Wiener Linien: Vollklimatisierung der Öffis wird noch Jahrzehnte dauern
Wien, 24 Juni 2026
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Kurzfassung
Rund 80 Prozent der gesamten Öffi-Flotte Wiens sind mittlerweile klimatisiert, bei den Schienenfahrzeugen liegt der Anteil jedoch nur bei 64 Prozent. Wiener Linien rechnet mit einer vollständigen Ausstattung erst in Jahrzehnten, da ältere Züge wie die Silberpfeile noch jahrzehntelang im Einsatz sind.
Wien, 24 Juni 2026
Die Wiener Linien haben angekündigt, dass die vollständige Klimatisierung der Wiener U-Bahnen und Straßenbahnen noch Jahrzehnte dauern wird, obwohl mittlerweile rund 80 Prozent der gesamten Öffi-Flotte klimatisiert sind.
Die Hitzewelle mit Temperaturen um die 39 Grad Celsius, die für Wien am Wochenende erwartet wurde, hat die Debatte über den Komfort in den öffentlichen Verkehrsmitteln erneut angefacht. Geosphere Austria hatte für die Bundeshauptstadt die höchste Warnstufe Rot ausgegeben. Vor diesem Hintergrund erläuterten die Wiener Linien den aktuellen Stand der Klimatisierung ihrer Fahrzeugflotte.
Wie die technische Geschäftsführerin Gudrun Senk erklärte, sind mittlerweile alle Busse des städtischen Verkehrsbetriebs mit Klimaanlagen ausgestattet. Auch auf der U-Bahn-Linie U6 verkehren ausschließlich klimatisierte Züge. Bei den Schienenfahrzeugen insgesamt – also U-Bahnen und Straßenbahnen zusammengenommen – liegt der Klimatisierungsgrad jedoch erst bei 64 Prozent.
Aktueller Stand der Klimatisierung
"Laut Wiener Linien sind mittlerweile rund 80 Prozent der gesamten Öffi-Flotte klimatisiert", heißt es aus dem Unternehmen. Vor zehn Jahren waren lediglich 40 Prozent der Schienenfahrzeuge mit Klimaanlagen ausgestattet. Die Tendenz sei laut Senk stark steigend: "Auch wenn wir auf der Schiene nicht so weit sind wie bei der Busflotte, ist die Tendenz der Klimatisierung stark steigend. Wir wollen den Fahrgastkomfort kontinuierlich erhöhen."
Bei den U-Bahnen sind vor allem die sogenannten Silberpfeile das Problem. Diese ältesten Modelle verfügen über keine Klimaanlage und sind auf eine Nutzungsdauer von 45 Jahren ausgelegt. 49 der aktuell 163 U-Bahn-Garnituren sind nicht klimatisiert. Solange diese Züge im Einsatz sind, könne keine Rede von einer vollständig klimatisierten Flotte sein, erklärte Senk. "Das hängt davon ab, wie rasch wir unseren Fuhrpark erneuern können" – und dies habe "auch mit der budgetären Situation zu tun".
Auch bei den Straßenbahnen ist die Lage noch nicht zufriedenstellend: 201 der 507 aktuell im Einsatz befindlichen Garnituren sind nicht klimatisiert. Bei den E-Garnituren, den älteren Hochflur-Modellen, handelt es sich durchwegs um nicht klimatisierte Fahrzeuge. Diese werden schrittweise durch moderne Flexity-Niederflurstraßenbahnen ersetzt. Im laufenden Jahr sollen 13 neue Flexity-Garnituren hinzukommen. "Die Linie U6 ist vollständig klimatisiert unterwegs", betonte Senk.
Silberpfeile als Bremsen der Modernisierung
Dass nicht klimatisierte Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen werden, kommt für die Wiener Linien nicht in Frage. "Nicht klimatisierte Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen, ist keine Option. Damit wären zu wenig Züge und Busse unterwegs, was wiederum zu längeren Intervallen und daher längeren Wartezeiten führen würde", heißt es aus dem Unternehmen. Der Kompromiss bestehe darin, parallel den Fuhrpark zu erneuern und die Fahrgäste über klimatisierte Fahrzeuge zu informieren.
Ab Anfang Juli erhalten Fahrgäste in Wien daher eine neue Orientierungshilfe: In der WienMobil-App wird durch ein blaues Symbol in Form eines Eiswürfels angezeigt, ob das jeweilige Fahrzeug klimatisiert ist. "Ab Anfang Juli wird in der WienMobil-App sichtbar, welche Fahrzeuge klimatisiert sind", kündigte das Unternehmen an. Wer in der App nachsieht, kann somit gezielt klimatisierte Verbindungen wählen.
Auch in den Stationen selbst wird auf klimatisierte Züge hingewiesen: "Klimatisierte U-Bahnen sind in den Stationen auch weiterhin auf dem Abfahrtsmonitor durch einen Unterstrich vor der Minutenanzeige erkennbar." Ein Unterstrich beim Barrierefreiheits-Symbol auf der Anzeige signalisiert ebenfalls, dass der einfahrende Zug klimatisiert ist. Damit können Fahrgäste auch ohne Smartphone rechtzeitig erkennen, ob Komfort zu erwarten ist.
Neue Orientierung für Fahrgäste
Die Technik der Klimaanlagen in den öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert anders als in PKW. Fahrzeugtechniker Gerhart Siegl erklärte die Funktionsweise: "Die Klimaanlagen von Autos könne man nicht mit jenen der Öffis vergleichen." Die Anlagen heizen, kühlen oder lüften automatisch – abhängig von der Außentemperatur. "Ab 25 Grad wird gekühlt", zwischen 18 und 25 Grad werde gelüftet, darunter gehe die Heizung in Betrieb. Fahrerinnen und Fahrer können die Temperatur nicht selbst einstellen.
Das Ziel ist eine Abkühlung um rund fünf Grad gegenüber der Außentemperatur. "Ziel sei es, die Temperatur im Fahrgastraum um rund fünf Grad unter die Außentemperatur zu senken", erläuterte Siegl. "Fahrgäste verweilen relativ kurz, steigen aus und um. Von 36 Grad Außentemperatur in einen 20 Grad kühlen Zug zu steigen, wäre auch körperlich eine Belastung sowie energietechnisch problematisch und würde sehr viel Geld kosten." Bei einer Außentemperatur von 35 Grad soll die Temperatur im Fahrzeug daher rund 30 Grad betragen.
Technik der Klimaanlagen
Die Klimaanlagen können die Luft nicht nur kühlen, sondern auch entfeuchten. Sensoren innen und außen am Fahrzeug messen die Temperatur und steuern die Anlage entsprechend. Allerdings gibt es Einschränkungen: In der Fahrerkabine gibt es ein separates Klimagerät, dessen Defekt nicht im Fahrgastraum erkennbar ist. Auch insgesamt können Klimaanlagen ausfallen – defekte Geräte sollten Fahrgäste melden, betonen die Wiener Linien.
"Wichtig dabei: Unbedingt die Wagennummer notieren und durchgeben", heißt es von den Wiener Linien. Meldungen sind über das Kontaktformular auf helpcenter.wienerlinien.at oder telefonisch beim Kundendialog unter +43 1 7909 100 möglich. Das Unternehmen bittet die Fahrgäste zudem, die Fenster geschlossen zu halten, auch wenn es im Inneren warm wirkt – offene Fenster würden die Kühlleistung der Klimaanlage deutlich verringern.
Insgesamt sind auf dem Netz der Wiener Linien elf verschiedene Schienenfahrzeugtypen unterwegs – mit und ohne Klimaanlage. Die Vielfalt erklärt, warum die Umstellung auf eine vollständig klimatisierte Flotte so lange dauert. "Seit 25 Jahren schaffen die Wiener Linien nur noch klimatisierte Fahrzeuge neu an", betonte Senk. "Mit jeder neu angeschafften Garnitur soll dieser Wert weiter steigen."
Ausblick: Erneuerung als Langzeitprojekt
Wie schnell das Tempo der Erneuerung ist, hänge letztlich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. "Die Erneuerung des Fuhrparks hängt von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab", erklärte Senk. Faktoren seien Einnahmen aus dem Betrieb und Subventionen der Stadt Wien. Der Rekordwert für Wien liegt bei 39,5 Grad Celsius im August 2013 – und solche Hitzewellen verdeutlichen den Druck, unter dem die Modernisierung steht. Bis alle U-Bahnen und Straßenbahnen klimatisiert sind, werden die Wienerinnen und Wiener also weiter schwitzen müssen.
Für die unmittelbare Hitzewelle gibt es indes einen kleinen Trost: Die Wiener Linien empfehlen, stets die App zu konsultieren und in den klimatisierten Waggons Platz zu nehmen – wo immer dies möglich ist. Gerade auf der U6 ist dies bereits durchgehend gewährleistet.
Referatsleiter Fahrzeugbeschaffung Gerhard Siegl wies darauf hin, dass die Klimatechnik in den Fahrzeugen ständig weiterentwickelt werde. Auch bei den nicht klimatisierten Silberpfeilen werde über technische Nachrüstungen nachgedacht – letztlich aber sei der Ersatz durch Neufahrzeuge die wirtschaftlich sinnvollere Lösung. Mit jeder ausgemusterten alten Garnitur und jeder neu eingeflotteten Flexity-Bahn steigt der Klimatisierungsgrad ein Stück weiter an.
Fahrgäste können in den kommenden Wochen also selbst testen, wie gut die neue Anzeige funktioniert: Ein Blick in die WienMobil-App zeigt klimatisierte Fahrzeuge an, und in den Stationen verrät ein Unterstrich auf der Anzeige, ob der nächste Zug über eine Klimaanlage verfügt. Bis das Ziel einer vollständig klimatisierten Öffi-Flotte erreicht ist, wird es allerdings dauern – so viel steht nach den Ausführungen der Wiener Linien fest.
Fragen & Antworten
Wann ist die Wiener Öffi-Flotte vollständig klimatisiert?
Eine konkrete Jahreszahl nennen die Wiener Linien nicht. Laut technischer Geschäftsführerin Gudrun Senk hängt die vollständige Klimatisierung davon ab, wie rasch der Fuhrpark erneuert werden kann und wie die budgetären Rahmenbedingungen aussehen – bei einer Nutzungsdauer der Silberpfeile von 45 Jahren ist eher von Jahrzehnten als von Jahren auszugehen.
Wie erkenne ich klimatisierte Fahrzeuge in Wien?
Ab Anfang Juli ist in der WienMobil-App ein blaues Symbol in Form eines Eiswürfels bei klimatisierten Fahrzeugen sichtbar. In den U-Bahn-Stationen weist ein Unterstrich vor der Minutenanzeige auf dem Abfahrtsmonitor auf klimatisierte Züge hin.
Welche Linien in Wien sind bereits vollständig klimatisiert?
Alle Busse der Wiener Linien verfügen über Klimaanlagen, ebenso sämtliche Züge der U-Bahn-Linie U6. Bei den Schienenfahrzeugen insgesamt liegt der Klimatisierungsgrad aktuell bei 64 Prozent.
Wiener Öffis: Klimatisierung dauert noch Jahrzehnte | finanz360