Babler verteidigt höhere Gesundheitsausgaben und weist Kritik aus mehreren Lagern zurück
Wien, 04. Juli 2026
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Kurzfassung
SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler hat die steigenden Ausgaben für das Gesundheitssystem verteidigt und eine Grundsatzeinigung von Bund, Ländern und Gemeinden gegen Kritik aus den eigenen Reihen und von FPÖ sowie Grünen in Schutz genommen. Zugleich kündigte er einen Versorgungsatlas, neue Facharztzentren und Erleichterungen für Mieter beim Einbau von Klimaanlagen an.
SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler hat am Samstag im ORF-Ö1-Format "Im Journal zu Gast" die steigenden Ausgaben für das österreichische Gesundheitssystem verteidigt und die in der Nacht auf Mittwoch erzielte Grundsatzeinigung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden gegen Kritik aus den eigenen Reihen, von FPÖ und Grünen verteidigt.
Die Verhandlungen über die Reform der Gesundheitsversorgung waren lang und schwierig. In der Nacht auf Mittwoch einigten sich Bund, Länder und Gemeinden auf eine Grundsatzeinigung, die laut Babler das österreichische Gesundheitssystem langfristig entlasten soll. Babler sagte im ORF-Ö1-Format "Im Journal zu Gast", die Länder seien in die Gespräche eingebunden gewesen: "In harten Diskussionen sei man zu Kompromissen und gemeinsamen Lösungen gekommen. 'Wir haben die Länder eingebunden.'"
Ein zentraler Punkt der Einigung ist der geplante Versorgungsatlas. Babler sprach von einem "Versorgungsatlas", um "überall die beste Versorgung" zu bieten. Damit solle sichtbar werden, welche Angebote wo bestehen und wo Lücken bestehen. Die Versorgung müsse für alle Menschen zugänglich sein, betonte der SPÖ-Chef.
Versorgungsatlas und Facharztzentren als Eckpfeiler
Neben dem Ausbau der Primärversorgung sollen auch neue, gemeinsam finanzierte Facharztzentren entstehen. Diese Zentren sind laut Vereinbarung ein zusätzlicher Pfeiler neben den Primärversorgungseinheiten. Bestehende Krankenhausstandorte blieben ein wesentlicher Bestandteil der Versorgung, wie Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) in einer schriftlichen Stellungnahme unterstrich: "Dafür sind die bestehenden Standorte ein wesentlicher Bestandteil."
Babler widersprach Befürchtungen, wonach kleine Spitäler geschlossen werden könnten. "Kleine Spitäler würden nicht geschlossen, stattdessen zusätzliche Einrichtungen geschaffen, sagte der SPÖ-Chef. Auch Gesundheitsministerin Schumann stellte klar, Spitalsschließungen seien "im gesamten Reformprozess weder geplant noch Gegenstand der Diskussion".
Gleichzeitig räumte Babler ein, dass das Gesundheitssystem teurer werde. "Ja, es wird teurer", sagte er mit Blick auf steigende Lebenserwartung und teure Medikamente. Diese Faktoren würden die Kosten weiter treiben. Dennoch sei die Reform nötig, um bestehende Strukturen zu entlasten. Babler kündigte an, es müsse "spürbar im Leben der Menschen in diesen Bereichen etwas besser werden".
Grüne kritisieren die Reform als unzureichend
Die Finanzierung und die Verteilung der Mittel sorgt indessen für politischen Streit. Die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Sigrid Maurer, kritisierte die Reformpartnerschaft scharf: "Die groß angekündigte Reformpartnerschaft bringt nur einzelne Reförmchen", sagte sie. Die Budget-Kürzungen träfen zudem die Mitte der Gesellschaft, hieß es in einer Aussendung. "Aber Superreiche leisten noch immer keinen fairen Beitrag auf Millionen- oder Milliardenerbschaften."
Auch aus den Reihen der SPÖ selbst kam Widerspruch. Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) lehnte Teile der Einigung öffentlich ab. Babler zeigte sich davon unbeeindruckt: "Auch die Ablehnung des burgenländischen SPÖ-Landeshauptmanns Hans Peter Doskozil bringe den Vizekanzler nicht aus der Ruhe." Es gebe unterschiedliche Standpunkte, in vielen Fragen sei man aber auf derselben Linie.
Widerspruch aus den eigenen Reihen
Die FPÖ griff Babler ebenfalls scharf an. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sagte: "Babler versuche, das eigene Versagen als Erfolg zu verkaufen". Außerdem kritisierte Schnedlitz die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel: "Die sogenannte Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, der noch dazu die Unternehmer bis über beide Ohren in einem Bürokratiesumpf versinken lässt."
Babler wies diese Kritik zurück. Aussagen, das sei zu wenig, seien "abgehoben oder zynisch". Die Regierung habe insgesamt viel gegen die Teuerung getan. "Nicht kleinreden lassen will sich Babler die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel." Die Maßnahme sei ein wichtiger Beitrag zur Entlastung der Bevölkerung.
Medienförderung und Klimaschutz im Wohnbereich
In seiner Funktion als Medienminister sprach Babler auch über die geplante Medienförderung. Diese solle rasch umgesetzt werden, kündigte er an. Die ÖVP müsse "wegkommen von Partikularinteressen", sagte der Medienminister. Kritik aus dem Boulevard an Einsparungen bei Inseraten sei nicht verwunderlich: "Das zeigt natürlich Wirkung." Damit spielte Babler auf Kritik aus dem Boulevard an den geplanten Einsparungen bei Inseraten an.
Ein weiteres Thema war der Klimaschutz in Wohnungen. Wegen steigender Temperaturen sollten Mieterinnen und Mieter künftig Klimaanlagen schneller einbauen können, kündigte Babler an. Damit reagiert die Regierung auf die zunehmende Hitzebelastung in den Sommermonaten und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken.
Beim Blick auf die politische Großwetterlage zeigte sich Babler unzufrieden mit dem Abschneiden seiner Partei bei der Graz-Wahl. Wenig erfreut war Babler über das schwache Abschneiden der SPÖ bei der Graz-Wahl. Die Probleme müssten vor Ort aufgearbeitet werden, beträfen aber auch ihn persönlich: "Die SPÖ ist immer mein Bier."
Graz-Wahl als innenpolitischer Belastungstest
Babler sprach zudem über die grundsätzliche Ausrichtung der Politik. Österreich brauche eine ernsthafte Politik, "die dem Land wieder eine Perspektive gibt". Dafür sei die Reformpartnerschaft ein wichtiger Schritt. Babler zeigte sich insgesamt kämpferisch und verteidigte die bisherigen Ergebnisse der Regierung gegen Kritik aus verschiedenen Richtungen.
Die Reaktionen auf das Interview fielen erwartbar gemischt aus. Während die Opposition die Reform als unzureichend kritisierte, verwiesen Regierungsvertreter auf die erreichten Kompromisse und die Einbindung der Länder. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Grundsatzeinigung in eine finale Vereinbarung übergeführt werden kann und wie die Kritik in den parlamentarischen Prozess einfließt.
Insgesamt verdeutlicht das Interview die Bandbreite der Herausforderungen, vor denen die Regierung steht: die Reform des Gesundheitssystems, die Bewältigung der Teuerung, der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Schutz der Mieterinnen und Mieter vor steigenden Temperaturen. Babler muss dabei unterschiedliche Interessen innerhalb und außerhalb seiner Partei zusammenführen, um die ambitionierten Ziele zu erreichen.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Grundsatzeinigung in eine finale Vereinbarung übergeführt werden kann. Die Verhandlungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden dürften weitergehen, denn viele Details der Reform sind noch offen. Klar ist, dass die Kosten des Gesundheitssystems weiter steigen werden und die politische Debatte darüber anhalten wird.
Fragen & Antworten
Wer ist Andreas Babler?
Andreas Babler ist Vorsitzender der SPÖ und Vizekanzler der Republik Österreich. In der aktuellen Regierung ist er außerdem als Medienminister tätig.
Was sieht die Grundsatzeinigung zur Gesundheitsreform vor?
Die Einigung sieht den Ausbau der Primärversorgungseinheiten, die Schaffung neuer gemeinsam finanzierter Facharztzentren sowie einen Versorgungsatlas vor. Bestehende Krankenhausstandorte bleiben demnach erhalten, Spitalsschließungen sind nicht geplant.
Warum steht die Reform in der Kritik?
Die Grünen bezeichnen die Reformpartnerschaft als bloße "Reförmchen" und kritisieren, dass Budget-Kürzungen die Mitte der Gesellschaft träfen. Die FPÖ nennt die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel einen "Tropfen auf den heißen Stein", und der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) lehnt Teile der Einigung ab.