Fähre vor Guyana gekentert: 27 Tote und Dutzende Vermisste nach Untergang der MV Barima
Georgetown, 20. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem Untergang der Fähre MV Barima vor der Küste Guyanas sind nach offiziellen Angaben 27 Todesopfer geborgen worden, mindestens 83 weitere Menschen werden zudem noch vermisst. Regierungschef Mark Phillips erklärte am Montag, dass 69 Menschen gerettet werden konnten, die Suche mit Booten, Flugzeugen und Tauchern dauert an.
Beim Untergang der Fähre MV Barima vor der Küste Guyanas sind nach offiziellen Angaben 27 Menschen ums Leben gekommen, mindestens 83 weitere werden noch vermisst, wie Ministerpräsident Mark Phillips am Montag (Ortszeit) mitteilte.
Hintergründe zur Fahrt und zur Route
Das Unglück ereignete sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag (Ortszeit) vor der Atlantikküste des südamerikanischen Landes. An Bord des als alt beschriebenen Schiffes befanden sich nach Schätzungen rund 180 Menschen, als es auf der etwa 24-stündigen Fahrt zwischen der Hauptstadt Georgetown und dem abgelegenen Ort Port Kaituma im Essequibo-Gebiet kenterte. Wie Regierungschef Mark Phillips am Montag (Ortszeit) mitteilte, konnten 69 Menschen gerettet werden.
Nach ersten Erkenntnissen hatte die Fähre nach rund acht Stunden Reise mitten in der Nacht einen Notruf abgesetzt. Ein Überlebender schilderte dem Nachrichtenportal News Source, er habe ein lautes Geräusch gehört, Wasser sei eingedrungen, anschließend habe sich das Schiff zur Seite geneigt und sei gesunken. Die genaue Ursache des Unglücks ist nach Angaben der Behörden weiterhin unklar.
Rettungseinsatz auf hoher See
Bei der Suche nach den Vermissten sind Schiffe, Flugzeuge und Taucher im Einsatz. Während der Such- und Rettungsaktion wurde das Wrack der Fähre nach Regierungsangaben auf dem Meeresboden in etwa 15 Kilometern Entfernung von der Küste geortet. Die Bergung der Toten und die Suche nach Überlebenden gestalten sich in dem Küstengewässer vor dem Essequibo-Gebiet schwierig.
Wie ein Sprecher erklärte, sind nach offiziellen Angaben 27 Todesopfer geborgen worden. Ministerpräsident Phillips sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus und kündigte zugleich an, dass die Rettungskräfte ihre Arbeit mit Hochdruck fortsetzten. Die Zahl der Vermissten könne sich nach Prüfung der Passagierlisten noch verändern.
Präsident Ali kündigt Untersuchung an
Präsident Irfaan Ali wandte sich in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache an die Nation. Er versprach eine umfassende Aufklärung des Vorfalls. „Ich versichere der Nation, dass es eine umfassende, gründliche und unabhängige Untersuchung dieser Tragödie geben wird", sagte Ali. Zugleich rief er die Bevölkerung zur Ruhe und zur Zusammenarbeit mit den Behörden auf.
Unterdessen geriet der Kapitän der Fähre ins Zentrum der Ermittlungen. Nach Behördenangaben überlebte er das Unglück und wurde positiv auf Cannabis getestet. Ob ein Zusammenhang zwischen diesem Befund und dem Kentern besteht, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen. Die genauen Umstände, die zum Untergang führten, werden von der Polizei und einer Sonderkommission geprüft.
Ermittlungen gegen den Kapitän
Die Fähre MV Barima galt nach Darstellung der Regierung als veraltet. Ob technische Mängel oder eine Überladung eine Rolle spielten, ist bislang offen. Die Strecke zwischen Georgetown und Port Kaituma führt durch küstennahe Gewässer und entlang des Essequibo-Gebiets, das als ölreich gilt und in der Nähe der Grenze zu Venezuela liegt.
In Port Kaituma, einer kleinen Siedlung an einem Flusskanal im Landesinneren, trafen die ersten Überlebenden und Angehörigen ein. Helfer richteten Notunterkünfte ein, Familien suchten verzweifelt nach Nachrichten über vermisste Verwandte. Lokale Medien berichteten von langen Warteschlangen vor Krankenhäusern und Sammelstellen.
Auch aus dem benachbarten Venezuela und aus karibischen Staaten wurde Solidarität bekundet. Internationale Hilfsorganisationen boten Unterstützung bei der Suche und der Versorgung von Überlebenden an. Die Regierung Guyanas koordiniert die Hilfsangebote über einen eigens eingerichteten Krisenstab.
Auswirkungen auf Port Kaituma und die Region
In den sozialen Medien verbreiteten sich Bilder und Videos von der Suche, auf denen Rettungsboote und Hubschrauber über dem Meer zu sehen waren. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, keine Spekulationen zu verbreiten und sich ausschließlich auf offizielle Mitteilungen zu stützen. Falschinformationen über die Zahl der Vermissten hatten die Lage anfangs zusätzlich erschwert.
Die MV Barima war den Angaben zufolge eine von mehreren Fähren, die die abgelegenen Gemeinden im Essequibo-Gebiet mit der Küste und der Hauptstadt verbinden. Die Region ist dünn besiedelt, viele Bewohner sind auf regelmäßige Fährverbindungen angewiesen, um Lebensmittel, medizinische Versorgung und Waren zu transportieren. Nach dem Unglück steht die Frage im Raum, ob die Sicherheitsstandards auf solchen Routen ausreichen.
Juan Edghill kündigte an, den Betrieb anderer Fähren auf der Strecke vorerst zu überprüfen. Er verwies darauf, dass ältere Schiffe besonderen Inspektionen unterzogen werden müssten. Die genaue Passagierliste der MV Barima wird derzeit mit Hilfe von Angehörigen und Gemeindevertretern abgeglichen, um die endgültige Zahl der Vermissten zu ermitteln.
Konsequenzen für den Fährverkehr
Wayne Kitson erklärte, die Identifizierung der geborgenen Toten dauere an. Forensische Teams seien im Einsatz, um die Opfer zweifelsfrei zu identifizieren und die Angehörigen zu informieren. Die Behörden baten um Geduld, da einige der geborgenen Leichname erst in den kommenden Tagen zweifelsfrei zugeordnet werden könnten.
Die Regierung kündigte zudem Hilfszahlungen für die Familien der Opfer an. Präsident Ali sprach von einer nationalen Trauer und ordnete an, dass die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt werden. Schulen und öffentliche Einrichtungen in den betroffenen Regionen öffneten am Montag verzögert oder blieben geschlossen, um Raum für Trauer und Hilfsmaßnahmen zu lassen.
Mit jeder Stunde, die ohne neue Lebenszeichen verstreicht, sinken die Hoffnungen, weitere Überlebende zu finden. Die Suchaktion werde jedoch fortgesetzt, solange auch nur eine realistische Chance bestehe, betonte Ministerpräsident Phillips. Die internationale Aufmerksamkeit für das Unglück wuchs, da Guyana als ölreiches Land in der Region zuletzt verstärkt im Blickpunkt gestanden hatte.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen befinden sich nach dem Unglück noch in Gewässern vor Guyana?
Nach Angaben von Ministerpräsident Mark Phillips werden mindestens 83 Menschen vermisst, 69 konnten gerettet werden und 27 Tote wurden geborgen. Die Gesamtzahl der Passagiere wird auf rund 180 geschätzt.
Welche Route fuhr die MV Barima, als sie kenterte?
Die als alt beschriebene Fähre war auf dem etwa 24-stündigen Weg von der Hauptstadt Georgetown in die abgelegene Siedlung Port Kaituma im Essequibo-Gebiet, als sie in der Nacht von Samstag auf Sonntag einen Notruf absetzte und sank.
Was hat Präsident Irfaan Ali nach dem Unglück angekündigt?
Präsident Irfaan Ali sagte in einer Fernsehansprache eine umfassende, gründliche und unabhängige Untersuchung der Tragödie zu und ordnete zudem Hilfszahlungen für die Familien der Opfer an.