AMD investiert bis zu fünf Milliarden Dollar in Anthropic und sichert sich Milliardenauftrag für KI-Chips
Santa Clara, 22. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Der US-Chipkonzern AMD und der KI-Entwickler Anthropic haben ein milliardenschweres Überkreuz-Geschäft vereinbart. AMD will sich mit bis zu fünf Milliarden Dollar an Anthropic beteiligen, während Anthropic Hochleistungschips mit einem Energiebedarf von zwei Gigawatt abnehmen soll.
Der US-Chiphersteller AMD und das KI-Unternehmen Anthropic haben am 22. Juli 2026 eine strategische Partnerschaft angekündigt, in deren Rahmen AMD bis zu fünf Milliarden US-Dollar in Anthropic investieren wird und Anthropic im Gegenzug AMD-Hochleistungsprozessoren mit einem Gesamtenergiebedarf von zwei Gigawatt kaufen soll.
Umfang und Struktur des Geschäfts
Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Kreise zuerst berichtete, haben AMD und Anthropic ein milliardenschweres Überkreuz-Geschäft vereinbart. "AMD kündigte am Mittwoch an, sich mit bis zu fünf Milliarden Dollar an dem Entwickler von Künstlicher Intelligenz (KI) beteiligen zu wollen." Die Investitionszusage sei ausdrücklich für die Zukunft vorgesehen und daher nicht sofort bindend, hieß es in dem Bericht weiter.
Im Gegenzug werde der OpenAI-Rivale AMD-Hochleistungsprozessoren mit einem Gesamt-Energiebedarf von zwei Gigawatt kaufen. "Anthropic sichert sich Rechenkapazitäten, um die rasant wachsende Nachfrage nach seinen KI-Anwendungen zu bedienen." Das Volumen des Auftrags liegt nach Branchenangaben im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich.
Technische Eckpfeiler: MI450, Helios und ROCm
AMD-Chairwoman und CEO Lisa Su bezeichnete die Vereinbarung als Vertiefung der Zusammenarbeit mit Anthropic und beschrieb die Helios-Rackscale-Systeme als künftige zentrale Plattform für die nächste Generation von KI-Infrastruktur. In einer Pressemitteilung erklärte Su: "Gemeinsam werden wir die KI-Einführung in großem Maßstab beschleunigen."
Geplant ist der Einsatz von bis zu zwei Gigawatt AMD-Instinct-GPUs der MI450-Serie in den Helios-Systemen von AMD. Konkret sollen MI455X-Beschleuniger in AMD-Helios-Racks mit EPYC-Prozessoren der Venice-Generation, Pensando-Netzwerktechnologie und ROCm-Software kombiniert werden. Die Helios-Systeme sind laut AMD gezielt für KI-Training und Inferenz der nächsten Generation konzipiert.
Der Zeitung zufolge will Anthropic einen Teil der AMD-Chips in eigenen Rechenzentren einsetzen "und weitere Kapazitäten bei Cloud-Anbietern anmieten." Damit baut Anthropic seine bestehende Nutzung von AMD-Instinct-MI355X-GPUs aus. Nach dem AMD-Deal steht das KI-Modell Claude laut Unternehmen auf allen drei großen Cloud-Plattformen zur Verfügung: Amazon, Google und Microsoft.
Strategische Bedeutung für beide Seiten
Parallel starten AMD und Anthropic eine mehrjährige technische Zusammenarbeit, in deren Rahmen das KI-Modell Claude von Anthropic helfen soll, Arbeitslasten für AMD-Instinct-GPUs zu optimieren und die Entwicklung der ROCm-Software voranzutreiben. AMD plant zudem, Claude unternehmensweit in seinen Engineering- und Produktentwicklungsteams einzusetzen.
Tom Brown, Chief Compute Officer von Anthropic, betonte die Bedeutung des Zugangs zu Rechenkapazität, um Claude an der Spitze der Entwicklung zu halten und die Kundennachfrage zu bedienen. Brown erklärte zudem, die Partnerschaft mit mehreren Hardwareanbietern ermögliche es Anthropic, Arbeitslasten auf die jeweils am besten geeignete Technologie zu verteilen.
Marktumfeld: Wettrennen um Rechenkapazität
Mit der Transaktion kann AMD den Rückstand auf den Weltmarktführer Nvidia verkleinern. Branchenkenner schätzen laut Reuters, dass ein Gigawatt Rechenkapazität – genug, um rund 750.000 US-Haushalte zu versorgen – in der Größenordnung von 50 Milliarden US-Dollar kosten kann. Ein Gigawatt entspricht in etwa der Leistung eines einzelnen Kernreaktors.
Die erste Gigawatt-Tranche der GPUs soll im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb gehen. Der gesamte Rollout hängt von einer termingerechten Umsetzung ab, die laut Vereinbarung ab 2027 anläuft. AMD erklärte, die Investitionszusage an Anthropic sei ausdrücklich für die Zukunft vorgesehen und damit nicht sofort bindend.
Die AMD-Aktie legte im US-Handel nach anfänglichem Kursverlust letztlich um 2,2 Prozent auf 556,42 US-Dollar zu. Damit summiert sich das Kursplus seit Jahresbeginn auf mehr als 140 Prozent. Analysten bewerten AMD überwiegend positiv: Bernstein Research stufte die Aktie am 21. Juli 2026 mit "Outperform" ein, Jefferies & Company bewertete am 16. Juli 2026 mit "Buy", UBS AG am 25. Juni 2026 ebenfalls mit "Buy", Bernstein Research erneut am 17. Juni 2026 mit "Outperform" und Barclays Capital am 1. Juni 2026 mit "Overweight".
Anthropics Einkaufstour und Investoren
Die Kooperation ist Teil einer breiteren Einkaufsoffensive von Anthropic. Laut Financial Times hat das Unternehmen im Jahr 2026 allein Zugang zu mehr als zehn Gigawatt neuer Kapazität gesichert. Im April 2026 hatten Anthropic und AWS ihre Partnerschaft erweitert; Anthropic sicherte sich dabei bis zu fünf Gigawatt Trainium-Kapazität und verpflichtete sich, über zehn Jahre mehr als 100 Milliarden US-Dollar in AWS-Technologie zu investieren.
Ebenfalls im April 2026 weiteten Anthropic, Google und Broadcom ihre Zusammenarbeit um mehrere zusätzliche Gigawatt TPU-Kapazität aus; laut einer Broadcom-Meldung an die US-Börsenaufsicht beläuft sich diese auf rund 3,5 Gigawatt, die ab 2027 schrittweise online gehen sollen. Im Mai 2026 einigte sich Anthropic nach Angaben der Financial Times zudem mit SpaceX auf eine monatliche Zahlung von 1,25 Milliarden US-Dollar für die Anmietung von Rechenzentrumsfläche.
Amazon hat seit 2024 rund acht Milliarden US-Dollar in Anthropic investiert. Im November 2025 hatten Nvidia (bis zu zehn Milliarden US-Dollar) und Microsoft (bis zu fünf Milliarden US-Dollar) in Anthropic investiert; gleichzeitig verpflichtete sich Anthropic zu Azure-Ausgaben in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar und zu Kapazität auf Nvidia-Systemen. Im Oktober 2025 hatte Anthropic zudem Zugang zu bis zu einer Million Google-TPUs angekündigt – ein Deal im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich.
Marktreaktion und Analystenstimmen
Die Dynamik auf dem Markt für KI-Rechenkapazität ist ungebrochen. Im Herbst 2025 hatte Nvidia angekündigt, bis zu 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu investieren; OpenAI plant im Gegenzug, seine Rechenzentren mit Millionen Nvidia-Chips zu füllen – Anfang 2026 wurde diese Summe auf rund 30 Milliarden US-Dollar reduziert. OpenAI hatte zudem einen Deal über sechs Gigawatt AMD-Instinct-GPUs abgeschlossen, für den AMD OpenAI Optionsscheine auf bis zu 160 Millionen eigene Aktien – rund zehn Prozent des Unternehmens – gewährte.
Anthropic ist ein Rivale von OpenAI und verzeichnet starkes Wachstum: Die annualisierte Umsatzlaufrate lag 2026 nach Unternehmensangaben bei mehr als 30 Milliarden US-Dollar, nach rund neun Milliarden US-Dollar Ende 2025. Anthropic und Amazon betreiben mit "Project Rainier" einen der weltweit größten Compute-Cluster mit mehr als einer Million Trainium2-Chips; rund ein Gigawatt Trainium2- und Trainium3-Kapazität soll bis Ende 2026 online sein.
Der Deal ist nicht nur kommerziell, sondern auch strategisch bedeutsam: AMD erhält über Anthropic einen direkten Abnehmer für seine nächste Chipgeneration und kann Marktanteile im heiß umkämpften Markt für KI-Beschleuniger zurückgewinnen, der bislang klar von Nvidia dominiert wird. Für Anthropic wiederum bedeutet der Vertrag zusätzliche Sicherheit bei der Versorgung mit Rechenkapazität – eine Ressource, die CEO Dario Amodei noch Ende 2025 bei Wettbewerbern kritisiert hatte, als diese aggressiv Compute-Kapazität vor der eigentlichen Nachfrage sicherten.
Ausblick
Die Vereinbarung trägt damit Züge einer wechselseitigen Risikoteilung: AMD finanziert einen wichtigen Abnehmer mit, umgekehrt verpflichtet sich Anthropic zum Bezug großer Mengen AMD-Hardware. Branchenbeobachter werten dies als Signal, dass sich der Wettbewerb im KI-Markt zunehmend über langfristige Liefer- und Kapazitätsverträge entscheidet – und weniger über klassische Produkteinführungen. Der Beitrag enthält den Hinweis, dass der Text rein informatorisch ist und keine Anlageempfehlung darstellt. (APA, 22.7.2026)
Mit dem AMD-Deal festigt Anthropic seine Position als einer der am schnellsten wachsenden Anbieter im Bereich großer KI-Modelle. Die Kombination aus eigener Rechenzentrumsnutzung und gemieteter Cloud-Kapazität gibt dem Unternehmen Flexibilität, um die steigende Nachfrage nach Claude in unterschiedlichen Marktsegmenten zu bedienen. Für AMD wiederum eröffnet die Partnerschaft die Chance, sich als zweite Kraft neben Nvidia im Markt für Hochleistungs-GPUs zu etablieren.
Fragen & Antworten
Wie viel Geld investiert AMD in Anthropic?
AMD kündigte an, sich mit bis zu fünf Milliarden US-Dollar an dem KI-Entwickler Anthropic beteiligen zu wollen. Die Zusage ist laut Bericht ausdrücklich für die Zukunft vorgesehen und daher nicht sofort bindend.
Welche AMD-Chips will Anthropic einsetzen?
Anthropic plant den Einsatz von bis zu zwei Gigawatt AMD-Instinct-GPUs der MI450-Serie, konkret MI455X-Beschleuniger in Helios-Rackscale-Systemen, kombiniert mit EPYC-Prozessoren der Venice-Generation und Pensando-Netzwerktechnologie. Die erste Gigawatt-Tranche soll im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb gehen.
Warum ist der Deal auch für AMD strategisch wichtig?
Mit der Transaktion kann AMD den Rückstand auf den Weltmarktführer Nvidia verkleinern und sich einen Großabnehmer für seine nächste Chipgeneration sichern. Branchenkenner beziffern ein Gigawatt Rechenkapazität auf eine Größenordnung von 50 Milliarden US-Dollar.
AMD-Anthropic-Deal: 5 Mrd. Dollar Investment und 2 GW | finanz360