Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow hat in einem BBC-Interview gesagt, die Ukraine sei „ins Hintertreffen geraten“, und eine offene Diskussion über den Kriegsverlauf gefordert.
Im Gespräch mit der BBC äußerte sich Fedorow ungewöhnlich offen zum Stand des Konflikts mit Russland. Er sagte wörtlich: „Wir sollten keine Angst haben, darüber zu diskutieren. Darum geht es in einer Demokratie. Wenn ich meine Ideen nicht teilen und darüber offen mit meinem Land sprechen kann, wofür kämpfen wir dann?“ Mit dieser Aussage brach er ein in der ukrainischen Öffentlichkeit bestehendes Tabu und trat für mehr innenpolitische Debatte auch über heikle Fragen ein.
Fedorow war nach Angaben, die von drei Quellen gestützt werden, der erste prominente ukrainische Politiker, der während des andauernden Krieges Wahlen forderte. Dieser Schritt gilt als politisch heikel, weil er die Führung von Präsident Wolodymyr Selenskyj indirekt infrage stellt. Selenskyj hatte seit Beginn der russischen Vollinvasion wiederholt erklärt, dass Wahlen unter Kriegsbedingungen nicht durchführbar seien.
