Die Europäische Kommission hat am Mittwoch eine vertiefte Prüfung der geplanten Übernahme des Elektronikhändlers MediaMarktSaturn durch den chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com angekündigt.

Die Brüsseler Behörde teilte mit, dass die vorläufige Untersuchung auf mögliche ausländische Subventionen hindeute, die den EU-Binnenmarkt verzerren könnten. JD.com wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die eingehende Prüfung als „üblichen Verfahrensschritt“.

Das Unternehmen erklärte zudem, man habe in Zusammenhang mit diesem Verfahren keine staatlichen Subventionen erhalten. Die Kommission hegt jedoch vorläufige Bedenken, dass die Transaktion es dem fusionierten Unternehmen ermöglichen könnte, Investitions- und Geschäftsstrategien zu verfolgen, die sich auf die Wettbewerbsbedingungen im EU-Binnenmarkt auswirken könnten.

Hintergrund der Übernahme

MediaMarktSaturn ist Europas größter Elektronikhändler und in Deutschland der viertgrößte Online-Shop – hinter Amazon, Otto und Zalando. Das Unternehmen gehört zur Ceconomy-Gruppe, die 2017 als Abspaltung von Metro entstand.

JD.com ist mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 laut dem Forschungsinstitut EHI der größte chinesische Handelskonzern und zählt weltweit zu den zehn größten. Die Gruppe beschäftigt rund 570.000 Menschen und ist unter anderem in den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit tätig.

Die Europäische Kommission hat nun bis zum 2. Oktober Zeit, um eine endgültige Entscheidung über die Übernahme zu treffen. Sollten die Bedenken bestätigt werden, könnte die Transaktion untersagt oder mit Auflagen versehen werden.

Rechtliche Grundlagen und Fristen

Die Prüfung erfolgt im Rahmen der EU-Verordnung über ausländische Subventionen, die seit 2023 in Kraft ist. Sie soll verhindern, dass drittstaatliche Finanzhilfen den Wettbewerb im Binnenmarkt verzerren.

Branchenexperten sehen in dem Verfahren einen wichtigen Testfall für die Durchsetzung der neuen Regeln. Die Übernahme von MediaMarktSaturn durch einen chinesischen Staatskonzern-nahen Bieter wirft grundsätzliche Fragen zur strategischen Autonomie Europas auf.

JD.com hatte sein Interesse an MediaMarktSaturn bereits im vergangenen Jahr bekundet. Der chinesische Konzern verspricht sich von der Übernahme einen besseren Zugang zum europäischen Markt und eine Stärkung seiner internationalen Präsenz.

Auswirkungen und Reaktionen

MediaMarktSaturn betreibt rund 1.000 Märkte in 13 Ländern, darunter Deutschland, Österreich und Spanien. Das Unternehmen beschäftigt etwa 45.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro.

Die Aktien von Ceconomy reagierten am Mittwoch zunächst mit leichten Verlusten auf die Ankündigung der vertieften Prüfung. Analysten werteten den Schritt jedoch als erwartbar und verwiesen auf die Komplexität des Verfahrens.

Die Europäische Kommission betonte, dass die Einleitung einer eingehenden Prüfung keine Vorentscheidung über das Ergebnis darstelle. JD.com und MediaMarktSaturn haben nun Gelegenheit, zu den vorläufigen Bedenken Stellung zu nehmen.

Das Verfahren wird in den kommenden Monaten mit Spannung verfolgt werden, da es richtungsweisend für künftige Übernahmen durch außereuropäische Investoren sein könnte.