Ukrainische Drohnenangriffe auf Krim und russisches Festland – vier Tote und Treibstoffkrise auf der Halbinsel
Berlin, 24. Juni 2026
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Kurzfassung
Massive ukrainische Drohnenangriffe haben in der Nacht zum Sonntag die Krim und das russische Festland erschüttert. Dabei starben nach russischen Angaben mindestens vier Menschen, Dutzende wurden verletzt, und auf der Halbinsel brach eine schwere Treibstoffkrise aus.
Massive ukrainische Drohnenangriffe haben in der Nacht zum 21. Juni 2026 Ziele auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und auf dem russischen Festland getroffen, wobei mindestens vier Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden.
Angriffe auf Krim und russisches Festland
Wie das russische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte, seien in der Nacht landesweit mehr als 230 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Behörden informierten in der Nacht über die Schließung der Krim-Brücke zwischen Kertsch und dem russischen Festland für den Autoverkehr. Auch der Hafen Kawkas auf der russischen Seite der Straße von Kertsch soll bei dem Angriff getroffen worden sein. Dort liegen ebenfalls ein Kraftstoffterminal und ein Öldepot.
Infolge der massiven ukrainischen Drohnenangriffe auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Raum Kertsch starben mindestens vier Menschen. Im Kraftstoffterminal der Hafenstadt Kertsch sei ein Feuer ausgebrochen, eine große Rauchwolke liege über der Region, berichtete das Telegram-Portal "Krymski Weter" am Morgen. Auf der Halbinsel gibt es eine Benzin-Krise. Der Verkauf von Treibstoff auf der Krim sei eingestellt worden, hieß es weiter.
Selenskyj bestätigt Schläge auf Versorgungslinien
Die Ukraine versucht seit Wochen, mit den zunehmenden Angriffen die Krim von der Versorgung abzuschneiden. Die ukrainische Armee hatte zuletzt verstärkt russische Raffinerien, Ölpipelines und Treibstofflager ins Visier genommen. Außerdem gab es immer wieder Angriffe auf strategisch wichtige Straßen und Bahnverbindungen. Anfang Juni war der Zugverkehr auf der Krim nach ukrainischen Attacken ganz ausgesetzt worden. Am vorhergehenden Samstag griff das ukrainische Militär Eisenbahnbrücken in den krimschen Gebieten Rozdolne und Wladyslawiwka an.
Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj traf das Militär seines Landes bei Angriffen in der Nacht ein Öllager auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim. Es habe sich um ein Depot in der Stadt Kertsch gehandelt, erklärte Selenskyj. Getroffen worden seien Öl-Anlagen auf beiden Seiten der Krim-Brücke, so Selenskyj. Ziele auf beiden Seiten der Krim-Brücke wurden getroffen: Seelogistik für den Transport von Öl in der Region Krasnodar und ein Öllager im vorübergehend besetzten Kertsch. Auch eine Öltransportanlage in der russischen Region Krasnodar sei getroffen worden.
Einrichtungen auf beiden Seiten der Krim-Brücke zwischen dem russischen Festland und der Halbinsel seien getroffen worden. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Selenskyj wurden auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim und in der benachbarten Region Krasnodar ein Öldepot, Infrastruktur und militärische Ausrüstung getroffen, wie etwa Radarstationen. Es seien militärische Ziele getroffen worden, darunter mehrere Anlagen der russischen Flugabwehr.
Selenskyj sprach von Strafmaßnahmen mit weitreichenden Drohnen als Antwort auf die brutalen russischen Angriffe gegen die Menschen in der Ukraine. Er veröffentlichte ein Video, das die Folgen der Schläge zeigen soll. Selenskyj bestätigte die Angriffe rund um die Krim und lobte die "erfolgreiche Arbeit" verschiedener Nachrichtendienste für Schläge 300 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Er bezeichnete die Angriffe als Schläge gegen die militärische Logistik der Besatzer, die Erdölindustrie und die Luftverteidigung.
Der ukrainische Präsident erklärte zudem, die russischen Streitkräfte hätten "allein in dieser Woche rund 2200 Kamikaze-Drohnen, mehr als 1800 gelenkte Fliegerbomben und 87 Raketen verschiedener Typen gegen die Ukraine eingesetzt". Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte, die Angriffe auf russische Versorgungslinien eröffneten ein "Fenster der Möglichkeiten" für die Ukraine. Fedorow kündigte zudem an: "Es sieht so aus, als ob sich die Krim in Kürze in eine Insel verwandelt."
Tankstellen auf der Krim stellen Verkauf ein
Auf der von Russland besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim haben die Tankstellen den Verkauf von Treibstoff an Privatpersonen und Unternehmen eingestellt. Die für Sonntag geplante Zuteilung von Benzin für Autofahrer müsse abgesagt werden, teilte der von Moskau eingesetzte Krim-Chef Sergej Aksjonow mit. Tanken sei nur für die operativen Dienste möglich. Der Verkauf von Kraftstoff an Tankstellen auf der Krim sei um 9.00 Uhr (Ortszeit, 8.00 Uhr MESZ) eingestellt worden.
Kraftstoff werde nur noch an staatliche Behörden abgegeben, die den Betrieb und die Sicherheit der Halbinsel gewährleisteten, so Aksjonow weiter. Damit solle das "Funktionieren und die Sicherheit" der Krim sichergestellt werden. Die Lage habe sich verschärft. "Ich bitte alle, Ruhe zu bewahren", sagte Aksjonow in einer Videobotschaft. Der von Russland eingesetzte Gouverneur Aksjonow teilte auf Telegram mit, dass der Stopp seit Sonntag 09.00 Uhr Ortszeit in Kraft sei.
Der von Moskau eingesetzte Statthalter von Sewastopol, Michail Raswoschajew, informierte am Morgen bei Telegram, dass sich die Kraftstofflieferungen weiter verzögerten. "Weitere Entscheidungen bezüglich der aktuellen Situation auf dem Treibstoffmarkt der Republik werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben", teilte der Gouverneur mit. An den Tankstellen auf der Krim bilden sich wegen der Treibstoffkrise häufig Schlangen. Kraftstoff auf der Krim war bereits vor dem Verkaufsstopp rationiert worden.
Nach den Attacken gebe es auch 28 Verletzte, teilte der von Moskau eingesetzte Krim-Chef Sergej Aksjonow am Sonntagmorgen auf Telegram mit. Details nannte er nicht. Ein weiterer Mensch wurde bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Fähre getötet, die zwischen dem russischen Bezirk Temrjuk und der im Osten der Krim gelegenen Halbinsel Kertsch verkehrte. Nach russischen Angaben wurden vier Menschen getötet und 28 verletzt.
In sozialen Netzwerken wurde über mehrere Explosionen und Brände in verschiedenen Regionen der Krim berichtet. Teile der Halbinsel waren nach Angaben des lokalen Energieunternehmens Krymenergo ohne Strom. Auch Russland meldete vier Tote nach ukrainischen Drohnenangriffen. Fährverbindungen über die Straße von Kertsch wurden vorübergehend eingestellt.
Russland hatte die ukrainische Halbinsel Krim 2014 besetzt und nutzt sie als Brückenkopf im seit 2022 andauernden Krieg gegen die Ukraine. Der Kreml nutzt die Krim als Brückenkopf in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Krim ist ein strategisch wichtiger Standort, von dem aus die russische Armee wiederholt andere Teile der Ukraine angreift. Für russische Touristen ist die Krim ein beliebtes Reiseziel.
Auswirkungen auf russische Energieinfrastruktur
Die Tourismusbranche erwartet, dass in diesem Sommer wegen der ukrainischen Angriffe und der Versorgungskrise Millionen Urlauber der Krim fernbleiben werden. Dem US-Unternehmen Energy Intelligence zufolge konnte die Ukraine mit ihren Attacken ein Drittel der russischen Raffinerie-Kapazitäten lahmlegen. Am Dienstag wurde eine große Raffinerie in der russischen Hauptstadt Moskau attackiert. In Russland wurde nach den Angaben des Gouverneurs im westsibirischen Tjumen ein Drohnenangriff auf eine Öl-Raffinerie abgewehrt, gut 2.500 Kilometer von der Ukraine entfernt.
Russische Gegenangriffe in der Ostukraine
Auf ukrainischer Seite wurden in der Nacht zum Sonntag drei Menschen bei russischen Angriffen getötet. In den Regionen Poltawa und Dnipropetrowsk meldeten die Behörden drei Todesopfer und mehrere Verletzte. In der ostukrainischen Region Poltawa wurden am Samstagabend bei einem russischen Angriff zwei Menschen getötet und 13 weitere verletzt, wie die örtlichen Behörden mitteilten. In Poltawa ist unter Trümmern eine Leiche gefunden worden. Ein weiterer Mensch sei zuvor im Krankenhaus gestorben.
Die Zahl der bekannten Verletzten stieg demnach auf 14, darunter sechs Kinder. Zwei Industriegebiete in der Stadt seien getroffen und Firmengebäude, Fahrzeuge und benachbarte Wohnhäuser beschädigt worden. Bei Angriffen in drei Bezirken in der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk habe es ein Todesopfer und neun Verletzte gegeben, teilte der örtliche Gouverneur Oleksandr Hanscha im Onlinedienst Telegram mit.
In der grenznahen Stadt Sumy im Nordosten der Ukraine sind bei russischen Angriffen mit Drohnen und durch direkten Artilleriebeschuss acht Menschen verletzt worden. In sechs Wohnvierteln in der grenznahen Stadt Sumy wurden mehrere Gebäude durch Granaten beschädigt. Die ukrainische Luftwaffe konnte Medienberichten zufolge 96 russische Drohnen abschießen oder am Flug stören. Nach Selenskyj starben am Wochenende mindestens sieben Menschen durch russische Angriffe.
Atomkraftwerk Saporischschja und Stromversorgung
Die externe Stromversorgung des Atomkraftwerks Saporischschja ist wieder hergestellt. Das teilte die Internationale Atomenergie Agentur (IAEA) mit. Dieses Mal laut IAEA etwas mehr als vier Stunden war die Stromversorgung unterbrochen. Bereits zum 20. Mal seit ihrer Besetzung durch russische Truppen kurz nach Kriegsbeginn 2022 war durch die Kämpfe in der Umgebung die Stromversorgung unterbrochen. Um die heruntergefahrenen Kernreaktoren zu kühlen, müssen dann Dieselgeneratoren die Anlage versorgen.
Präsident Selenskyj warf Belarus vor, russische Drohnenangriffe in der Ukraine zu unterstützen, indem es Signalverstärker für russische Drohnen an der Grenze zur Ukraine aufgestellt habe. Diese sollten innerhalb einer Woche wieder abgebaut werden. Selenskyj drohte: "Sonst machen wir das". Bemühungen um eine Beendigung des seit mehr als vier Jahren andauernden Kriegs unter Vermittlung der USA stocken.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die höchste polnische Auszeichnung, den Orden des Weißen Adlers, nach Polen zurückgeschickt. Er reagierte damit auf die Aberkennung des Ordens durch Polens Präsident Karol Nawrocki. Hintergrund ist Selenskyjs Entscheidung, einer ukrainischen Armeeeinheit den Ehrennamen "Helden der UPA" zu verleihen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Diese Nachricht wurde am 21.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Was ist auf der Krim in der Nacht zum 21. Juni 2026 passiert?
Die Ukraine hat in der Nacht massive Drohnenangriffe auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim und auf das russische Festland geflogen. Dabei wurden Öl-Anlagen beiderseits der Krim-Brücke, ein Kraftstoffterminal in Kertsch und der Hafen Kawkas getroffen; mindestens vier Menschen starben und 28 wurden verletzt.
Wie reagierten die Behörden auf der Krim auf die Angriffe?
Der von Moskau eingesetzte Krim-Chef Sergej Aksjonow ordnete am Sonntagmorgen einen Verkaufsstopp für Treibstoff an Privathaushalte und Unternehmen an; Kraftstoff wird seither nur noch an staatliche Stellen für kritische Infrastruktur und Sicherheit ausgegeben.
Warum verlegen sich die ukrainischen Angriffe auf Energieinfrastruktur?
Die Ukraine versucht nach Angaben aus Kiew seit Wochen, mit Drohnenschlägen gegen Raffinerien, Ölpipelines und Treibstofflager die Versorgung der Krim abzuschneiden. Nach Schätzungen des US-Unternehmens Energy Intelligence wurde bereits ein Drittel der russischen Raffinerie-Kapazitäten lahmgelegt.
Drohnenangriffe auf Krim: Tote und Treibstoffkrise 2026 | finanz360