Bund beschließt Abriss der Bonner Nordbrücke: A565 bleibt bis Ende 2028 gesperrt
Bonn, 19 Juni 2026
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Kurzfassung
Patrick Schnieder hat den vollständigen Abriss und Neubau der linken Vorlandbrücke der Bonner Nordbrücke angekündigt. Die wichtige Ost-West-Verbindung der Autobahn 565 bleibt damit bis Ende 2028 für den Autoverkehr gesperrt; Fußgänger und Radfahrer sollen die Brücke bereits Ende des Sommers wieder nutzen können.
Bonn, 19 Juni 2026
Patrick Schnieder hat am Freitag in Bonn angekündigt, dass die linke Vorlandbrücke der Bonner Nordbrücke auf der Autobahn 565 abgerissen und neu gebaut wird; die wichtige Rheinquerung bleibt damit für Autos und Lkw bis Ende 2028 gesperrt.
Hintergrund: Schäden und Vollsperrung
Die Bonner Nordbrücke auf der Autobahn 565 wird für mehr als zwei Jahre komplett geschlossen bleiben. Das teilte Patrick Schnieder (CDU) am Freitag nach der zweiten Sitzung eines Lenkungskreises aus Bund, Land und Kommunen in Bonn mit. Grund seien massive strukturelle Schäden am Tragwerk der linksrheinischen Vorlandbrücke, die ein Ausmaß erreicht hätten, das eine Öffnung für den Lkw- und Pkw-Verkehr nicht mehr zulasse.
Bereits Anfang Juni war die Autobahnbrücke über den Rhein wegen der gravierenden Schäden vollständig gesperrt worden. Zuvor galt seit Februar ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen, das die weitere Verschlechterung jedoch nicht aufhalten konnte. Nach Angaben der Autobahn GmbH hatten aktuelle Prüfungen strukturelle Schäden am Tragwerk ergeben.
Bonner Nordbrücke Abriss: A565 bis Ende 2028 gesperrt | finanz360
Bei dem betroffenen Abschnitt handelt es sich um ein rund 660 Meter langes Teilstück der Friedrich-Ebert-Brücke, die als eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Region gilt. Das Bauwerk stammt aus den 1960er Jahren und war bereits zuvor durch zahlreiche Schäden aufgefallen. Ein vollständiger Neubau war nach früheren Planungen erst für die 2030er Jahre vorgesehen.
Zeitplan: Abriss im Juli, Neubau bis Ende 2028
Schnieder erklärte, Schnelligkeit habe aktuell die höchste Priorität. Ziel sei es, dass die neue Brücke spätestens Ende 2028 für den Verkehr geöffnet werden könne. Der Minister räumte zugleich ein: „Wir sind uns bewusst, dass es eine riesige Belastung für die gesamte Region ist." Bis dahin soll die A565 an dieser Stelle nicht befahrbar sein.
Für Fußgänger und Radfahrer soll es nach Angaben des Ministeriums deutlich früher eine Lösung geben. Sie könnten die Brücke wahrscheinlich Ende des Sommers schon wieder nutzen. Diese Nachricht wurde am 19.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Zudem sollen alternative Routen für Radfahrer ausgewiesen werden.
Das Vergabeverfahren für den Abriss werde sofort starten, so Schnieder. Schon im Juli solle ein Unternehmen mit dem Abriss beauftragt werden, möglichst noch im Juli solle der Abriss beginnen. Ende des Jahres soll dann der Neubau starten. Der Bau des neuen Brückenteils soll zwei Jahre dauern.
Die rechte Rheinseite und der Abschnitt über den Rhein selbst müssen laut Autobahn GmbH nicht neu gebaut werden. Die Vorlandbrücke wird unabhängig davon neu errichtet, wie viele Spuren die Hauptbrücke künftig haben wird. Ob eine zuvor diskutierte Verbreiterung der Hauptbrücke möglich ist, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
Reaktionen aus Bonn und der Region
Guido Déus (CDU) sprach von einer schlimmen Botschaft. Die Stadt stehe nun für zweieinhalb Jahre vor einer „absoluten Ausnahmesituation". Die Bonner Nordbrücke ist die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region rund um Bonn und Köln. Vor der Sperrung wurde sie täglich von mehr als 100.000 Fahrzeugen genutzt.
Der ADAC sprach von einer „Vollkatastrophe". Viele Autofahrer würden in den Kölner Raum ausweichen und dort das ohnehin schon am Limit laufende Verkehrssystem belasten. Auch die Wirtschaft zeigte sich besorgt: „Die Rheinbrücken sind die Lebensadern unserer Region", erklärte die IHK Bonn/Rhein-Sieg.
Déus sagte im WDR 5 Morgenecho, in diesem Fall einer echten „Verkehrskatastrophe" sehe er das aber anders: Der Bund müsse die Kommunen beim öffentlichen Personennahverkehr unterstützen. Normalerweise seien für den ÖPNV die Kommunen zuständig. „Ohne finanzielle Hilfe von außen könne die Stadt das nicht allein stemmen", warnte er.
Entlastungsmaßnahmen der Stadt
Die Stadt Bonn hat bereits eine Reihe von Sofortmaßnahmen beschlossen, um die Lage zu entschärfen. So wurde der öffentliche Nahverkehr in Bonn vorübergehend kostenlos angeboten, zunächst bis Ende Juni. Der Stadtrat genehmigte zudem den Ausbau mehrerer Straßen, zusätzliche Park-and-Ride-Plätze, geänderte Spuraufteilungen und die Ausweitung der Homeoffice-Regelung für städtische Beschäftigte.
Déus kündigte an, das Angebot an kostenlosen Tickets werde wahrscheinlich wieder eingestellt werden müssen, wenn der Bund nicht einspringe. Bonn befinde sich am Rand eines Haushaltssicherungskonzepts und sei unterfinanziert. „Wir möchten ein Anreizsystem setzen, damit so viele Menschen wie irgendwie möglich den ÖPNV nutzen", sagte er.
Auswirkungen sind im Alltag der Menschen bereits deutlich spürbar. Nach einem WDR-Bericht brauchen Autofahrer in Richtung Bonn teils bis zu 50 Minuten länger, in der Gegenrichtung rund 30 Minuten. Verkehr in Richtung Norden muss einen weiten Umweg über die Rodenkirchener Brücke der A4 im Kölner Süden in Kauf nehmen. Die nächste Rheinquerung im Süden, die Konrad-Adenauer-Brücke, liegt nur etwa einen Kilometer entfernt.
Auswirkungen auf Pendler und Wirtschaft
In Straßenumfragen schilderten Betroffene ihre Lage. Sabine Breuer, die in einem Modegeschäft in der Innenstadt arbeitet, ist besorgt, dass die Kunden wegbleiben werden, weil sie die Innenstadt schlechter erreichen können. Sie wünscht sich deshalb zum Beispiel zusätzliche Fährverbindungen. Zwei ihrer Mitarbeiterinnen wohnen auf der anderen Rheinseite und müssen jeden Morgen über den Rhein fahren.
Detlef Epstein liefert Medikamente aus. Pünktliche Zustellung sei für seine Kunden überlebenswichtig, sagt er. Seit der Sperrung vor zwei Wochen brauche er durch die Staus deutlich länger. „Ich denke, da können wir hier von zehn Jahren ausgehen", sagt er mit Blick auf den geplanten Neubau. Außerdem zweifelt Epstein daran, dass die Schäden an der Brücke erst jetzt bemerkt wurden.
Mark Cleavenger, Bonner Radaktivist, freut sich über eine Lösung für Radfahrer und Fußgänger. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg unterstrich die Bedeutung der Querung: „Die Rheinbrücken sind die Lebensadern unserer Region". ZDF-Reporter Lothar Becker erklärte, der Verlust einer Rheinbrücke verteile den Verkehr auf die übrigen Querungen und verschärfe deren Zustand.
Schnieder betonte, der Bund habe in den kommenden Jahren ausreichend Mittel für Brückensanierungen bereitgestellt und diese mit hoher Priorität versehen. Das Schadensbild an der linksrheinischen Vorlandbrücke habe sich so verschlechtert, dass eine Öffnung der Brücke sowohl für den Lkw- als auch für den Pkw-Verkehr nicht mehr in Frage komme. Déus appellierte an den Bund: Wer den Verkehr von den Straßen auf Busse und Bahnen verlagern wolle, müsse den ÖPNV-Ausbau auch finanzieren, das senke spätere Reparaturkosten.
Die angekündigte Sperrung gilt als härtester Einschnitt im Bonner Straßennetz seit Jahrzehnten. Während Radfahrer und Fußgänger noch in diesem Sommer mit einer Teilerleichterung rechnen können, bleibt die Blechlawine auf weiträumige Umwege angewiesen – mit offenem Ende, sollte der Zeitplan nicht halten.
Fragen & Antworten
Wer hat den Abriss der Bonner Nordbrücke angekündigt?
Patrick Schnieder (CDU) hat am Freitag in Bonn nach der zweiten Sitzung eines Lenkungskreises aus Bund, Land und Kommunen angekündigt, dass die linke Vorlandbrücke der A565 abgerissen und neu gebaut wird.
Wie lange bleibt die Bonner Nordbrücke gesperrt?
Die Bonner Nordbrücke auf der Autobahn 565 bleibt voraussichtlich bis Ende 2028 für Autos und Lkw gesperrt. Fußgänger und Radfahrer sollen die Brücke bereits Ende des Sommers wieder nutzen können.
Welche Entlastungsmaßnahmen hat die Stadt Bonn beschlossen?
Die Stadt Bonn hat unter anderem den öffentlichen Nahverkehr vorübergehend kostenlos angeboten, den Ausbau mehrerer Straßen, zusätzliche Park-and-Ride-Plätze und eine Ausweitung der Homeoffice-Regelung für städtische Beschäftigte beschlossen.