Kristin Brinker hat auf dem Landesparteitag in Brandenburg an der Havel den Anspruch ihrer Partei bekräftigt, bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus stärkste Kraft zu werden.
Was ist neu seit dem 30. Mai 2026
Vor rund 284 Delegierten im sogenannten „Stahlpalast“ versprach Brinker in ihrer Rede: „In Berlin wollen wir und werden wir stärkste Kraft werden, das garantiere ich.“ Die 54-Jährige war bereits im Oktober 2025 auf Listenplatz eins gewählt worden. Mit ihrer offiziellen Kür zur Bewerberin für das Rote Rathaus unterstreicht die Partei nun diesen Führungsanspruch.
In den jüngsten Umfragen liegt die AfD mit 17 oder 18 Prozent nur noch knapp hinter der führenden CDU, die auf 19 oder 20 Prozent kommt. Der Abstand zwischen den beiden Parteien ist damit so gering wie nie zuvor in dieser Legislaturperiode.
Angriffe auf CDU und Regierenden Bürgermeister
Brinker arbeitete sich in ihrer Rede insbesondere an der CDU und dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner ab. Sie warf der Regierungspartei vor, die Bevölkerung zu täuschen. „Aber die Menschen haben es satt, ständig betrogen und belogen zu werden“, sagte sie.
Mit Verweis auf das Krisenmanagement während des großflächigen Stromausfalls im Südwesten Berlins Anfang Januar kritisierte sie Wegner scharf: „Berlin braucht keine Tennisspieler, die sich in ihrem Lügengebäude hoffnungsvoll verirren.“
Die Spitzenkandidatin behauptete zudem, der zunehmende Erfolg der AfD bleibe auch einigen „wachen Köpfen in der CDU“ nicht verborgen. „Darum wird hinter den Kulissen natürlich über eine mögliche Zusammenarbeit mit uns gestritten“, sagte sie. Belege für diese Darstellung lieferte sie nicht.
Machtoption trotz Umfragehoch unwahrscheinlich
Trotz der kämpferischen Rhetorik wissen die Berliner AfD-Funktionäre, dass sie auf Landesebene nach der Wahl 2026 aller Voraussicht nach keine Machtoption haben werden. Keine der anderen im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien – CDU, SPD, Grüne oder Linke – hat eine Koalition mit der AfD in Aussicht gestellt.
Der Berliner Martin Trefzer gab in seinen einleitenden Worten zum Wahlprogramm die migrationspolitische Linie vor. „Die illegale Migration muss endlich umgedreht werden, nämlich in legale Remigration“, sagte er.
Anders als bei vergangenen Landesparteitagen gab es am Samstag vor dem Veranstaltungsort keinen Gegenprotest. Die Versammlung verlief ohne Störungen von außen.
Parteitag ohne Gegenprotest
Im Saal selbst inszenierte sich die Partei geschlossen. Nur das große AfD-Logo, das auf die Leinwand hinter der Bühne projiziert wurde, schimmerte blau auf die Delegierten. Manche Parteimitglieder hielten blaue Papp-Herzen mit der Aufschrift „Berlin braucht Brinker“ hoch, andere schwenkten Deutschlandfahnen.
Brinker thematisierte in ihrer Rede auch die Sicherheitslage in der Hauptstadt. „Im öffentlichen Raum herrschen in einigen Teilen der Stadt Hass und Gewalt“, sagte sie, ohne dies näher auszuführen.
Die Tatsache, dass der Parteitag nicht in Berlin, sondern in Brandenburg an der Havel stattfindet, ist kein Zufall. In der eigenen Stadt, in der die Partei bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 stärkste Kraft werden will, vermietet ihr niemand einen geeigneten Saal.
Kein Saal in der eigenen Stadt
Die Berliner AfD ist seit Jahren mit dem Problem konfrontiert, dass viele Veranstaltungsbetreiber in der Hauptstadt sich weigern, Räumlichkeiten an die Partei zu vermieten. Dies zwingt die Partei regelmäßig, auf Orte im Umland auszuweichen.
Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus findet am 20. September 2026 statt. Bis dahin will die AfD ihren Umfrageaufwärtstrend fortsetzen und an der CDU vorbeiziehen.
Ausblick auf die Wahl
Kai Wegner regiert Berlin seit 2023 in einer Koalition mit der SPD. In den Umfragen hat sie zuletzt an Zustimmung verloren, während die AfD kontinuierlich zulegen konnte.
Beobachter gehen davon aus, dass die Regierungsbildung nach der Wahl schwierig werden könnte, sollte die AfD tatsächlich stärkste Kraft werden. Alle etablierten Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen.