Collina verteidigt Schiedsrichter nach Ägyptens Protest gegen Argentinien-Spiel
Atlanta, 9. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach Ägyptens 2:3 gegen Argentinien im WM-Achtelfinale hat FIFA-Schiedsrichterboss Pierluigi Collina die Unparteiischen gegen Manipulationsvorwürfe in Schutz genommen. Der ägyptische Verband hatte zuvor Beschwerde gegen den französischen Referee François Letexier eingereicht und juristische Schritte angekündigt.
FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina hat die Leistungen der Unparteiischen bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko gegen Manipulationsvorwürfe aus Ägypten verteidigt, nachdem der ägyptische Verband nach der 2:3-Niederlage im Achtelfinale gegen Argentinien Beschwerde eingereicht hatte.
Die Partie zwischen Ägypten und Argentinien war bereits nach rund einer Stunde scheinbar entschieden, als die Nordafrikaner durch Mostafa Ziko mit 2:0 in Führung lagen. Was folgte, ging als eines der bemerkenswertesten Comebacks in die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft ein: Argentinien erzielte binnen 13 Minuten drei Tore und drehte die Partie.
Den Anfang nahm die Aufholjagd in der 79. Minute, als Lionel Messi auf Cristian Romero vorlegte. Den entscheidenden Treffer zum 3:2-Endstand erzielte Enzo Fernández in der Nachspielzeit in der 90.+2. Minute.
Dramatik auf dem Platz: Argentiniens Aufholjagd
Die ägyptische Seite sieht sich jedoch benachteiligt und führt gleich zwei strittige Szenen an. Zum einen wurde ein Treffer von Mostafa Ziko in der 58. Minute nach einem Eingriff des Video Assistant Referee nicht gegeben. Zum anderen forderten die Ägypter einen Strafstoß, weil unmittelbar vor dem Siegtor von Fernández der argentinische Spieler Alexis Mac Allister am ägyptischen Verteidiger Hamdi Fathi in dessen Strafraum am Trikot gezogen hatte. Schiedsrichter François Letexier ließ in beiden Fällen jedoch weiterspielen.
Zwei strittige Szenen im Fokus
Collina, der 66-jährige Italiener und Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichterkommission, äußerte sich in einem Interview auf der FIFA-Website zu den Vorwürfen. Dabei erklärte er die Regelauslegung: „Nach jedem Tor überprüft der VAR die Angriffsphase. Wird im Vorfeld des Tores ein Foul festgestellt, das als für das Tor ausschlaggebend erachtet wird, empfiehlt der VAR eine Überprüfung auf dem Spielfeld." Im konkreten Fall des nicht gegebenen ägyptischen Tores habe Marwan Attia dem argentinischen Verteidiger Lisandro Martínez auf den Fuß getreten, erklärte Collina weiter. Diese Szene sei als Foul gewertet worden, weshalb der Treffer zurecht nicht Anerkennung gefunden habe.
Den Trikotzieher vor dem argentinischen Siegtor wertete Collina hingegen als normales Fußballspiel, das der VAR genauso beurteilt habe. „Ein Foul ist ein Foul" lautete einer seiner Kernsätze. Für die Entscheidung des VAR gebe es keine festgelegte Grenze hinsichtlich der Entfernung zum Tor oder der Zeitspanne zwischen Vorfall und Treffer: „Es gibt keine festgelegte Begrenzung hinsichtlich der Entfernung zum Tor oder des Zeitraums zwischen dem Vorfall und dem Torerfolg."
In einem grundsätzlichen Statement wandte sich Collina gegen pauschale Kritik an den Unparteiischen: „Ebenso kann niemand behaupten, dass die FIFA-Schiedsrichterabteilung von irgendjemandem beeinflusst werden kann, nicht einmal vom FIFA-Präsidenten." Außerdem sagte er: „Niemand dürfe die Integrität der Unparteiischen infrage stellen."
Collinas Grundsatz: Integrität steht nicht zur Debatte
Schärfer noch wurde Collina mit Blick auf die Folgen solcher Vorwürfe: „Wenn das geschieht, kann das Reaktionen hervorrufen, die zu Drohungen gegen sie und ihre Familien führen. Das ist nicht richtig." Pauschale Anschuldigungen hätten im Sport nichts verloren: „Unbegründete Anschuldigungen haben in unserem Sport keinen Platz."
Der Ägyptische Fußballverband (EFA) hatte unmittelbar nach der Partie scharfe Kritik geübt und offiziell Beschwerde gegen das Schiedsrichtergespann um den Franzosen Letexier eingelegt. Verbandspräsident Hani Abo Rida forderte den Ausschluss des Schiedsrichterteams vom Turnier und sprach von entscheidenden Fehlern: „Dieses habe entscheidende Fehler gemacht." Der Verband kündigte zudem rechtliche Schritte an und warf dem Referee vor, das VAR-System nicht angemessen eingesetzt zu haben.
Verband kündigt rechtliche Schritte an
Aus Sicht des Verbandes seien bei der Niederlage gegen Argentinien „mehrere Schlüsselszenen" aufgetreten, „die ernsthafte Bedenken aufwarfen und tiefe Fragen zur Konsequenz und Fairness von Entscheidungen aufwarfen, die den Spielverlauf direkt beeinflussten". Der Verband erklärte: „Die Verteidigung der Rechte und Interessen der ägyptischen Nationalmannschaft ist keine Angelegenheit, die ignoriert, heruntergespielt oder als zweitrangig behandelt werden kann. Es ist eine Verantwortung, die wir mit voller Überzeugung und Entschlossenheit tragen." Auch sei man nicht gewillt zu schweigen: „cannot remain silent".
An der Seitenlinie äußerte sich auch der ägyptische Nationaltrainer Hossam Hassan ungehalten. Der 59-Jährige sagte unmittelbar nach dem Ausscheiden: „Wir wurden heute ungerecht behandelt." Er griff noch deutlicher in die Vollen und sprach von einem „manipulierten Spiel": „Das war ein manipuliertes Spiel und die ganze Welt hat es gesehen." Zugleich äußerte er den Verdacht, dass der Weltverband ein Interesse daran gehabt haben könnte, Superstar Lionel Messi im Turnier zu halten: „Vielleicht wollte man, dass Messi weiter im Rennen bleibt!" Zudem habe, so Hassan, „die argentinische Seite Druck auf den Schiedsrichter ausgeübt".
Hossam Hassan spricht von Manipulation
Hassan sorgte zudem für eine Szene, die über die sportliche Debatte hinaus Aufsehen erregte: Nach dem argentinischen Siegtor formte er mit beiden Armen ein „X" vor der Brust, womit er nach eigener Aussicht auf rassistische Beleidigungen aufmerksam machen wollte. Der Torwarttrainer Saafan Elsaghir sah während der Partie zudem die Rote Karte. Mehreren ägyptischen Spielern wurden Gelbe Karten gezeigt.
Die Kritik an den Schiedsrichtern beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko reicht über das Spiel Ägypten gegen Argentinien hinaus. Die Liste wahrgenommener Fehler sei immer länger geworden, schreibt die Deutsche Presse-Agentur. So wurde auch das vermeintliche 2:1 von Jonathan Tah für die deutsche Mannschaft nach einem VAR-Eingriff nicht gegeben; ZDF-Experte Torsten Kinhöfer analysierte die Szene.
Weitere Turnier-Proteste und ein rassistischer Vorfall
Auch beim Spiel Paraguays gegen Frankreich sorgten Entscheidungen für Diskussionen. Mehrere paraguayische Spieler begingen Fouls, ohne dass eine Gelbe Karte gezeigt wurde. Nach der Niederlage Paraguays äußerte sich Senatorin Celeste Amarilla abwertend und rassistisch über den französischen Stürmer Kylian Mbappé, was inzwischen bei der Staatsanwaltschaft liegt.
Daneben berichteten ägyptische Beobachter beim Turnier von kursierenden Gerüchten über eine angebliche „amerikanische Verschwörung". Demnach sollen unter anderem Brasilien, Argentinien und die USA eine bevorzugte Behandlung durch die Unparteiischen erfahren haben – wobei Brasilien und Argentinien zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschieden waren. Der US-Präsident Donald Trump habe FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen der Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun angerufen.
Suche nach Deeskalation
Neben Ägypten haben nach Angaben von ZDF auch Kroatien und Algerien offizielle Protestnoten bei der FIFA wegen Schiedsrichterentscheidungen eingereicht. FIFA-Schiedsrichterchef Collina hatte im Verlauf des Turniers wiederholt betont, dass sein Verband während eines Wettbewerbs grundsätzlich keine laufenden Spielszenen kommentiere. Die Stellungnahme Collinas erfolgte daher ohne ausdrückliche Benennung des ägyptischen Falls.
Mit seinen Äußerungen suchte Collina sichtlich um Ruhe und Sachlichkeit in einer Debatte, die sich seit Tagen zuspitzt. Die Schiedsrichter stünden unter Druck, sagte er, doch Anfeindungen seien der falsche Weg. Ob die ägyptischen Proteste und die angekündigten rechtlichen Schritte noch diplomatische oder gar juristische Folgen haben, blieb zunächst offen.
Fragen & Antworten
Worum geht es in der Beschwerde Ägyptens nach dem Spiel gegen Argentinien?
Der ägyptische Fußballverband legte nach der 2:3-Niederlage im Achtelfinale offiziell Beschwerde gegen den Schiedsrichter François Letexier ein. Verbandspräsident Hani Abo Rida forderte den Ausschluss des Schiedsrichterteams vom Turnier und kündigte rechtliche Schritte an.
Welche strittigen Szenen stehen im Mittelpunkt der Diskussion?
Ägypten kritisiert zwei Szenen: Ein Tor von Mostafa Ziko in der 58. Minute wurde nach VAR-Eingriff nicht gegeben, und unmittelbar vor dem argentinischen Siegtor durch Enzo Fernández in der 90.+2. Minute soll es ein Trikotziehen von Alexis Mac Allister an Hamdi Fathi gegeben haben, für das Ägypten einen Elfmeter forderte.
Wie reagierte der FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina auf die Vorwürfe?
Collina verteidigte die Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns, erklärte die Regelauslegung des VAR und wies den Vorwurf der Beeinflussung entschieden zurück. Er sagte zugleich, dass Drohungen gegen Schiedsrichter und deren Familien nicht akzeptabel seien.
Collina zu Ägypten vs. Argentinien: VAR, Elfmeter | finanz360