Castlelake legt fünftes Übernahmeangebot vor: Easyjet stimmt vorläufig zu
London, 06 Juli 2026
ERIC SALARD / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Kurzfassung
Die britische Billigfluglinie Easyjet hat einem fünften Übernahmeangebot des US-Investors Castlelake im Grundsatz zugestimmt. Castlelake bietet 6,90 Pfund je Aktie und bewertet die Airline damit mit rund 5,2 Milliarden Pfund.
London, 06 Juli 2026
Die britische Billigfluglinie Easyjet hat einem fünften Übernahmeangebot des US-Investors Castlelake im Grundsatz zugestimmt; der Konzern würde damit insgesamt mit rund 5,2 Milliarden Pfund bewertet.
Preis und Bewertung
Castlelake bietet nach eigenen Angaben 6,90 britische Pfund je Easyjet-Aktie. Damit liegt die Offerte laut Bloomberg bei insgesamt knapp 6,1 Milliarden Euro. Eine verbindliche Offerte muss bis zum 3. August 2026 vorliegen, wie aus einer früheren Mitteilung hervorgeht. Easyjet bestätigte die vorläufige Einigung am Sonntag in London.
Die Annahme kam überraschend schnell: Erst Ende Mai hatte Castlelake überhaupt erste Gespräche mit Easyjet aufgenommen. In den Wochen danach hatte Castlelake dem Verwaltungsrat vier Übernahmeofferten vorgelegt, doch jedes Mal lehnte dieser ab. „Bereits vier Übernahmeofferten hat sie dem Verwaltungsrat vorgelegt, doch jedes Mal lehnte dieser ab", heißt es in dem Bericht. Beim fünften Anlauf bewegte sich der Investor erneut und erhöhte sein letztes Angebot nochmals um rund 6 Prozent.
Vorgeschichte der Übernahmegespräche
Hintergrund der Annäherung ist die angeschlagene Lage der Fluggesellschaft: „Das Unternehmen litt unter steigenden Kerosinpreisen, zudem waren die Buchungen für die Sommersaison wegen des Iran-Konflikts deutlich zurückgegangen. Das Resultat waren Verluste bei Easy Jet." Easyjet hatte für das erste Halbjahr einen Verlust ausgewiesen; die Aktie hatte in den vergangenen zehn Jahren mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren. Der Börsenkurs zog am Montag in London um rund 10 Prozent auf 615 Pence an – der höchste Stand seit Februar 2022.
Strukturelle Hürden für US-Investoren
Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt europäischer Luftverkehrsregeln. Da Castlelake als US-Unternehmen keine europäische Airline mehrheitlich kontrollieren darf, kündigte der Investor an, „nur 49 Prozent des Unternehmens halten" zu wollen: „Der Rest solle künftig einem früheren Easy-Jet-Manager und einem Branchenexperten gehören, die beide EU-Bürger seien." Castlelake erklärte im Zusammenhang mit seinem Angebot, man wolle auch in Zukunft das Wachstum der Airline und die Modernisierung der Flugzeugflotte unterstützen. Man habe „großen Respekt" vor dem Unternehmen und den Beschäftigten.
Castlelake arbeitet bei dem Geschäft mit den Luftfahrtmanagern Peter Bellew und Mark Breen zusammen. Bellew war früher bereits bei Easyjet tätig, bevor er das Unternehmen 2022 überraschend verließ. Ebenfalls Teil der Bietergruppe ist laut Bloomberg Brookfield Asset Management. Das Unternehmen hatte eigenen Angaben zufolge zudem eine „Hintertür" für eine Preiserhöhung offengelassen.
Flotte, Slots und Geschäftsmodell
Easyjet verfügt über ein Flotte von 356 Airbus-Maschinen, darunter moderne A320-Jets. „Dem Unternehmen ist die Lieferung von 287 neuen Flugzeugen zugesichert, zudem bestehen Optionen auf 100 weitere Maschinen." Hinzu kommen wertvolle Start- und Landerechte – sogenannte Slots – an europäischen Drehkreuzen wie Berlin, London oder Mailand. Castlelake hatte in einer früheren Mitteilung bereits darauf hingewiesen, dass diese Rechte zu den attraktivsten Werten der Airline zählen.
Marktstellung in Großbritannien und der Schweiz
Am britischen Markt hält Easyjet eigenen Angaben zufolge einen Marktanteil von rund einem Fünftel. In der Schweiz ist die Fluggesellschaft nach Swiss die klare Nummer zwei: „Sie hat einen Marktanteil von einem Viertel." Am Euro-Airport Basel-Mülhausen erreicht Easyjet sogar einen Anteil von über 50 Prozent, beschäftigt rund 1100 Mitarbeitende. Easy Jet ist seit dem Jahr 2000 an der Londoner Börse kotiert und trat im November 2000 zu einem Ausgabepreis von 310 Pence an. Bei einem erfolgreichen Abschluss der Transaktion würde das Unternehmen von der Börse genommen.
Größter Aktionär bleibt die Gründerfamilie Haji-Ioannou mit 15,3 Prozent. Die Familie hat sich bislang nicht zu den Plänen geäußert. Unklar ist damit auch, ob sie die Offerte mittragen wird. JPMorgan-Analyst Harry Gowers wies darauf hin, dass „nach wie vor eine verbindliche Offerte fehlt" und dass die vereinbarte Eigentums- und Kontrollstruktur „Unternehmensgremien und Wettbewerbsbehörden überzeugen" müsse.
Politische Reaktionen und Zerschlagungsdebatte
Die geplante Übernahme sorgt in der europäischen Politik darum für erhebliche Unruhe. Von der britischen Regierung heißt es dazu bereits, „man fordere eine schriftliche Garantie, dass es nicht zu einer Zerschlagung des Unternehmens komme." Hintergrund: Bernstein-Analyst Alex Irving hält es für wahrscheinlich, dass Castlelake das Unternehmen in seine Flugzeugflotte, die Start- und Landerechte sowie das Ferienfluggeschäft zerlegen könnte. Air France-KLM, IAG und Lufthansa könnten dem Vernehmen nach an Teilen des Streckennetzes interessiert sein.
Eine Zerschlagung würde nach Einschätzung des Berichts europaweit Kapazitäten reduzieren und damit vor allem andere Billigfluglinien sowie den Ferienflieger Jet2 begünstigen. Lufthansa und Air France-KLM seien derzeit allerdings mit anderen, kleineren Übernahmen beschäftigt. „Das beste Blatt" bei der Übernahme habe laut dem Artikel die Lufthansa – wegen hoher kartellrechtlicher Hürden.
Castlelake hatte nach früheren Angaben „eine Hintertür für eine Preiserhöhung offengelassen". JPMorgan-Analyst Harry Gowers verwies zudem darauf, dass die Eigentums- und Kontrollstruktur auch die Anforderungen der Wettbewerbsbehörden erfüllen müsse. Easyjet betonte, dass die Transaktion trotz der vorläufigen Einigung noch scheitern könne.
Historischer Börsenverlauf
Historischer Kontext: Easyjet-Aktien hatten Anfang 2007 im Zuge einer aggressiven paneuropäischen Expansion mit 1.584 Pence ihr Allzeithoch erreicht. Am Freitag hatte der Kurs noch bei rund 558 Pence gelegen – unter dem Niveau früherer Offerten, die zwischen 5,60 und 6,50 Pfund je Aktie lagen. In den vergangenen drei Monaten hatte das Papier bereits mehr als die Hälfte seines Wertes gewonnen.
Castlelake ist als Finanzinvestor in den USA registriert. Sollte das Geschäft zustande kommen, würden die 6,90 Pfund je Aktie deutlich über dem bisherigen Höchststand der vierten Offerte von 6,50 Pfund liegen. Eine endgültige Entscheidung wird nun mit der verbindlichen Offerte bis spätestens 3. August 2026 erwartet.
Ausblick auf die nächsten Schritte
Insgesamt verdeutlicht der Fall die Spannung zwischen US-Investitionsinteressen und europäischem Regulierungsrahmen. Während Castlelake betont, Easyjet als Ganzes fortführen zu wollen, befürchten britische und europäische Stellen einen Schereneffekt: Eine Aufspaltung könnte kurzfristig Kapital freisetzen, langfristig aber das Flugangebot auf dem Kontinent verändern.
Fragen & Antworten
Wer bietet derzeit für Easyjet und wie hoch ist das Angebot?
Der US-Investor Castlelake hat ein fünftes Angebot von 6,90 britischen Pfund je Aktie vorgelegt, das Easyjet insgesamt mit rund 5,2 Milliarden Pfund (knapp 6,1 Milliarden Euro) bewertet.
Warum darf Castlelake Easyjet nicht mehrheitlich übernehmen?
EU-Luftverkehrsregeln verbieten es Unternehmen aus Drittstaaten, die Mehrheit an europäischen Fluggesellschaften zu halten; Castlelake will deshalb 49 Prozent halten und den Rest einem früheren Easyjet-Manager und einem Branchenexperten überlassen, die beide EU-Bürger sind.
Welche nächsten Fristen gelten für die geplante Übernahme?
Castlelake muss bis zum 3. August 2026 eine verbindliche Offerte abgeben, nachdem der Verwaltungsrat der vorläufigen Einigung zugestimmt hat und Easyjet betont, dass die Transaktion dennoch scheitern kann.
Easyjet: Castlelake-Übernahme im Grundsatz gebilligt | finanz360