Insolvenzfonds IEF vor Finanzierungslücke 2027 | finanz360
Insolvenzfonds in Österreich droht 2027 eine Finanzierungslücke von 160 Millionen Euro
Wien, 26. Juli 2026
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Kurzfassung
Dem österreichischen Insolvenzentgeltfonds (IEF) fehlen laut Prognosen im Jahr 2027 rund 160 Millionen Euro, weil die Reserven seit der Senkung des IESG-Zuschlags auf 0,1 Prozent schrumpfen. Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) kündigt Handlungsbedarf an, nennt aber noch keine konkreten Maßnahmen.
Dem österreichischen Insolvenzentgeltfonds (IEF) fehlen im Jahr 2027 voraussichtlich rund 160 Millionen Euro, weil die Reserven seit der Senkung des IESG-Zuschlags Anfang 2022 kontinuierlich schrumpfen und zugleich die Leistungsauszahlungen steigen.
Der Insolvenzentgeltfonds (IEF) ist die zentrale Sicherungseinrichtung für Beschäftigte in Österreich: Wenn ein Arbeitgeber insolvent wird, springt der Fonds ein und stellt offene Löhne, Urlaubsersatzleistungen und Abfertigungen sicher. Finanziert wird er über den sogenannten IESG-Zuschlag zum Arbeitslosenversicherungsbeitrag, den die Arbeitgeber allein tragen. „Der IEF wird von den Arbeitgebern über den sogenannten IESG-Zuschlag zum Arbeitslosenversicherungsbeitrag gespeist", heißt es aus dem zuständigen Ressort.
Wie der Insolvenzentgeltfonds funktioniert
Anfang 2022 halbierte der damalige Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) diesen Zuschlag per Verordnung von 0,2 auf 0,1 Prozent der Beitragsgrundlage. „Nun reduzierte der damalige Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) den IESG-Zuschlag Anfang 2022 mittels Verordnung von 0,2 auf 0,1 Prozent der Beitragsgrundlage." Diese Entlastung brachte der Wirtschaft rund 125 Millionen Euro, schwächte jedoch nachhaltig die Einnahmebasis des Fonds.
Seit dieser Senkung schmelzen die Reserven des IEF. „Seit damals schmolzen die Reserven des Fonds", berichtet die IEF-Service GmbH. Lag das Guthaben zu Jahresbeginn noch bei rund 385 Millionen Euro, so wird es laut Prognose bis Ende 2026 auf rund 40 Millionen Euro sinken. „Das Guthaben schrumpft laut der IEF-Service GmbH (Insolvenzentgeltfonds) von rund 385 Millionen Euro auf rund 40 Millionen Euro bis Ende 2026."
Halbierung 2022 als Auslöser
Gleichzeitig steigen die Ausgaben. Für das Jahr 2027 rechnet das Arbeitsministerium laut Kurier mit einem Leistungsaufwand von 350 Millionen Euro. Dem stehen Einnahmen aus dem IESG-Zuschlag von nur 162 Millionen Euro gegenüber. „Gleichzeitig wird der IEF aber nur mit 162 Mio. Euro gespeist." Damit klafft im nächsten Jahr eine Lücke von rund 160 Millionen Euro. „Somit fehlen dem Fonds nächstes Jahr rund 160 Mio. Euro."
Hintergrund der steigenden Ausgaben ist nach Angaben des Ministeriums die aktuelle wirtschaftliche Lage mit einer erhöhten Zahl an Insolvenzen. „Durch die aktuelle wirtschaftliche Lage und die vermehrten Insolvenzen wird der Fonds nun allerdings stärker beansprucht." Im Vorjahr schlugen große Insolvenzen wie Kika/Leiner und KTM zu Buche, die den IEF erheblich belasteten. „Im Vorjahr kamen große Insolvenzen wie Kika/Leiner und KTM hinzu."
Große Insolvenzen belasten die Kasse
Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) ist per Gesetz verpflichtet, eine ausgeglichene Gebarung des IEF sicherzustellen. „Schumann ist per Gesetz dazu verpflichtet, eine ‚ausgeglichene Gebarung' des IEF zu gewährleisten." Im Kurier warnte sie: „Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie ein bewährtes Sicherheitsnetz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Risse bekommt." Der Fonds sei in den vergangenen Jahren „stark gefordert" worden. „Wenn die Zahlen zeigen, dass Handlungsbedarf besteht, dann müssen wir handeln und dürfen nicht warten, bis es zu spät ist", sagte Schumann auf KURIER-Anfrage.
Die Ministerin formulierte zudem den Anspruch, dass der IEF auch künftig zuverlässig helfen können müsse. Es brauche „eine nachhaltige Finanzierung". „Man müsse dafür sorgen, dass der IEF ‚auch künftig ausreichend finanziert ist'." Gleichzeitig forderte sie: „Es ist unsere Verantwortung, rechtzeitig zu handeln." Mit dem derzeitigen Beitragssatz sei keine ausgeglichene Gebarung mehr gewährleistet, bestätigte das Arbeitsministerium.
Ministerin Schumann unter Zugzwang
Konkret nennt das Ministerium bislang keine Details zur Schließung der Lücke. „Vorerst nennt das Ministerium jedoch keine Details." Prinzipiell stehen laut Kurier zwei Wege offen: Der IEF könnte die Finanzierungslücke durch eine Kreditaufnahme decken, was zusätzliche Staatsschulden bedeuten würde. Alternativ könnte Schumann – wie einst Kocher – den IESG-Zuschlag per Verordnung erhöhen oder senken. „Prinzipiell gibt es wohl zwei Optionen: Der IEF kann die Finanzierungslücke durch eine Kreditaufnahme, also zusätzliche Staatsschulden, decken. Schumann kann aber auch – wie seinerzeit Kocher – den IESG-Zuschlag per Verordnung erhöhen oder senken."
Eine Rückführung des Zuschlags auf 0,2 Prozent würde die jährliche Belastung je Arbeitnehmer von derzeit rund 54 Euro auf etwa 108 Euro im Jahr 2027 erhöhen. „Die jährlichen Kosten durch den IESG-Zuschlag liegen derzeit durchschnittlich bei rund 54 Euro pro Arbeitnehmer." Damit stiegen die Lohnnebenkosten 2027 kräftig an, bevor die Regierung – auf Betreiben von ÖVP und Neos – für 2028 eine Senkung der Lohnnebenkosten um rund zwei Milliarden Euro plant. „Davor dürfte diese 2027 aber erst einmal kräftig steigen." Die FPÖ kritisiert: „Anstatt auf Kontinuität und Verlässlichkeit zu setzen, wurde eine Beitragssenkung beschlossen, deren finanzielle Folgen nun offen zutage treten".
Optionen: Kredite oder höhere Beiträge
Arbeitnehmerkammer (AK) und GPA haben in Presseaussendungen eine Erhöhung des Insolvenzbeitrags gefordert. Auch der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) übte Kritik an der Senkung des Zuschlags auf 0,1 Prozent. Die nun offen werdende Finanzierungslücke sei laut Kurier im Doppelbudget nicht thematisiert worden, „weil es die Lohnnebenkostensenkung relativiert und damit die Erfolgserzählung von ÖVP und Neos konterkariert hätte".
Die Krakenzeitung und der Kurier berichteten am Wochenende zuerst, dass der IEF vor dem Aus steht. Die Tageszeitung titelte: „Insolvenzfonds ist pleite". Auch wenn der Fonds formal noch nicht insolvent ist, steht er mit einer prognostizierten Reserve von nur 30 Millionen Euro zum Jahresende nach den Worten der Ministerin vor einer Zerreißprobe. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Regierung den IESG-Zuschlag anhebt oder den Fonds über Kredite stützt – beides wäre politisch heikel.
Was die Lücke für Beschäftigte bedeutet
Die Folgen einer unzureichenden Finanzierung trügen am Ende Beschäftigte, deren Arbeitgeber in finanzielle Schieflage geraten. Ohne ausreichend dotierte Rücklage müssten sie im Ernstfall auf ausstehende Gehälter, Urlaubs- und Abfertigungszahlungen warten, bis eine allfällige Insolvenzmasse verteilt wird. Damit verlöre der IEF genau jene Funktion, die ihn seit Jahrzehnten als bewährtes Sicherheitsnetz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auszeichnet.
Fragen & Antworten
Wer ist Korinna Schumann und welche Rolle spielt sie in der IEF-Krise?
Korinna Schumann ist als Arbeitsministerin der SPÖ für den Insolvenzentgeltfonds zuständig und per Gesetz verpflichtet, eine ausgeglichene Gebarung sicherzustellen. Sie kündigte an, nicht tatenlos zuzusehen, und fordert eine nachhaltige Finanzierung des Fonds.
Warum schrumpfen die Reserven des Insolvenzentgeltfonds seit 2022?
Anfang 2022 halbierte der damalige Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) den IESG-Zuschlag von 0,2 auf 0,1 Prozent der Beitragsgrundlage, was die Einnahmen des IEF deutlich senkte. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben wegen vermehrter Insolvenzen wie Kika/Leiner und KTM, sodass die Reserven von rund 385 Millionen Euro auf etwa 40 Millionen Euro bis Ende 2026 fallen.
Welche Möglichkeiten hat die Regierung, die 160-Millionen-Euro-Lücke 2027 zu schließen?
Laut Kurier stehen grundsätzlich zwei Wege offen: entweder eine Kreditaufnahme des IEF, die zusätzliche Staatsschulden bedeutet, oder eine Rückführung des IESG-Zuschlags auf 0,2 Prozent per Verordnung durch Ministerin Schumann, was die jährliche Belastung je Arbeitnehmer von rund 54 auf etwa 108 Euro erhöhen würde.