Frederiksen weist Trumps Grönland-Forderung beim Nato-Gipfel in Ankara klar zurück
Ankara, 08 Juli 2026
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Kurzfassung
Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara hat die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen die erneute Grönland-Forderung von US-Präsident Donald Trump scharf zurückgewiesen. Beide Seiten suchen zugleich einen Kompromiss.
Ankara, 08 Juli 2026
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat beim Nato-Gipfel in Ankara die erneute Forderung von US-Präsident Donald Trump nach einer Kontrolle Grönlands durch die Vereinigten Staaten deutlich zurückgewiesen und die Souveränität Dänemarks bekräftigt.
Trump hatte nach seiner Ankunft in der türkischen Hauptstadt erklärt, die größte Insel der Welt solle von den USA und nicht von Dänemark kontrolliert werden. Die Äußerung fiel bei einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und überschattete den Auftakt des Gipfeltreffens der 32 Staats- und Regierungschefs der Nato-Mitgliedstaaten.
Grönland gehört zum Königreich Dänemark, verfügt aber über erhebliche politische Selbstständigkeit. Frederiksen stellte dazu am zweiten Gipfeltag, vor Beginn der Arbeitssitzung der Staats- und Regierungschefs, unmissverständlich klar: „Grönland steht natürlich nicht zum Verkauf.” Die Insel sei kein Handelsgegenstand, sondern Teil eines souveränen Staates.
Grönland: Größte Insel der Welt unter dänischer Hoheit
Zugleich verwies die dänische Regierungschefin auf das Selbstbestimmungsrecht der grönländischen Bevölkerung. Frederiksen sagte: „Wir hoffen, dass alle, einschließlich aller Verbündeten, das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung Grönlands respektieren.” Dänemark sei ein souveräner Staat und erwarte, dass jeder die territoriale Integrität respektiere.
Die Position Dänemarks sei eindeutig, ebenso wie „leider” die Position der USA, fügte Frederiksen hinzu. Auf die Frage nach einer möglichen Eskalation antwortete sie: „Natürlich werden wir das Königreich Dänemark verteidigen.” Frederiksen betonte zudem, Dänemark sei darauf vorbereitet, im Falle eines Angriffs jeden Zoll Nato-Territorium zu verteidigen, einschließlich des eigenen Staatsgebiets.
Trump hatte zu Jahresbeginn wiederholt mit einer Übernahme Grönlands gedroht und die Insel als strategisch bedeutsam im Arktischen Raum bezeichnet. Zur Begründung erklärte er, das zu Dänemark gehörende Territorium sei sonst nicht vor Russland und China sicher – „und damit auch nicht die USA”. Ein hochrangiger US-Vertreter hatte zuvor deutlich gemacht, eine Übernahme sei aus Washingtoner Sicht der einzige Weg, langfristige Sicherheitsrisiken um die Insel zu adressieren.
Trumps Begründung: Sicherheitsrisiko durch Russland und China
Nach einem von Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos vermittelten Kompromiss wich Trump zunächst von seiner Forderung zurück, legte aber bei seiner Ankunft in Ankara erneut nach. Er hielt an seinen Ansprüchen auf die Insel fest, zog jedoch die Drohung mit militärischen Mitteln zurück. Auch angekündigte Strafzölle gegen Deutschland und weitere europäische Staaten für den Fall, dass diese einem Verkauf nicht zustimmen würden, wurden zurückgenommen.
Frederiksen sagte dazu, sie sehe es als „Niederlage für Putin und Erfolg für Präsident Trump”, dass Europäer und Kanadier ihre Verteidigungsausgaben erhöhten. Sie verwies darauf, dass die meisten Nato-Staaten ihre Verteidigungsbudgets zuletzt aufgestockt hätten, teils um Trumps Forderungen zu erfüllen.
Der Nato-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die Erwartung des US-Präsidenten, dass Verbündete die US-Verteidigungsausgaben erreichen, als „völlig fair”. Er verwies auf das US-Interesse an der Nato als Mittel, um zu verhindern, dass russische U-Boote mit Nuklearwaffen vor den Küsten der USA auftauchen. Zugleich betonte Rutte: „Es gibt ein uneingeschränktes Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur Nato.”
Nato-Generalsekretär Rutte wirbt um Geschlossenheit
Der niederländische Nato-Generalsekretär verteidigte zudem die US-Luftschläge gegen Ziele im Iran als Reaktion auf iranische Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus. Eine entschiedene US-Reaktion sei unerlässlich, falls Iran den Waffenstillstand verletze, sagte Rutte.
Am Rande des Gipfels war auch ein Treffen zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geplant. Auf der Tagesordnung standen zudem neue Milliardenhilfen für die Ukraine – das Gipfeltreffen fällt in das fünfte Jahr nach Russlands Angriff auf das Land. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte: „Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen. Je früher der Krieg endet, desto besser ist es für Europa, Russland und den Weltfrieden.”
Ein zentrales Thema des zweiten und letzten Gipfeltags war die Lastenteilung zwischen den USA und den übrigen Verbündeten. Trump hatte zuvor unter anderem die Verteidigungsausgaben großer Alliierter wie Deutschland, Großbritannien und Italien als „lächerlich” bezeichnet. Nach Angaben deutscher Stellen beruhte diese Kritik allerdings auf veralteten Zahlen. Die Bundesregierung hat für das laufende Jahr Nato-Verteidigungsausgaben von 124,7 Milliarden Euro gemeldet – ein Anstieg von 25,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Innerhalb der Nato gibt nur die USA mehr für Verteidigung aus als Deutschland.
Streit um Verteidigungsausgaben und Lastenteilung
Bundeskanzler Merz reagierte auf Trumps Kritik mit dem Hinweis: „Wir haben geliefert.” Er verwies auf das vorherige Nato-Treffen in Den Haag und die dort vereinbarten höheren Ausgaben. Trump wiederholte vor dem Gipfel zudem frühere Drohungen, US-Soldaten aus Europa abzuziehen: „Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen.” Zugleich warnte er, wenn die Europäer in ihrer Einwanderungs- und Energiepolitik nicht vorsichtig seien, werde es „kein Europa mehr geben”.
Konkrete Ankündigungen zum Abzug von US-Truppen aus Europa machte Trump in Ankara allerdings nicht. Er sagte lediglich, Europa sei heute ein „sehr anderer Ort” als vor 20 Jahren. Unterdessen sind nach Angaben aus der US-Delegation Gespräche zwischen den Regierungen Dänemarks und Grönlands mit der Trump-Administration im Gange, um einen Kompromiss zu finden. Der Nato-Gipfel sollte am Nachmittag zu Ende gehen.
Suche nach einem Kompromiss
Trumps Drohungen hatten den Nato-Partner Dänemark brüskiert und Zweifel an der Geschlossenheit der größten Militärallianz der Welt sowie an der gegenseitigen Bündnistreue geweckt. Frederiksen betonte am Rande des Gipfels nochmals, Dänemark hoffe, dass alle Verbündeten – einschließlich der USA – die Selbstbestimmung Grönlands und die territoriale Integrität des Königreichs Dänemark respektierten.
Der Streit um Grönland bleibt damit das beherrschende Thema des Gipfeltreffens in Ankara. Auch wenn Trump seine schärfsten Drohungen zurückgenommen hat, hält er an seinem Ziel fest, die Insel unter US-Kontrolle zu bringen. Die dänische Regierungschefin hat indes eine klare Antwort gegeben und gleichzeitig den Weg für diplomatische Gespräche offengehalten.
Fragen & Antworten
Warum fordert US-Präsident Donald Trump die Kontrolle über Grönland?
Trump begründet seine Forderung mit Sicherheitsinteressen der USA: Das zu Dänemark gehörende Territorium sei seiner Ansicht nach sonst nicht vor Russland und China sicher – und damit auch nicht die USA.
Wie reagiert die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen auf Trumps Forderung?
Frederiksen wies die Forderung beim Nato-Gipfel in Ankara klar zurück und sagte: „Grönland steht natürlich nicht zum Verkauf.” Sie betonte zugleich, Dänemark werde das Königreich Dänemark verteidigen und erwarte von allen Verbündeten den Respekt der territorialen Integrität.
Gibt es Gespräche zwischen Dänemark und den USA über Grönland?
Ja, nach Angaben aus den Verhandlungen haben die Regierungen Dänemarks und Grönlands Gespräche mit der Trump-Administration aufgenommen, mit dem Ziel, einen Kompromiss zu finden.
Grönland-Streit: Frederiksen weist Trump beim Nato-Gipfel | finanz360