Acht Tote bei Drohnenangriff auf russisches Ferienlager – Moskau meldet Massenabwehr von 328 Drohnen
Berlin, 26. Juli 2026
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Kurzfassung
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Ferienanlage in der russischen Region Saporischschja sind mindestens acht Menschen getötet worden. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht seien insgesamt 328 Drohnen abgefangen worden.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Ferienanlage im russisch besetzten Teil der ukrainischen Region Saporischschja sind nach Angaben der von Moskau eingesetzten Behörden mindestens acht Menschen getötet worden.
Wie der von Russland eingesetzte Verwaltungschef der Region, Jewgeni Balizki, mitteilte, wurden bei dem Angriff in der Nacht auf Samstag zudem weitere 16 Personen verletzt. Die Ferienanlage wurde nach seinen Worten von Drohnen getroffen. Balizki sprach von einem gezielten Angriff auf zivile Infrastruktur und kündigte eine Untersuchung an. Unabhängige westliche Medien konnten die Angaben vor Ort zunächst nicht überprüfen.
Massenabwehr russischer Luftverteidigung
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in der Nacht landesweit insgesamt 328 Drohnen abgefangen, unter anderem in der Region Moskau sowie in weiter entfernten Gebieten wie der Republik Baschkortostan und der Republik Tschuwaschien. Dies sei einer der größten Drohnenangriffe seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine gewesen. Das Ausmaß der Schäden und die genaue Zahl der Opfer waren zunächst unklar.
Parallel meldete die russische Seite Angriffe auf industrielle Ziele. Der Gouverneur der Region Tjumen, Alexander Moor, erklärte, eine ukrainische Drohne sei "auf das Gebiet" einer Ölraffinerie gefallen und habe einen Brand ausgelöst. Die Anlage sei ein wichtiger Bestandteil der regionalen Energieversorgung. Einsatzkräfte der Feuerwehr brachten den Brand laut Moor unter Kontrolle, eine genaue Schadenshöhe wurde noch nicht beziffert.
Gouverneur meldet Treffer auf Ölraffinerie
Moskau erklärte, die Ukraine habe in der Nacht mit mehr als 300 Drohnen angegriffen. Die Welle habe sich über mehrere Stunden hingezogen und Ziele in mindestens acht russischen Föderationssubjekten betroffen. Russische Behörden sprachen von einem beispiellosen Ausmaß und warfen der Ukraine vor, gezielt zivile Objekte ins Visier zu nehmen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, es habe sich um einen "doppelten" Drohnenangriff gehandelt. Seinen Angaben zufolge stellt das angegriffene Werk "Teile für die Waffen her, mit denen Russland unser Volk angreift". Die ukrainische Seite wies Vorwürfe zurück, zivile Ziele angegriffen zu haben, und sprach von einer Vergeltung für russische Angriffe auf ukrainische Städte.
Kiew spricht von Vergeltung
Bei dem Angriff auf die Ferienanlage handelte es sich um den folgenschwersten bekannten ukrainischen Drohnenschlag auf russisches Staatsgebiet seit Beginn der russischen Offensive im Februar 2022. Nach Angaben russischer Behörden wurden bei ukrainischen und russischen Angriffen am Samstag insgesamt mindestens 19 Menschen getötet worden. Die Zahlen ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.
In der ukrainischen Region Sumy sind nach Angaben ukrainischer Behörden bei russischem Beschuss vier Menschen getötet worden. In Saporischschja starb nach Angaben der ukrainischen Seite ein 63 Jahre alter Mann durch russischen Beschuss. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, sie habe in der Nacht mehrere Drohnen und Raketen abgefangen.
Opfer auch in der Ukraine
In der Region Donezk wurden nach ukrainischen Angaben in den vergangenen 24 Stunden sechs Menschen getötet und 30 weitere verletzt, darunter ein Kind. Insgesamt seien innerhalb eines Tages 72 zivile Gebäude, darunter 42 Wohnhäuser, beschädigt oder vollständig zerstört worden. Die ukrainische Regierung sprach von einer gezielten Angriffswelle auf Wohngebiete.
Bei einem Raketenangriff auf die Region Kiew waren am Mittag zehn Menschen getötet und nach ukrainischen Angaben fast 100 weitere verletzt worden. Rettungskräfte suchten in den Trümmern nach Überlebenden. Mehrere Wohnblocks und öffentliche Einrichtungen wurden nach Angaben der Stadtverwaltung schwer beschädigt.
Russland führt seit Februar 2022 eine großangelegte Offensive in der Ukraine durch. Die gegenseitigen Drohnen- und Raketenangriffe haben sich seitdem stark ausgeweitet. Beide Seiten nutzen inzwischen in großem Stil kostengünstige Drohnen, die auch für Angriffe tief im Hinterland des Gegners eingesetzt werden.
Bereits im Juli 2026 hatte die Ukraine nach eigenen Angaben ein Lagerhaus des größten russischen Online-Versandhändlers "Wildberries" bei Sankt Petersburg ins Visier genommen. Die Ukraine erklärte, solche Ziele dienten der Logistik der russischen Streitkräfte und seien daher legitime militärische Ziele. Russland wies die Darstellung zurück und sprach von Angriffen auf zivile Infrastruktur.
Drohne über Rumänien abgeschossen
Auch NATO-Gebiet wurde in der Nacht nach Angaben rumänischer Behörden in Mitleidenschaft gezogen. Wie rumänische Stellen erklärten, schoss ein F-16-Kampfjet der rumänischen Luftwaffe eine neue Drohne im Luftraum über Rumänien ab. Der Abschluss erfolgte nahe dem Dorf Padina, rund 100 Kilometer von der Hauptstadt Bukarest entfernt. Grenzstreifen seien vermint und Straßen an der mehr als 1.000 Kilometer langen Grenze mit Netzen gegen Drohnen gesichert.
Die EU-Außenpolitik beschäftigte sich unterdessen mit den Folgen des Konflikts. Österreichs Europaministerin Claudia Bauer sprach sich gegen einen "Turbo-Beitritt" der Ukraine in die Europäische Union aus. "Ein Turbo-Beitritt auf Antrag, das geht natürlich nicht", sagte die ÖVP-Politikerin der Zeitung "Die Welt". Der Beitritt eines Landes mit 39 Millionen Menschen und einer ganz anderen Agrarstruktur würde die EU maßgeblich verändern und müsse gut abgewogen werden.
Österreich blockiert schnellen EU-Beitritt
Bauer warnte zugleich vor einer "Zweiklassen-Gesellschaft" in der EU. Alle Beitritte müssten den gleichen Regeln folgen, und jedes Land, das neues Mitglied der EU werden wolle, müsse sich den "Beitritt durch Leistung verdienen". Die ukrainische Regierung hatte in den vergangenen Wochen mehrfach einen beschleunigten Beitrittsprozess gefordert.
Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sind auch in der Energiepolitik spürbar. Russland verlängert das Verbot von Benzinexporten bis Ende des Jahres, wie der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Interfax erklärte. Dieselausfuhren sollen wieder erlaubt werden, "sobald sich der Markt erholt". Internationale Energieexperten werteten den Schritt als Versuch, den heimischen Markt zu stabilisieren.
Selenskyj kündigte unterdessen in einem Interview mit der X-Bloggerin Laura Loomer an: "Wir werden eine große Fabrik in den USA bauen". Einzelheiten zu dem geplanten Standort und zur Produktion wurden zunächst nicht genannt. Die Erklärung erfolgte im Rahmen einer breiter angelegten Werbung der Ukraine um westliche Rüstungsinvestitionen.
Angesichts der anhaltenden Angriffe rief die ukrainische Regierung die Bevölkerung in den betroffenen Regionen zu erhöhter Wachsamkeit auf. Luftschutzsirenen heulten in mehreren Regionen, darunter in Kiew und Charkiw. Internationale Hilfsorganisationen stellten Notunterkünfte und medizinische Hilfe für Verletzte bereit.
Fragen & Antworten
Was ist über den Drohnenangriff auf die Ferienanlage in Saporischschja bekannt?
Nach Angaben des von Russland eingesetzten Verwaltungschefs Jewgeni Balizki sind bei dem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Ferienanlage im russisch kontrollierten Teil der Region Saporischschja mindestens acht Menschen getötet und 16 weitere verletzt worden.
Wie viele Drohnen hat Russland nach eigenen Angaben abgewehrt?
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht seien insgesamt 328 Drohnen abgefangen worden, unter anderem in der Region Moskau sowie in Baschkortostan und Tschuwaschien.
Warum lehnt Österreich einen schnellen EU-Beitritt der Ukraine ab?
Österreichs Europaministerin Claudia Bauer erklärte, ein "Turbo-Beitritt" sei nicht möglich, und warnte vor einer "Zweiklassen-Gesellschaft": jedes Land müsse sich den Beitritt durch Leistung verdienen.
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