Beisetzung von Ayatollah Ali Khamenei in Maschhad nach sechstägiger Trauerfeier
Teheran, 09. Juli 2026
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Kurzfassung
Mehr als vier Monate nach seiner Tötung bei einem US-israelischen Luftangriff wird Ayatollah Ali Khamenei am Donnerstag im Imam-Reza-Heiligtum in Maschhad beigesetzt. Eine sechstägige Trauerfeier mit Millionen Trauernden geht dem Begräbnis voraus, sein Sohn Mojtaba Khamenei steht als Nachfolger im Zentrum.
Ayatollah Ali Khamenei, der 37 Jahre lang als Oberster Führer der Islamischen Republik Iran amtierte, wird am Donnerstag im Imam-Reza-Heiligtum seiner Geburtsstadt Maschhad im Nordosten des Landes beigesetzt.
Am 28. Februar 2026, dem ersten Tag des Iran-Kriegs, wurde er bei einem amerikanisch-israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet. Die Beisetzung erfolgt damit mehr als vier Monate nach seinem Tod. Die islamische Tradition sieht eigentlich eine möglichst rasche Beisetzung vor, oft innerhalb von 24 Stunden.
Trauerzug von Teheran über Qom in den Irak
Die öffentlichen Trauerfeiern hatten am Samstag in Irans Hauptstadt Teheran begonnen. Millionen Anhänger folgten dem früheren geistlichen und weltlichen Oberhaupt, der die Islamische Republik mit harter Hand regiert hatte. Der Leichnam wurde zunächst in Teheran öffentlich aufgebahrt und durch die Strassen getragen.
Anschliessend führte der Trauerzug nach Qom und weiter zu den schiitischen Pilgerstätten im Irak. Nach Qom wurde der Leichnam mit einem Helikopter gebracht, nach Nadschaf im Irak mit einem Flugzeug. Strassen werden gesperrt, die Revolutionswächter sichern den Trauerzug, und der Luftraum über Teheran wird zeitweise geschlossen.
Die iranische Führung begründet die Verzögerung mit der angespannten Lage und dem organisatorischen Aufwand. Die zusätzliche Zeit solle es ermöglichen, die mehrtägigen Trauerfeierlichkeiten ohne Unterbruch abzuhalten und die erwarteten Millionen Besucher zu koordinieren. Vier Monate später verabschiedet sich die Islamische Republik mit einer sechstägigen Trauerzeremonie von ihrem langjährigen Revolutionsführer.
Mojtaba Khamenei als neuer Oberster Führer
Im Mittelpunkt steht dabei auch Mojtaba Khamenei, der nach dem Tod seines Vaters zum neuen Obersten Führer ernannt wurde. Seit dem Luftangriff vom 28. Februar, bei dem auch er verletzt wurde und seine Frau sowie seine Tochter starben, ist der neue Revolutionsführer nicht mehr öffentlich aufgetreten. Seine Brüder nahmen bereits an den Trauerfeiern teil.
Mit Khamenei starben mehrere Familienangehörige, unter ihnen seine 14 Monate alte Enkelin. Auf Plakaten und in den staatlichen Medien wird Khamenei als «Märtyrerführer Irans» bezeichnet, nicht nur als «Führer der islamischen Welt». Der offizielle Slogan lautet «Wir müssen aufstehen».
Mehr als tausend Schulen dienen als Unterkünfte, ebenso Moscheen, Sporthallen und Universitäten. Gemäss der «New York Times» vermitteln Apps zusätzliche Schlafplätze und zeigen kostenlose Busverbindungen an. Für einzelne Besuchergruppen sollen Visa erleichtert oder kostenlos ausgestellt worden sein.
Internationale Gäste und ausgewählte Koranverse
Vertreten waren bisher unter anderem Pakistan, Armenien, Tadschikistan, Georgien, Russland, China, Indien, die Türkei, Afghanistan, Bangladesh und Saudiarabien. Neben staatlichen Delegationen nahmen auch Vertreter des Hizbullah, der Hamas und der Huthi an den Trauerfeiern teil.
Iran begrüsste einzelne Gäste mit gezielt ausgewählten Koranversen. Der Hizbullah und die Hamas erhielten Verse über Standhaftigkeit und Treue. Die türkische Delegation wurde dagegen mit einem Vers empfangen, der jene kritisiert, die dem Kampf fernbleiben.
Nach Angaben des iranischen Bestattungskomitees baten auch schiitische Gemeinschaften in Pakistan darum, den Leichnam für eine Trauerprozession ins Land zu bringen. Wegen des engen Zeitplans sei dies jedoch nicht möglich gewesen. Das iranische Bestattungskomitee wies zudem Gerüchte zurück, Khamenei sei bereits heimlich beigesetzt worden. Der Leichnam sei während der gesamten Zeit unter Einhaltung der religiösen und gesetzlichen Vorschriften aufbewahrt und nicht beigesetzt worden.
Spannungen in der iranischen Gesellschaft
Gemäss einer Studie bezeichnen sich nur noch rund 30 Prozent der Bevölkerung als schiitische Muslime. Vor allem in der iranischen Diaspora löste sein Tod auch Jubelfeiern aus. Damit fällt die Trauerfeier in eine Gesellschaft, die sich religiös und politisch tiefgreifend verändert hat.
Die Sicherheitsvorkehrungen sind umfassend. Revolutionswächter sichern den Trauerzug, Strassen wurden gesperrt und der Luftraum über Teheran zeitweise geschlossen. Die Beisetzung selbst erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Die Beisetzung ist an diesem Donnerstag im Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad geplant. Das Imam-Reza-Heiligtum gilt als eines der bedeutendsten religiösen Orte des schiitischen Islams und wird jedes Jahr von Millionen Gläubigen besucht.
Sicherheitsvorkehrungen und historische Erfahrungen
Beim Begräbnis des Revolutionsführers Ayatollah Khomeiny mussten die Zeremonien 1989 wegen des gewaltigen Andrangs zeitweise unterbrochen werden. Bei der Trauerfeier für General Kassem Soleimani kamen 2020 Dutzende Menschen bei einer Massenpanik ums Leben. Diese historischen Erfahrungen prägen das aktuelle Sicherheitskonzept.
Im Anschluss an die Begräbnisfeierlichkeiten wird erwartet, dass Mojtaba Khamenei als neuer Oberster Führer stärker in die Öffentlichkeit tritt. Sein erster öffentlicher Auftritt seit Kriegsbeginn wird seit Wochen in iranischen Medien und der Diaspora intensiv diskutiert.
Ausblick auf die Ära nach Khamenei
Folgt auf die sechstägige Trauerfeier die Bestattung am Donnerstag, schliesst die Islamische Republik ein Kapitel, das mit dem Tod ihres langjährigen Staatsoberhaupts am 28. Februar begonnen hatte. Die nächsten Tage werden zeigen, wie sich die religiöse und politische Ordnung unter dem neuen Führer Mojtaba Khamenei neu formiert.
Fragen & Antworten
Wer war Ayatollah Ali Khamenei?
Khamenei war 37 Jahre lang der Oberste Führer der Islamischen Republik Iran und zugleich deren geistliches und weltliches Oberhaupt. Er wurde am 28. Februar 2026 bei einem amerikanisch-israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet.
Warum wurde die Beisetzung von Khamenei um mehrere Monate verschoben?
Die iranische Führung begründete die Verzögerung mit der angespannten Sicherheitslage und dem organisatorischen Aufwand für die sechstägige Trauerfeier. Die zusätzliche Zeit sollte ermöglichen, Millionen Besucher aus dem In- und Ausland zu koordinieren.
Wo wird Khamenei beigesetzt und wer folgt ihm als Oberster Führer?
Die Beisetzung erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Donnerstag im Imam-Reza-Heiligtum in seiner Geburtsstadt Maschhad im Nordosten Irans. Zu seinem Nachfolger als Oberster Führer wurde sein Sohn Mojtaba Khamenei ernannt, der seit dem Luftangriff nicht mehr öffentlich aufgetreten ist.
Khamenei-Beisetzung in Maschhad: Trauerfeier, Nachfolger | finanz360