Die Bonner Nordbrücke auf der Autobahn 565 ist am Mittwochnachmittag sofort und bis auf Weiteres für den gesamten Verkehr gesperrt worden, nachdem die Autobahn GmbH strukturelle Schäden am Tragwerk festgestellt hatte.

Die Sperrung trat etwa eine Stunde nach der Meldung über die Schäden in Kraft und gilt nach Angaben der Autobahn GmbH auf unbestimmte Zeit. Aus Sicherheitsgründen ist auch der Fuß- und Radweg entlang der Brücke geschlossen. Die A565 ist die wichtigste Ost-West-Verbindung der Region und führt über den Rhein.

Bislang fehlen genauere Angaben zur Art und zum Umfang der Schäden. Die Autobahn GmbH kündigte an, weitere Untersuchungen an dem Bauwerk vorzunehmen. Heinrich Bökamp, Heinrich Bökamp und selbst als Prüfingenieur für Brückenbau tätig, zeigte sich im Gespräch mit dem WDR überrascht: „Bei der konkreten Brücke hat mich das schon überrascht."

„Das Sperren ist die allerletzte Maßnahme"

Bökamp erläuterte die Logik einer solchen Sperrung: „Das Sperren ist die allerletzte Maßnahme, die man trifft." Eine Sperrung erfolge nur, wenn ein Versagen des Bauwerks ernsthaft in Betracht komme. „Wenn sie die Brücke jetzt gesperrt haben, dann befürchten sie tatsächlich, dass ein Versagen der Brücke nicht ausgeschlossen werden kann - dass sie wirklich zusammenbricht", sagte Bökamp. Brücken gehörten zu den am besten überwachten Ingenieurbauwerken, alle drei Jahre finde eine Pflichtprüfung statt.

Die Bonner Nordbrücke wurde in den 1960er-Jahren errichtet. Bökamp verwies auf die enorm gestiegenen Belastungen: „Das größte Problem sind die Lkw-Lasten. Man hat nicht damit gerechnet, dass so viele kommen." Erwartet werde ein weiterer Anstieg des Lastwagenverkehrs um 30 bis 40 Prozent. Zudem sei die Zahl der Überfahrten, nicht das Gewicht einzelner Fahrzeuge, der entscheidende Faktor für Materialermüdung. „Jedes Fahrzeug, das über die Brücke fährt, ist eine Belastung. Wir sprechen da von einem Lastspiel", erklärte der Experte. Früher seien Brücken für rund zwei Millionen Lastspiele ausgelegt worden, heute liege mancher Bauwerke bei zehn Millionen.