Alkohol oder eine umfassende Präventionsstrategie nötig.
