Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace haben in den frühen Morgenstunden an allen 26 Grenzübergängen der deutschen Autobahnen die bisherige Empfehlung von 130 Kilometern pro Stunde mit Aufklebern für Tempo 100 überklebt, um ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen zu fordern.

Ablauf der Aktion

Wie ein dpa-Reporter berichtete, erklommen Aktivistinnen und Aktivisten am Montag in aller Frühe einen Abschnitt der Autobahn 4 nahe Aachen und brachten an der Autobahn-Grenzübergangsstelle Ventschau einen Aufkleber mit der Zahl 100 an, wo zuvor die Zahl 130 als unverbindliche Richtgeschwindigkeit zu sehen war. Auf dem Schild, das ursprünglich drei Spalten mit den Angaben 50 km/h innerorts, 100 km/h außerorts und der blauen Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auf Autobahnen zeigte, wurde demnach die Autobahn-Spalte verändert. Die Ziffern seien allerdings größer als auf einem verbindlichen Verkehrsschild ausgefallen, und unter der Zahl 100 sei das Wort „Greenpeace" gedruckt worden, um den Protestcharakter der Aktion deutlich zu machen.

Nach Angaben von Greenpeace erfolgte die Aktion zeitgleich an allen 26 beschilderten Autobahn-Grenzübergängen Deutschlands. Der dpa-Reporter beobachtete, dass der Verkehr auf der Autobahn während der Aktion normal weiterlief und keine Reaktionen von Autofahrerinnen und Autofahrern sichtbar wurden.

Forderung an die Bundesregierung

Greenpeace begründete die Aktion als Zeichen für mehr Unabhängigkeit von Öl. Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer sagte: „Daher haben Aktivistinnen das selbst in die Hand genommen und Tempo 100 eingeführt." Die Organisation kritisiert, dass es in Deutschland weiterhin keine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen gibt, obwohl auf großen Abschnitten des Netzes Tempolimits gelten.

Reiserer warf der Bundesregierung vor, eine kostenlose und wirksame Maßnahme zu blockieren. „Die Bundesregierung blockiert eine kostenlose supereffektive Maßnahme, um Sprit zu sparen, das Klima zu schützen und die Straßen sicherer zu machen", erklärte die Greenpeace-Expertin.

Greenpeace argumentiert, ein Tempolimit schütze das Klima und rette Leben. Nach Darstellung der Organisation spare eine Geschwindigkeitsbegrenzung Millionen Liter Kraftstoff. Die Aktivisten überklebten gezielt die 130-Empfehlung, also die unverbindliche Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen, die als einzige der drei Spalten des Schilds keinen verbindlichen Charakter hat.

Kritik am Tankrabatt

Scharf ging die Umweltorganisation zugleich mit dem sogenannten Tankrabatt ins Gericht, also dem von der Bundesregierung beschlossenen Kraftstoffpreis-Entlastungspaket. Eine Sprecherin oder ein Sprecher sagte: „Wer in der fossilen Krise auf fossile Scheinlösungen wie den Tankrabatt setzt, vertagt die Bewältigung des Problems statt es anzugehen." Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt als Maßnahme zur Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher bei den Energiekosten eingeführt.