Fast acht Jahre nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua mit 43 Toten hat ein italienisches Gericht den früheren Generaldirektor des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia, Giovanni Castellucci, am Donnerstag in erster Instanz zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Es ist das erste Urteil in einem Mammutverfahren, das seit Juli 2022 läuft und rund vier Jahre sowie 283 Verhandlungstage dauerte. Insgesamt stehen 57 Angeklagte vor Gericht, darunter neben ehemaligen Führungskräften des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia und dessen damaliger Muttergesellschaft Atlantia auch frühere Beamte des Verkehrsministeriums. Die Staatsanwaltschaft Genua hatte für 56 der 57 Angeklagten insgesamt knapp 400 Jahre Haft gefordert.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, notwendige Wartungsarbeiten vernachlässigt und Warnsignale ignoriert zu haben. Ermittlungen ergaben, dass der Einsturz durch den Bruch von tragenden Kabeln am neunten Brückenpfeiler verursacht wurde. Diese waren über Jahrzehnte hinweg durch eine korrosive Umgebung beschädigt worden. Auch der bewehrte Stahl der 1,2 Kilometer langen Brücke war nach Erkenntnissen der Ermittler mit der Zeit spröde geworden.

Hintergrund: Die Katastrophe vom 14. August 2018

Am 14. August 2018 hatte ein Pfeiler der Morandi-Brücke nachgegeben. Ein 200 Meter langer Abschnitt der Morandi-Brücke stürzte 50 Meter in die Tiefe. Dabei wurden Autos und Lastwagen in die Tiefe gerissen, einige stürzten auf darunterliegende Häuser. Beim Einsturz der Morandi-Brücke in Genua am 14. August 2018 haben 43 Menschen ihr Leben verloren. 16 Menschen wurden verletzt.