Buffett spendet Berkshire-Aktien im Milliardenwert – Gates-Stiftung geht erstmals leer aus
Frankfurt, 14. Juli 2026
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Kurzfassung
Warren Buffett hat den Verzicht auf seine verbleibenden Berkshire-Hathaway-Aktien zugunsten von vier Familienstiftungen angekündigt. Die Stiftung von Microsoft-Mitgründer Bill Gates erhält in diesem Jahr als bislang größter Empfänger erstmals keine Spende – Hintergrund ist die Epstein-Affäre.
Der 95-jährige US-Investor Warren Buffett hat am Dienstag angekündigt, seine verbleibenden Berkshire-Hathaway-Aktien innerhalb von rund acht Jahren vollständig zugunsten von vier Familienstiftungen abzugeben; die Stiftung von Microsoft-Mitgründer Bill Gates, die jahrelang größter Empfänger der Spenden war, geht diesmal leer aus.
Warren Buffett teilte am Dienstag mit, dass er 8.000 Aktien der Klasse A von Berkshire Hathaway in 12.000.000 Aktien der Klasse B umwandelt, um sie an vier gemeinnützige Stiftungen zu spenden. Von den 12.000.000 B-Aktien gehen 9.000.000 Stück an die Susan Thompson Buffett Foundation. Die Sherwood Foundation, die Howard G. Buffett Foundation und die Novo Foundation erhalten laut der Mitteilung je 1.000.000 B-Aktien. Buffett selbst bleibt derweil im Besitz von 188.290 A-Aktien und 1.162 B-Aktien des Investmentkonglomerats.
Aktien gehen an vier Familienstiftungen
Damit setzt der 95-Jährige den seit Jahren angekündigten schrittweisen Ausstieg aus seiner Beteiligung an Berkshire Hathaway fort. Eine A-Aktie von Berkshire Hathaway ist rund 745.000 US-Dollar wert. Die B-Aktie bewegt sich an der NYSE bei knapp 500 US-Dollar. Die Aktien werden intern zwischen Buffett und den vier Stiftungen übertragen, ein Verkauf am freien Markt ist damit nicht verbunden.
Zugleich markiert die diesjährige Spende einen Bruch mit einer Zusage, die Buffett vor rund 20 Jahren gemacht hatte. Hintergrund des Zerwürfnisses sind die Verbindungen der Gates-Stiftung zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Im März erklärte Buffett, er und Microsoft-Gründer Bill Gates hätten seit Bekanntwerden der Angelegenheit keinerlei Kontakt mehr gehabt.
Bruch mit der Gates-Stiftung nach 20 Jahren
Die Gates-Stiftung war in den vergangenen Jahren der größte Empfänger von Buffetts Zuwendungen. Seit 2006 hat Buffett der Stiftung nach Angaben von CNBC Berkshire-Aktien im Wert von mehr als 43 Milliarden US-Dollar überschrieben. In einem Brief an Bill und Melinda Gates aus dem Jahr 2006 sicherte er zu, der Stiftung während seines gesamten Lebens jährlich Berkshire-Aktien zu übertragen, solange mindestens einer der beiden Gründer aktiv in der Organisation mitwirkt.
In diesem Jahr bricht Buffett mit dieser Tradition: Die Stiftung von Microsoft-Mitgründer Bill Gates, die über Jahre hinweg der größte Empfänger der Spenden war, erhält diesmal keine Anteile. Buffett hatte seine jährliche Zuwendung bereits ausgesetzt, während eine von der Stiftung beauftragte externe Überprüfung durch die Kanzlei WilmerHale die historischen Verbindungen zu Epstein aufarbeitete.
Mein Ziel ist es, innerhalb von etwa acht Jahren alle meine Berkshire-Aktien abzugeben, erklärte Buffett. Sollte dies nicht gelingen, sollen die restlichen Aktien spätestens bis zu diesem Stichtag ohnehin an die vier Stiftungen fließen. Das Datum, bis zu dem seine Kinder die Übertragung abgeschlossen haben sollen, ist der 31. Dezember 2034. Buffett will die Hintergründe der Entscheidung am Mittwoch in einem Auftritt bei CNBCs "Squawk Box" erläutern.
Buffetts Plan: Ausstieg bis 2034
Bill Gates hatte sich am 10. Juni vor dem Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses geäußert und seine Verbindung zu Epstein als "schwerwiegende Fehleinschätzung" bezeichnet. Er habe nach eigenen Angaben weder von kriminellem Verhalten gewusst noch daran teilgenommen und gab an, zuletzt im Januar mit Buffett gesprochen zu haben, bevor Epstein-Dokumente veröffentlicht wurden.
Gates äußert sich vor dem Kongress
In den vergangenen Monaten waren E-Mails veröffentlicht worden, in denen der Name von Gates im Zusammenhang mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein mehrfach auftauchte. Die Korrespondenz rückte die Beziehung des Microsoft-Mitgründers zu dem wegen Sexualstraftaten verurteilten und später in Haft gestorbenen Epstein in den Fokus der Öffentlichkeit.
Buffetts Vermögen wird auf rund 150 Milliarden US-Dollar geschätzt. Mit seinen Investitionen hat er über Jahrzehnte hinweg deutlich besser abgeschnitten als der breite Aktienmarkt. Seine Anlagephilosophie: Er steigt bei aussichtsreichen Unternehmen zu günstigen Preisen ein.
In den 1960er-Jahren kaufte Buffett das kleine Textilunternehmen Berkshire und formte es über die Jahrzehnte zu einem der größten und erfolgreichsten Investmentkonzerne der Welt um. Aus dem einstigen Textilkonzern wurde ein Mischkonzern, der an einer breiten Palette von Unternehmen beteiligt ist – von Versicherern über Energiekonzerne bis hin zu Konsumgüterherstellern.
Die Geschicke des Unternehmens hatte Buffett bis zum Jahreswechsel geleitet, im Alter von 95 Jahren zog er sich aus der operativen Führung der Holding zurück. Der diesjährige Spendenschritt fällt somit in eine Phase, in der Buffett sein Lebenswerk geordnet in gemeinnützige Hände überführen will.
Folgen für die Gates-Stiftung
Der Verzicht auf die Gates-Stiftung als Empfänger ist dabei nicht nur ein finanzieller Einschnitt für die Stiftung. Über fast zwei Jahrzehnte war die jährliche Buffett-Spende ein zentraler Baustein der finanziellen Ausstattung der Gates Foundation. Der plötzliche Stopp könnte die Spielräume der Stiftung bei der Vergabe von Mitteln für globale Gesundheits-, Bildungs- und Entwicklungsprojekte verändern.
Unklar ist, ob die Spenden an die Gates-Stiftung zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden. Buffett hatte im März erklärt, er werde den Kontakt zu Gates erst dann wieder aufnehmen, wenn Klarheit über dessen Verbindungen zu Epstein bestehe. Ein Ergebnis der externen Überprüfung durch WilmerHale wurde bisher nicht öffentlich vorgelegt.
Die übertragenen B-Aktien werden nicht an der Börse gehandelt, sondern verbleiben im Besitz der Stiftungen. Damit ändert sich an der Aktionärsstruktur von Berkshire Hathaway und an der operativen Aufstellung des Konzerns nichts.
Beschleunigte Übertragung an die Familienstiftungen
Mit dem nun angekündigten Tempo der Übertragung beschleunigt Buffett die Abgabe seiner Beteiligung. Sollten seine Kinder die Verteilung nicht innerhalb der Frist abschließen, fließen die verbleibenden Aktien automatisch bis zum 31. Dezember 2034 an die vier Familienstiftungen. Damit ist der Ausstieg vertraglich abgesichert.
Fragen & Antworten
Warum geht die Gates-Stiftung in diesem Jahr bei Buffetts Spende leer aus?
Hintergrund des Zerwürfnisses sind die Verbindungen der Gates-Stiftung zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Buffett erklärte im März, er und Bill Gates hätten seit Bekanntwerden der Angelegenheit keinen Kontakt mehr gehabt.
Welche Stiftungen erhalten die Berkshire-Aktien?
Von den 12 Millionen B-Aktien gehen 9 Millionen an die Susan Thompson Buffett Foundation; die Sherwood Foundation, die Howard G. Buffett Foundation und die Novo Foundation erhalten je eine Million B-Aktien.
Bis wann will Buffett seine Berkshire-Aktien vollständig abgegeben haben?
Sein Ziel ist es, innerhalb von etwa acht Jahren alle Berkshire-Aktien abzugeben; spätestens bis zum 31. Dezember 2034 sollen die verbleibenden Aktien an die vier Familienstiftungen geflossen sein.