Wifo und IHS legen aktualisierte Konjunkturprognose für Österreich vor
Wien, 25. Juni 2026
WeicheW / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Die Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS haben ihre Konjunkturprognosen für Österreich aktualisiert. Demnach stagniert die Wirtschaftsleistung im zweiten und dritten Quartal 2026, dürfte aber gegen Jahresende wieder an Fahrt gewinnen. Die Inflation soll 2027 auf rund 2,3 bis 2,4 Prozent sinken.
Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo und das Institut für Höhere Studien (IHS) haben am Donnerstag ihre aktualisierten Konjunkturprognosen für Österreich vorgelegt, wonach die heimische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2026 wieder an Dynamik gewinnen soll.
Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo und das Institut für Höhere Studien (IHS) haben am Donnerstag ihre aktualisierten Konjunkturprognosen für Österreich vorgelegt. Die Institute bestätigten im Wesentlichen ihre BIP-Prognose für das laufende Jahr und rechnen für 2027 mit einer leichten Wachstumsbeschleunigung.
Nach den Rezessionsjahren 2023 und 2024 wuchs die heimische Wirtschaft im Vorjahr wieder um 0,8 Prozent. Die Nationalbank (OeNB) hatte ihre Konjunkturprognose bereits aktualisiert und erwartet für Österreichs Wirtschaft heuer ein Wachstum von 0,6 Prozent und im kommenden Jahr ein Plus von 1,1 Prozent.
Im April hatten Wifo und IHS für heuer ein Wirtschaftswachstum von 0,9 bzw. einem ähnlichen Wert prognostiziert. Diese Einschätzungen wurden nun weitgehend bestätigt. „Die Wirtschaftsforscher des Wifo bestätigten am Donnerstag die BIP-Prognose für das laufende Jahr", heißt es aus dem Institut.
Die Wifo-Ökonomen erwarten für 2027 nun ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, um 0,2 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Prognose im April. Das IHS erhöhte hingegen seine Wachstumsprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent.
Wachstumserwartungen im Detail
„Die IHS-Ökonomen erhöhten die Wachstumsaussichten um 0,3 Prozentpunkte", berichten die Institute. Insgesamt zeigen die Prognosen ein gemischtes Bild: Während das Wifo für 2027 etwas zurückhaltender ist, blickt das IHS optimistischer auf das kommende Jahr.
Das Institut für Höhere Studien (IHS) rechnet im zweiten und dritten Quartal 2026 noch mit einer Stagnation der österreichischen Wirtschaftsleistung, die heimische Wirtschaft soll erst gegen Jahresende wieder an Fahrt gewinnen. Auch das Wifo sieht eine ähnliche Entwicklung: „Mit dem Rückgang der Energiepreise werde die Konjunktur ab der zweiten Jahreshälfte wieder an Schwung gewinnen."
Stagnation im Sommer, Erholung im Winter
„Österreichs Industrie und Exportwirtschaft dürften bis Ende 2027 wieder am weltweiten Aufschwung teilhaben", erklärten die Wirtschaftsforscher. Damit knüpft die heimische Exportwirtschaft an ihre traditionell starke internationale Verflechtung an.
Die nationale Arbeitslosenquote stieg von 6,3 Prozent im Jahr 2022 bis auf 7,4 Prozent im Jahr 2025. Seit Frühjahr 2023 steigen die Arbeitslosenzahlen in Österreich kontinuierlich an. Im laufenden Jahr erwarten Wifo und IHS noch einen Anstieg der Arbeitslosenrate auf 7,5 Prozent.
Arbeitsmarkt unter Druck
Im Jahr 2027 soll die Arbeitslosenquote dann auf 7,3 Prozent sinken. Damit würde sich die Lage am Arbeitsmarkt nach Ansicht der Institute erstmals seit dem Frühjahr 2023 wieder leicht entspannen. Die Institute betonen jedoch, dass dies an eine robuste Konjunkturerholung geknüpft sei.
Die heimische Inflation soll heuer 3,0 bzw. 3,2 Prozent betragen. Die Institute gehen von einem deutlichen Rückgang der Inflation im kommenden Jahr auf 2,3 Prozent (IHS) bzw. 2,4 Prozent (Wifo) aus. Damit würde sich die Teuerung dem EZB-Ziel von zwei Prozent weiter annähern, dieses aber noch nicht erreichen.
Inflation auf Rückzug
Der Iran-Krieg und die gestiegenen Rohöl- und Erdgaspreise haben heuer von März bis Mai die Inflation in Österreich sprunghaft erhöht und die Unternehmens- und Verbraucherstimmung gedämpft. Die Iran-USA-Verhandlungen über ein dauerhaftes Kriegsende haben zuletzt die Öl- und Spritpreise wieder stark sinken lassen.
Seit Mitte Mai sinken die Öl- und Spritpreise wieder und näherten sich zuletzt dem Vorkrisenniveau wieder an. Diese Entwicklung stützt nach Ansicht der Institute die Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte und dämpft den Inflationsdruck.
Im Euroraum stieg die Teuerung im Mai auf 3,2 Prozent, getrieben von höheren Ölpreisen infolge des Iran-Konflikts. Die EZB hatte am 11. Juni erstmals seit fast drei Jahren den Leitzins angehoben. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte weitere Zinsschritte signalisiert.
EZB-Zinspolitik als Rahmenbedingung
Die Finanzmärkte erwarten im verbleibenden Jahresverlauf mindestens einen weiteren Zinsschritt. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte zuletzt gewarnt, dass die Inflation noch einige Zeit über dem EZB-Ziel von zwei Prozent liegen könnte. „Allerdings ist die bisherige Erhöhung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gering, und die Zinsen sind noch nicht restriktiv", sagte Schnabel.
Schnabel betonte, dass die Energiepreise für Lieferungen in den kommenden Jahren erhöht blieben. „Die Energiepreise sind gefallen, aber sie liegen noch immer deutlich höher als vor dem Krieg", erklärte die deutsche EZB-Direktorin. Die EZB beobachte insbesondere die Energiepreise für zukünftige Lieferungen genau.
Die EZB-Direktorin verwies darauf, dass die Wirtschaft den großen Energiepreisschock bislang relativ gut verkraftet habe. „Das hat auch damit zu tun, dass der Iran-Krieg vom KI-Boom überlagert wird, der die globale Wirtschaft stützt", sagte Schnabel. Der KI-Boom federe die konjunkturellen Bremsspuren des Krieges ab.
Geopolitik und ihre Auswirkungen
Schnabel hob zudem hervor, dass in vielen Staaten die öffentliche Hand die Energiepreisschocks für die Bürger abfedere. Besonders in Deutschland flössen erhebliche Mittel in die Erneuerung der Infrastruktur und in die Verteidigung. Diese fiskalischen Impulse stützten die Konjunktur.
„Die Waffenruhe in Nahost sei kein Grund zur Entwarnung für die Geldpolitik", warnte Schnabel. Zinserhöhungen dämpften die wirtschaftliche Aktivität, dennoch sei die Wachstumserholung intakt. „Die Wachstumseinbußen sind laut unseren Projektionen nicht so stark, wie man es hätte erwarten können", sagte sie.
Schnabel warnte zugleich vor mittelfristigen Inflationsrisiken: „Das alles kann die Inflation auf mittlere Sicht anheizen". Sinkende Ölpreise könnten es Unternehmen erleichtern, zuvor gestiegene Kosten bei steigender Nachfrage an die Verbraucher weiterzugeben. Das Ende des Iran-Krieges könnte nach Schnabels Einschätzung der Konjunktur neuen Schwung verleihen.
Die Institute Wifo und IHS sind die beiden führenden österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitute. Ihre Prognosen bilden eine wichtige Grundlage für die Budgetplanung der Regierung und für die geldpolitische Einschätzung der EZB. Die nächste große Prognose wird im Herbst erwartet.
Fragen & Antworten
Welche Wachstumsprognose geben Wifo und IHS für Österreich 2026 und 2027 ab?
Das Wifo bestätigte seine BIP-Prognose für das laufende Jahr und erwartet für 2027 ein Wachstum von 1,1 Prozent. Das IHS rechnet im zweiten und dritten Quartal 2026 noch mit Stagnation und hob seine Prognose für 2027 um 0,2 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent an.
Wie soll sich die Inflation in Österreich entwickeln?
Die heimische Inflation soll heuer 3,0 bzw. 3,2 Prozent betragen. Für 2027 erwarten die Institute einen deutlichen Rückgang auf 2,3 Prozent (IHS) bzw. 2,4 Prozent (Wifo).
Welche Faktoren beeinflussen die Konjunkturprognose laut Wifo und IHS?
Maßgeblich sind die gesunkenen Energiepreise infolge der Iran-USA-Verhandlungen, die globale Konjunkturerholung sowie die fiskalischen Impulse durch Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben. Der Iran-Krieg hatte zuvor Inflation und Stimmung gedämpft.
Wifo & IHS Prognose Österreich 2026: Wachstum, Inflation | finanz360