Die ostdeutsche Wirtschaft läuft einer Studie des ifo-Instituts zufolge Gefahr, den Anschluss an den Rest Deutschlands zu verlieren, wenn Politik und Wirtschaft nicht entschieden gegensteuern.

Der am Mittwoch veröffentlichte „Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026“ des Dresdner ifo-Instituts zeichnet ein gemischtes Bild: Zwar ist die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigem in den ostdeutschen Flächenländern zuletzt auf 78 Prozent des Westniveaus gestiegen, doch bei privaten Investitionen und der Vermögensverteilung klaffen weiterhin große Lücken.

„Wenn Politik und Wirtschaft jetzt nicht entschieden gegensteuern“, warnte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Dresdner ifo-Niederlassung, drohe sich die Schere zwischen Ost und West trotz wachsenden Wohlstands wieder zu weiten.

Investitionslücke bleibt groß

Als zentrale Wachstumshemmnisse identifiziert die Studie einen Mangel an privaten Investitionen und fehlende Fachkräfte. Ohne Wohnungsbau und öffentliche Infrastruktur erreichten die privaten Pro-Kopf-Investitionen in Ostdeutschland zwischen 2019 und 2023 nur rund zwei Drittel des westdeutschen Niveaus.

Bezieht man den Wohnungsbau mit ein, liegen die privaten Unternehmensinvestitionen je Einwohner immerhin bei etwa drei Vierteln des Westwerts. Dennoch bleibe die Lücke beträchtlich, heißt es in dem Report.

Auch die Vermögenssituation ist ungleich: Ostdeutsche Haushalte verfügen im Durchschnitt nur über etwa ein Viertel des westdeutschen Durchschnittsvermögens. Achim Oelgarth, Mitherausgeber des Reports, erklärte dazu: „Vermögen wirkt wie ein ökonomisches Sprungbrett.“

Demografie als zusätzliche Bremse

Der demografische Wandel verschärft die Lage zusätzlich. Bis 2035 wird die Zahl der Erwerbstätigen in Ostdeutschland laut der Studie um sieben Prozent zurückgehen. Besonders stark betroffen sind Thüringen und Sachsen-Anhalt, wo der Rückgang noch deutlicher ausfällt.

Ragnitz sieht einen zentralen Hebel in der Innovationsförderung. „Sinnvoll wäre es, sehr viel stärker auf Technologietransfer zu setzen als bisher. Damit könnte die strukturelle Innovationsschwäche ostdeutscher Unternehmen überwunden werden“, sagte er.

Innovation als Ausweg

Der Wettbewerbsreport basiert auf dem „ifo-Faktenmonitor“, der rund 250 Indikatoren zur Wirtschaftstätigkeit für alle deutschen Bundesländer enthält. Die Daten zeigen, dass die Aufholjagd des Ostens ins Stocken geraten ist.

Die Autoren fordern von der Politik gezielte Maßnahmen, um private Investitionen anzuregen und die Abwanderung von Fachkräften zu bremsen. Andernfalls drohe eine dauerhafte Spaltung der Wirtschaftskraft in Deutschland.

Der Bericht stützt sich auf Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters und wurde am 28. Mai 2026 um 12:44 Uhr veröffentlicht.