Die Europäische Kommission hat am Mittwoch in Brüssel eine Geldbuße von 200 Millionen Euro gegen den Online-Marktplatz Temu wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) verhängt.

Es ist die höchste Strafe, die jemals gegen einen Marktplatzbetreiber unter dem DSA verhängt wurde, und erst das zweite Bußgeld überhaupt auf Grundlage dieser Verordnung. Die erste DSA-Strafe war eine Geldbuße von 120 Millionen Euro gegen die Plattform X im Dezember 2025.

Die Kommission wirft dem Unternehmen Whaleco, das Temu betreibt, vor, die systemischen Risiken illegaler Produkte auf seiner Plattform nicht sorgfältig identifiziert, analysiert und bewertet zu haben. EU-Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen erklärte: „Risikobewertungen sind keine Box-Ticking-Übungen – sie sind das Rückgrat des Gesetzes über digitale Dienste.“

Mangelhafte Risikobewertung als Kernvorwurf

Temu war 2024 von der Kommission als sehr große Plattform eingestuft worden und unterliegt damit strengeren Sorgfaltspflichten. Die nun geahndete Risikobewertung aus dem Jahr 2024 genügte den Anforderungen des DSA nach Ansicht der Behörde nicht. Virkkunen kritisierte: „Die Risikobewertung von Temu unterschätzt konkrete Risiken, es fehlt ihr an Spezifität, sie stützt sich nicht auf solide Beweise und ist nicht umfassend.“

Die Kommission stützt ihre Entscheidung auf eigene Untersuchungen, Studien von Verbraucherschutzorganisationen und Testkäufe. Dabei wurde festgestellt, dass Verbrauchern in der Europäischen Union auf Temu viel zu häufig illegale Produkte angeboten werden, darunter gefälschte, gefährliche, giftige oder anderweitig umweltschädliche Waren.