Erfurt, 09 Juni 2026
Erfurt ist im aktuellen Glücksatlas die zufriedenste Großstadt Deutschlands, während Berlin auf Platz 35 und Rostock auf dem letzten Rang landen.
Im aktuellen Glücksatlas, den die Universität Freiburg in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) erstellt hat, belegt Erfurt mit einem Wert von 7,74 auf dem Zufriedenheitsindex den ersten Platz unter den 40 größten deutschen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern. Auf den weiteren Plätzen folgen Augsburg in Bayern und Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen. Die thüringische Landeshauptstadt mit rund 215.000 Einwohnern wird in der Studie als bestes Beispiel einer ruhigen ostdeutschen Großstadt beschrieben.
Wie die Studienautoren ausführen, gilt für Erfurt: „Die Mieten sind gering, die Umweltqualität hoch und die wirtschaftliche Lage ist im Städtevergleich sogar leicht überdurchschnittlich." Damit hebt sich die Stadt deutlich von anderen ostdeutschen Großstädten ab. Am Ende des Rankings steht Rostock mit einem Wert von nur 5,8 auf dem Zufriedenheitsindex.
Methodik und Datengrundlage
Der Befragung, die vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde, liegen nach Angaben der Studie Antworten von insgesamt 23.286 Menschen zwischen 16 und 84 Jahren zugrunde. Die Erhebung erfolgte „im Zeitraum von Januar 2023 bis April 2026". Damit deckt die Untersuchung mehrere Jahre ab und bildet die Stimmung in den deutschen Großstädten über einen längeren Zeitraum ab.
„Laut der Studie sind die ostdeutschen Großstädter im Durchschnitt unzufriedener, älter, leben häufiger allein und seltener im Wohneigentum" als Bewohner westdeutscher Großstädte. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich: „Auch die Arbeitslosenquoten seien noch höher als im Westen und das verfügbare Einkommen geringer", heißt es in der Studie.
Berlin als sozialer Extremfall
Berlin nimmt im Ranking lediglich den 35. Platz ein und liegt damit hinter Bremen, Wuppertal und Gelsenkirchen. Frankfurt folgt auf Rang 38, Wiesbaden belegt Platz 39. Die Studienautoren sehen in Berlin einen Sonderfall: „Mit einem extrem hohen Anteil an Einpersonenhaushalten zeige sich Berlin als 'sozialer Extremfall'."
Zudem werde die Infrastruktur von den Bewohnern unterdurchschnittlich bewertet, und die mentale Gesundheit der Bevölkerung sei im Vergleich schwächer. Als Grund für die Unzufriedenheit in der Hauptstadt nennen die Studienautoren zudem eine vergleichsweise hohe Kriminalitätsrate. Auffällig ist allerdings, dass Berlin laut der Studie eine überdurchschnittliche Geburtenrate aufweist.
Insgesamt zeigt die Studie einen klaren Trend: „Mit zunehmender Stadtgröße sinke im Durchschnitt die Lebenszufriedenheit". „Das sei ein Muster, das sich mit wenigen Ausnahmen wie Hamburg oder Düsseldorf durch das gesamte Städteranking ziehe", schreiben die Autoren. Dresden landet im Ranking auf Platz 31.
Ost-West-Gefälle bleibt sichtbar
Der Glücksatlas wird seit Jahren als eine der wichtigsten repräsentativen Erhebungen zur Lebenszufriedenheit in Deutschland herangezogen. Die Befragten leben in den 40 größten Städten Deutschlands mit mehr als 200.000 Einwohnern. Damit konzentriert sich die Studie auf urbane Zentren und bildet ländliche Regionen nicht ab.
Die Studie ordnet die Ergebnisse in einen breiteren Kontext ein: Größere Städte bieten häufig mehr kulturelle und berufliche Möglichkeiten, gehen aber offenbar mit Belastungen einher, die sich auf die wahrgenommene Lebensqualität auswirken. Die Ausnahmen Hamburg und Düsseldorf zeigen, dass Größe allein nicht entscheidend ist.
Für die Studienautoren verdeutlicht das Ranking die anhaltenden Unterschiede zwischen Ost und West. Während Erfurt zeigt, dass auch eine ostdeutsche Großstadt hohe Zufriedenheitswerte erreichen kann, verweisen die Werte in Berlin, Rostock und weiteren Städten auf strukturelle Herausforderungen, die mit Blick auf Wohnen, Einkommen und Infrastruktur weiterhin bestehen.
