Geflohener Mörder JVA Celle in Italien gefasst: Ermittlungen | finanz360
Geflohener Mörder aus JVA Celle in Italien gefasst – Niedersachsen prüft Ablauf des Ausgangs
Hannover, 23. Juni 2026
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Kurzfassung
Ein zu lebenslanger Haft verurteilter Straftäter war am 16. Juni während eines begleiteten Ausgangs aus der Justizvollzugsanstalt Celle entkommen, mit seinem Motorrad nach Italien geflohen und dort nach einem Unfall festgenommen worden. Das niedersächsische Justizministerium kündigt an, den Ablauf des Ausgangs umfassend aufzuklären.
Ein zu lebenslanger Haft verurteilter Mörder ist am 16. Juni 2026 während eines begleiteten Ausgangs aus der Justizvollzugsanstalt Celle entkommen, nach Italien geflohen und dort nach einem Motorradunfall festgenommen worden.
Hintergrund: Verurteilung und Haftstrafe
Der 42-jährige Deutsche Benjamin F. verbüßt in der Justizvollzugsanstalt Celle eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung. Verurteilt worden war er 2011 vom Landgericht Hildesheim, das zugleich die besondere Schwere der Schuld feststellte. „Der Deutsche verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung", teilte das niedersächsische Justizministerium mit. Dem Ministerium zufolge muss der Mann mindestens 19 Jahre im Gefängnis bleiben. In Haft sitzt F. demnach seit Oktober 2010.
Die Flucht ereignete sich bei einem begleiteten Ausgang, den F. am 16. Juni von 09:00 bis 17:00 Uhr erhielt. Wie das Justizministerium in Hannover mitteilte, „Dem geflohenen 42-Jährigen war am 16. Juni von 09.00 bis 17.00 Uhr in Begleitung eines JVA-Bediensteten Ausgang gewährt worden, wie das Justizministerium in Hannover mitteilte." Ziel des Ausgangs war die Wohnung seiner Mutter im Peiner Stadtteil Vöhrum. Dort angekommen waren F. und der ihn begleitende Bedienstete gegen 10:30 Uhr.
Der begleitete Ausgang am 16. Juni
Nach Angaben des Justizministeriums durfte der Mann in einer Garage an seinem Motorrad arbeiten. Das Motorrad war in der Nähe der Wohnung seiner Mutter in einer Garage untergestellt. Während der Arbeiten an dem Motorrad war der Bedienstete durchgängig zugegen. „Während der Arbeiten an dem Motorrad war der Bediensteten durchgängig zugegen", erklärte das Ministerium weiter. Zeitweise soll er dabei ohne Begleitung gewesen sein.
Gegen 14.30 Uhr begab sich der Gefangene absprachegemäß erneut zu dem Garagenhof, um seine Arbeiten abzunehmen, wobei er dabei nicht erneut von dem Bediensteten begleitet wurde. Diesen Moment nutzte F., um mit dem Motorrad zu fliehen. „Die vorherigen 37 Ausgänge von F. seien nach Auskunft der Justizvollzugsanstalt ‚beanstandungsfrei verlaufen'." Es war bereits der 38. begleitete Ausgang seit September 2023, der ohne Zwischenfall verlief.
Fahndung und Hinweise aus der Bevölkerung
Nach seiner Festnahme in Italien wird der aus der JVA Celle geflohene Mörder weiterhin in einem Krankenhaus behandelt. Zunächst war nach der Flucht eine öffentliche Fahndung mit Fotos, Namen und Personenbeschreibung ausgeschrieben worden. Das Landeskriminalamt erklärte damals, „Eine konkrete Gefahrenlage für beiden Städte bestehe aber nicht, hieß es." Die Öffentlichkeit wurde zugleich gewarnt, den Flüchtigen nicht anzusprechen und stattdessen den Notruf zu wählen.
Beschrieben wurde F. als circa 192 Zentimeter groß und rund 130 Kilogramm schwer, mit kurzen Haaren und Bart. Zum Zeitpunkt der Flucht trug er demnach eine schwarze Motorradjacke, ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Metallica", eine schwarze Cargohose und schwarze Schuhe. Nach LKA-Angaben ist möglich, dass sich der Gesuchte bevorzugt in den Städten Peine und Kassel aufhält.
Mehrere Hinweise aus ganz Deutschland führten die Ermittler schließlich nach Italien. F. war den Angaben zufolge über Bayern in die norditalienische Region Venetien gereist. Dort wurde er nach einem Motorradunfall südlich von Verona festgenommen. „Dort wurde er nach einem Motorradunfall südlich von Verona festgenommen", hieß es aus dem Ministerium. „Sonst sei niemand in den Unfall verwickelt oder dabei verletzt worden".
Festnahme nach Unfall in Venetien
Nach dem Unfall wurde F. in ein Krankenhaus eingeliefert. „Er muss erst mal im Krankenhaus bleiben", erklärte das Ministerium. Die genauen Umstände des Unfalls und die Schwere seiner Verletzungen sind demnach weiterhin unklar. Die italienische Polizei bewacht den Patienten im Krankenhaus, bis er ausreisen kann.
Benjamin F. kann erst nach Abschluss seiner stationären Behandlung nach Deutschland ausgeliefert werden. Wann der 42-Jährige nach Deutschland ausgeliefert wird, ist noch offen. Auch die Frage, ob F. in seine alte Zelle in der JVA Celle zurückkehrt, ist bislang nicht geklärt.
Prüfung der Umstände durch das Ministerium
Die niedersächsischen Behörden prüfen nun, wie die Flucht möglich war. Ob dabei Fehler gemacht wurden, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Das Ministerium konnte zunächst nicht erklären, warum der JVA-Bedienstete F. bei dessen zweitem Gang zur Garage nicht erneut begleitete. Der Fall werde umfassend aufgeklärt, verspricht die Sprecherin der Behörde. „Der Fall werde umfassend aufgeklärt, verspricht die Sprecherin der Behörde. Wenn nötig, sollen entsprechende Konsequenzen gezogen werden."
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf das niedersächsische Vollzugssystem. Nach dem niedersächsischen Strafvollzugsgesetz müssen Gefangene mit lebenslanger Haft grundsätzlich mindestens acht Jahre verbüßen, bevor sie überhaupt Ausgang oder Freigang erhalten können. 2025 haben in Niedersachsen mehr als 5.900 Personen Ausgang erhalten, drei Gefangene sind entwichen. Im laufenden Jahr 2026 waren es bis zum Zeitpunkt der Flucht fast 2.220 Personen – F. war die einzige, die den Ausgang zur Flucht nutzte.
Die Tat, für die F. verurteilt wurde, liegt rund anderthalb Jahrzehnte zurück. Das Landgericht Hildesheim hatte als erwiesen angesehen, dass er als damals 27-Jähriger die 23-jährige Melanie R. aus Peine mit Messerstichen tötete, weil diese sich weigerte, mit ihm Sex zu haben. Täter und Opfer hatten sich online kennengelernt; das Opfer hatte geglaubt, mit einer 18-Jährigen namens Sarah zu schreiben. F. hatte die Tat im Prozess gestanden.
Mit der Festnahme in Italien wurde die öffentliche Fahndung nach F. beendet. Die Behörden gehen davon aus, dass der Flüchtige nach Abschluss der ärztlichen Behandlung in Deutschland an die JVA Celle überstellt wird. Bis dahin bleibt er unter Polizeibewachung im Krankenhaus in Venetien.
Statistik und politische Reaktionen
Das Justizministerium wies zugleich darauf hin, dass eine Begleitung während eines Ausgangs die Resozialisierung des Gefangenen unterstützen, nicht aber eine Flucht mit letzter Sicherheit verhindern solle. Eine lückenlose räumliche und zeitliche Kontrolle sei mit dem Vollzugszweck nicht vereinbar, hieß es aus Hannover. Diese Rahmensetzung werde im laufenden Prüfverfahren mit Blick auf den konkreten Fall noch einmal bewertet.
Auch die besonderen Umstände des Ausgangs werden untersucht. Dazu zählt, dass F. in der Garage zeitweise ohne Begleitung an seinem Motorrad arbeiten durfte, obwohl das Fahrzeug als Fluchtmittel in Frage kam. Ob diese Erlaubnis den Vorschriften entsprach, ist Teil der laufenden Aufklärung.
Insgesamt bleibt der Fall auch nach der Festnahme politisch brisant. Die Opposition im niedersächsischen Landtag hatte bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Flucht Konsequenzen gefordert. Die Landesregierung verwies auf die laufenden internen Prüfungen sowie auf die Tatsache, dass die Quote der Fluchten aus Ausgängen in Niedersachsen niedrig ist. Ergebnisse der internen Prüfung sollen nach Angaben des Ministeriums noch in diesem Sommer vorgelegt werden.
Fragen & Antworten
Wer ist Benjamin F. und warum sitzt er in Haft?
Benjamin F. wurde 2011 vom Landgericht Hildesheim wegen Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung an der 23-jährigen Melanie R. aus Peine zu einer lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt; das Gericht stellte zugleich die besondere Schwere der Schuld fest. Er verbüßt die Strafe in der JVA Celle, in Haft ist er seit Oktober 2010.
Wie konnte F. während des Ausgangs fliehen?
Am 16. Juni 2026 erhielt F. einen begleiteten Ausgang zur Wohnung seiner Mutter in Peine-Vöhrum. Gegen 14:30 Uhr begab er sich nach Absprache erneut zum Garagenhof, um die Arbeiten an seinem dort eingelagerten Motorrad abzuschließen, und nutzte die fehlende Begleitung bei diesem zweiten Gang zur Flucht mit dem Motorrad.
Wie wurde der Flüchtige in Italien gefasst?
Nach Hinweisen aus Deutschland reiste F. über Bayern in die Region Venetien. Dort verunglückte er südlich von Verona mit seinem Motorrad, wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und dort von der italienischen Polizei festgenommen.