Die Weltgesundheitsorganisation bewertet den Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" als weitgehend abgeschlossen. Insgesamt wurden 13 Fälle gezählt, darunter drei Todesfälle, die Nachbeobachtung der Kontaktpersonen läuft aus.
Genf, 30 Juni 2026
Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" der niederländischen Reederei Oceanwide Expeditions neigt sich nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Ende zu, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus mitteilte.
Auf der in Argentinien begonnenen Kreuzfahrt des Schiffes "Hondius" der niederländischen Reederei Oceanwide Expeditions hatten sich mehrere Menschen mit dem Hantavirus - konkret mit dem südamerikanischen Andes-Typ des Virus - angesteckt. Ghebreyesus schrieb auf der Plattform X, die Lage bleibe stabil. Damit bestätigte er zugleich die schon Wochen zuvor geäußerte Einschätzung der WHO, wonach keine Gefahr einer großen Ansteckungswelle oder Pandemie besteht.
Gesamtzahl der Fälle und Bewertung
Die Gesamtzahl der Fälle liege weiter bei 13, darunter drei Todesfälle. Die WHO bewertet das Risiko für die breite Bevölkerung als gering. "Die Lage bleibe stabil", schrieb Ghebreyesus weiter. Diese Einschätzung deckt sich mit den Worten von Lars Schaade, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), der im Vorfeld gesagt hatte: "Im Moment sieht es gut aus". Auch zu möglichen Übertragungen in Europa gab sich Schaade zuversichtlich: "Das ist kein Virus, das sich verbreitet".
Die erste infizierte Person, ein 70-jähriger Mann, hatte das Schiff bestiegen, bevor er wirklich krank wurde. Er steckte eine weitere Person an, seine Ehefrau. Darauf folgten noch zwei weitere Generationen mit Übertragungen. All das geschah, bevor auf dem Schiff strenge Infektionsschutzmassnahmen ergriffen wurden.
Erste Infektionskette an Bord
Zunächst wurde gemutmasst, sie hätte sich beim Vogelbeobachten auf einer Müllhalde in Argentinien angesteckt. Das wurde untersucht und das Virus aber nicht in Nagetieren dort gefunden. Wo und wann sich der Mann tatsächlich infizierte, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Üblicherweise werden Hantaviren von Nagetieren übertragen, etwa durch Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub. Hantaviren sind bei Nagern auch in Europa weitvverbreitet. In Südamerika ist die gefährlichere Andes-Variante in Langschwanz-Zwergreisratten verbreitet. Das Andesvirus gilt als einziges Hantavirus, bei dem es vereinzelt auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen geben kann. Die offiziellen Angaben zur Inkubationszeit reichen bisher von ein bis sechs Wochen.
Eigenschaften des Andes-Virus
Diese Variante kann das Einlagern von Flüssigkeit in die Lunge (Lungenödem) und einen Kreislaufschock auslösen, was innerhalb von Stunden zu Atemstillstand oder Herz-Kreislauf-Versagen führen kann. Die Andes-Variante ist auch die einzige Hantavirusvariante, für die Mensch-zu-Mensch-Übertragungen bekannt sind. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigten klar, dass der Ausbruch von einer schon lange bekannten Variante ausging, es sich also nicht um eine neue, gefährlichere oder ansteckendere Form handelt.
Die engen Verhältnisse auf dem Kreuzfahrtschiff mit 147 Passagieren begünstigten, dass das Virus sich ausbreiten konnte. Rund 150 Menschen aus 23 Ländern waren demnach auf der "Hondius". Auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» war am 11. April ein Passagier gestorben. Dass es sich um eine Hantavirus-Infektion gehandelt hatte, wurde allerdings erst am 2. Mai bestätigt.
Kreuzfahrt unter Quarantäne
Wegen des Ausbruchs legte das Schiff im Mai an der Insel Teneriffa an. Am 10. Mai legte die «Hondius» auf Teneriffa an, die Passagiere wurden von der Ferieninsel ausgeflogen. Von wo aus die Menschen an Bord unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimatländer kamen.
Alle Kontaktpersonen der beiden Fälle, die in Südafrika identifiziert worden seien, hätten ihre Nachbeobachtungszeit abgeschlossen, ohne dass weitere Fälle gemeldet worden seien. Auch in Spanien und den Niederlanden seien die Quarantäne- und Nachbeobachtungszeiten abgeschlossen. 30 Kontaktpersonen würden noch nachbeobachtet, hieß es weiter.
Nachbeobachtung in Europa und Südafrika
Die WHO betonte zugleich, dass die Überwachung aufrechterhalten bleibt, falls doch noch einzelne Nachzügler-Fälle auftreten sollten. Erfahrungsgemäß können Erkrankungen auch noch Wochen nach der vermuteten Ansteckung ausbrechen. Die zuständigen Gesundheitsbehörden der betroffenen Länder seien weiterhin in Kontakt, hieß es aus Genf.
Insgesamt bewerten die Behörden den Ausbruch als eingedämmt. Weder das RKI noch die WHO sehen Anzeichen dafür, dass sich das Virus außerhalb des Kreuzfahrtschiffes und seiner unmittelbaren Kontaktpersonen stärker verbreitet hat. Reisebeschränkungen wurden nicht empfohlen.
Die Reederei Oceanwide Expeditions äußerte sich bisher nicht öffentlich zu dem Vorfall. Die niederländische Reederei hatte das Schiff ursprünglich für Expeditionsreisen in entlegene Regionen wie die Antarktis und die Arktis konzipiert. Nach dem Ausbruch lief die "Hondius" direkt einen Hafen auf den Kanarischen Inseln an, um die Passagiere ausfliegen zu können.
Für die medizinische Forschung liefert der Ausbruch dennoch wichtige Erkenntnisse: Erstmals konnte in diesem Umfang dokumentiert werden, wie sich die Andes-Variante unter beengten Bedingungen von Mensch zu Mensch ausbreitet. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigten klar, dass der Ausbruch von einer schon lange bekannten Variante ausging.
Forschung und Lehren aus dem Ausbruch
Der Vorfall erinnert in mehrfacher Hinsicht an frühere Hantavirus-Geschehen in Südamerika, bei denen es ebenfalls zu begrenzten Mensch-zu-Mensch-Ketten kam. In Europa hingegen gelten Hantaviren seit langem als endemisch; bestimmte Varianten lösen hier in der Regel mildere Verläufe mit grippeähnlichen Symptomen aus, die als Nephropathia epidemica bekannt sind.
Die WHO erklärte, sie werde den Fall weiter beobachten und bei Bedarf neue Empfehlungen veröffentlichen. Tedros Adhanom Ghebreyesus dankte den beteiligten Gesundheitsbehörden für die zügige Zusammenarbeit. Damit ist der Hantavirus-Ausbruch auf der "Hondius" zwar noch nicht vollständig für beendet erklärt, steht aber nach Einschätzung der Experten kurz vor dem Abschluss.
Mit Blick auf die kommende Kreuzfahrtsaison wiesen Experten darauf hin, dass Schiffsbetreiber ihre Hygienekonzepte überprüfen sollten. Bei Reisen in Regionen mit endemischen Nagetierpopulationen sei eine vorausschauende Aufklärung der Passagiere ratsam, um im Ernstfall schneller reagieren zu können.
Die WHO wertet den Ausbruch auf der "Hondius" als Beispiel dafür, wie konsequente Kontaktnachverfolgung und schnelle Quarantänemaßnahmen eine mögliche Ausbreitung stoppen können. Das RKI schloss sich dieser Einschätzung an und verwies auf den guten Verlauf der Nachbeobachtung in Deutschland.
Sollten in den kommenden Wochen keine neuen Fälle mehr auftreten, dürfte die WHO den Ausbruch offiziell für beendet erklären. Bis dahin bleiben die Gesundheitsbehörden weltweit wachsam - nicht zuletzt, weil die Inkubationszeit laut WHO bis zu sechs Wochen betragen kann.
Insgesamt zeigt der Verlauf des Ausbruchs, dass die zuständigen Behörden in mehreren Ländern grenzüberschreitend schnell reagierten. Von der Identifikation der ersten Fälle über die Evakuierung der Passagiere bis zur lückenlosen Nachverfolgung dauerte es nur wenige Wochen.
Fragen & Antworten
Wer ist Tedros Adhanom Ghebreyesus?
Tedros Adhanom Ghebreyesus ist der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und hat sich auf der Plattform X zur Lage des Hantavirus-Ausbruchs auf der "Hondius" geäußert.
Wie viele Menschen sind an dem Hantavirus-Ausbruch gestorben?
Nach Angaben der WHO liegt die Gesamtzahl der Fälle bei 13, darunter drei Todesfälle, die mit dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" in Verbindung stehen.
Was macht die Andes-Variante des Hantavirus besonders?
Die Andes-Variante ist nach WHO-Angaben die einzige Hantavirusvariante, bei der Mensch-zu-Mensch-Übertragungen bekannt sind, und sie kann innerhalb weniger Stunden zu Lungenödem oder Herz-Kreislauf-Versagen führen.
Hantavirus-Ausbruch Hondius: WHO sieht Ende | finanz360