WhatsApp führt Benutzernamen ein: Handynummer soll für Chatpartner unsichtbar werden
Menlo Park, 29. Juni 2026
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Kurzfassung
WhatsApp erlaubt seinen rund drei Milliarden Nutzern künftig, statt der Handynummer einen individuellen Benutzernamen zu verwenden. Die weltweite Reservierung der Wunschnamen beginnt am 29. Juni, die Freischaltung erfolgt schrittweise im Laufe des Jahres.
Der zu Meta gehörende Messenger-Dienst WhatsApp ermöglicht seinen rund drei Milliarden Nutzern weltweit künftig, Chats und Anrufe über einen individuellen Benutzernamen abzuwickeln, ohne die eigene Handynummer preiszugeben.
Hintergrund: Was ändert sich für Nutzer?
Mit der Neuerung übernimmt WhatsApp eine Funktion, die andere Messenger wie Signal oder Telegram bereits anbieten. Künftig sollen Nutzer selbst entscheiden können, wem sie ihre Telefonnummer zeigen. Das gilt etwa beim Beitritt zu Gruppenchats oder beim Kennenlernen neuer Kontakte. Wer über den Benutzernamen angeschrieben wird oder selbst jemanden kontaktiert, gibt die eigene Telefonnummer nicht preis – außer sie ist bei der anderen Person bereits im Telefonbuch gespeichert.
Alice Newton-Rex, Vizepräsidentin für Produktentwicklung bei WhatsApp, bezeichnet die Neuerung als das "nächste große Datenschutz-Upgrade" des Unternehmens. Wie Meta am Montag mitteilte, werde die Änderung schrittweise ausgerollt, "bevor die eigentliche Funktion im Laufe des Jahres schrittweise für alle Nutzer freigeschaltet wird, heißt es von Whatsapp." Konkret bedeutet das: "Whatsapp ermöglicht seinen Nutzerinnen und Nutzern künftig, über einen Benutzernamen statt über die Telefonnummer miteinander in Kontakt zu treten."
Reservierung startet weltweit am 29. Juni
Im Zentrum der Umstellung steht die Idee, dass Nutzer künftig nicht mehr automatisch ihre Handynummer mit fremden Chatpartnern teilen müssen. "Bisher war die mit WhatsApp verknüpfte Telefonnummer für alle sichtbar, mit denen ein neuer Chat gestartet wurde", beschreibt das Unternehmen den Ausgangszustand. Wer künftig einen Benutzernamen aktiviert, behalte die Kontrolle darüber, wer welche Information zu sehen bekommt. "Die Telefonnummer bleibt dann nur für Personen sichtbar, die sie bereits im Telefonbuch gespeichert haben."
Die weltweite Phase zur Reservierung der Wunschnamen startet am 29. Juni. "Weil mit großem Interesse gerechnet wird, startet die Reservierung der Benutzernamen weltweit gleichzeitig", erklärte WhatsApp. Damit will das Unternehmen verhindern, dass einzelne Regionen oder Nutzergruppen bevorteilt werden. Jeder Benutzername muss laut WhatsApp eindeutig sein, kann aber später geändert oder gelöscht werden.
Sonderfunktion für Unternehmen und Influencer
Unternehmen, Influencer oder Organisationen erhalten zudem eine Sonderfunktion: Durch eine Verknüpfung mit ihrem Meta-Konto können sie ihre bereits etablierten Facebook- oder Instagram-Nutzernamen direkt für WhatsApp beanspruchen. "Firmen, Organisationen und Influencer erhalten zusätzlich die Möglichkeit, ihren bestehenden Facebook- oder Instagram-Namen über das Meta-Konto direkt für WhatsApp zu übernehmen", heißt es von WhatsApp. Damit soll der Wechsel zwischen den Plattformen für geschäftliche und öffentliche Kommunikation erleichtert werden.
Sicherheit per Username Key
Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein optionaler "Username Key", den Nutzer aktivieren können. "Haben Nutzer diesen aktiviert, müssen Fremde diesen zusätzlichen Code kennen, um überhaupt die allererste Nachricht an den Benutzernamen senden zu können", erläutert WhatsApp. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Unbekannte beliebige Nutzer anschreiben. Der Code lässt sich laut Anbieter jederzeit ändern oder deaktivieren.
Um Spam und unerwünschte Kontaktanfragen zu verhindern, wird es kein öffentliches Verzeichnis zum Durchsuchen und keine Namensvorschläge (Autocomplete) geben. "Damit Nutzer nicht von Fremden angeschrieben werden, wird es weder ein öffentliches Verzeichnis noch Vorschläge für Benutzernamen geben. Wer jemanden kontaktieren möchte, muss dessen Benutzernamen genau kennen." Auch bei Anrufen über WhatsApp wird künftig der Benutzername statt der Telefonnummer angezeigt.
Wer noch keine Idee für einen passenden Namen hat, kann auf einen in die App integrierten Namensgenerator zurückgreifen. "Wer noch keine Idee hat, kann einen Namensgenerator zur Inspiration nutzen." Damit reagiert WhatsApp auf die Erfahrung, dass viele Nutzer bei der Suche nach einem einprägsamen, aber nicht bereits vergebenen Namen Unterstützung benötigen.
Handynummer bleibt für die Registrierung Pflicht
Eine vollständige Abkehr von der Telefonnummer ist mit der Umstellung allerdings nicht verbunden. Für die Registrierung bei WhatsApp bleibt eine Telefonnummer erforderlich. "Für die generelle Erstellung eines WhatsApp-Kontos bleibt die Handynummer indes weiterhin zwingend erforderlich." WhatsApp begründet dies mit Anforderungen zur Missbrauchsbekämpfung sowie zur Wiederherstellung von Konten.
WhatsApp im Wettbewerb mit Signal und Telegram
Im globalen Wettbewerb der Messenger-Dienste ist WhatsApp der mit Abstand größte Anbieter. "Whatsapp ... dominiert den weltweiten Markt der Messenger-Dienste mit rund 3 Milliarden Anwendern", heißt es in einer Übersicht. Zum Vergleich: Telegram kommt nach Schätzungen auf rund eine Milliarde Nutzer und ist damit die größte WhatsApp-Alternative. Signal, das bereits seit Anfang 2024 die Möglichkeit bietet, die Telefonnummer hinter einem Benutzernamen zu verbergen, wächst nach Unternehmensangaben auf 70 bis 100 Millionen Nutzer.
Dass WhatsApp mit der neuen Funktion erst jetzt nachzieht, wird von Beobachtern als Reaktion auf den anhaltenden Wettbewerbsdruck gewertet. "Andere Messenger wie Signal und Telegram bieten solche Funktionen schon seit Längerem an - Whatsapp zieht nach." Insbesondere Signal habe sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als besonders datenschutzfreundliche Plattform erarbeitet. Telegram wiederum setzt öffentliche Benutzernamen bereits seit Langem als Standard voraus, was die Auffindbarkeit von Kanälen und Gruppen erleichtert.
Threema und Session als datensparsame Alternativen
Noch konsequenter verfahren alternative Messenger aus dem deutschsprachigen Raum. "Diese Apps verzichten sogar bei der Registrierung komplett auf persönliche Daten wie die Telefonnummer und funktionieren rein über zufällig generierte IDs." Genannt werden in diesem Zusammenhang vor allem Threema, das "insbesondere in der Schweiz und in Deutschland sowie bei datenschutzbewussten Unternehmen und Behörden einen guten Ruf" genießt, sowie Session. Beide Apps verlangen laut dem Text keine Telefonnummer für die Registrierung.
Threema kommt nach Angaben des Unternehmens auf knapp zehn Millionen Nutzer und positioniert sich vor allem im DACH-Raum als Alternative für datenschutzsensible Anwender. Der schweizerische Anbieter wirbt damit, dass weder eine Telefonnummer noch eine E-Mail-Adresse zur Kontoerstellung nötig sind. Session verfolgt einen ähnlichen Ansatz und nutzt eine dezentrale Infrastruktur, um die Zuordnung von Nachrichten zu Personen zu erschweren.
Für Meta, den Mutterkonzern von WhatsApp, ist die Einführung von Benutzernamen Teil einer breiter angelegten Datenschutzstrategie. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren wiederholt mit Vorwürfen zu kämpfen, unzureichend mit Nutzerdaten umzugehen. Mit dem "nächste große Datenschutz-Upgrade" versucht WhatsApp, das Vertrauen der Nutzer zu stärken, ohne dabei die Bindung an eine Telefonnummer vollständig aufzugeben.
Die Reservierung der gewünschten Benutzernamen beginnt weltweit Ende Juni. Im Laufe des Jahres will der Messenger die Funktion schrittweise weltweit freischalten. Nutzer, die sich frühzeitig einen Namen sichern wollen, können dies ab dem 29. Juni tun. Bis die Funktion tatsächlich für alle verfügbar ist, wird es allerdings noch einige Monate dauern.
Mit der Umstellung einher geht auch eine stärkere Kontrolle der eigenen Online-Identität. "Bald können auch die Nutzer bei WhatsApp über einen individuellen Benutzernamen miteinander chatten und telefonieren, ohne ihre Handynummer preiszugeben." Wer den Benutzernamen aktiviert, kann außerdem leichter wechselnden Geräten oder SIM-Karten nutzen, ohne dass bestehende Kontakte die neue Nummer mitgeteilt bekommen müssten.
Welche Auswirkungen die Neuerung auf den Alltag der rund drei Milliarden WhatsApp-Nutzer haben wird, bleibt abzuwarten. Klar ist aber bereits jetzt, dass die Hürde, mit Fremden in Kontakt zu treten, mit einem Benutzernamen deutlich sinkt. Insbesondere in Regionen, in denen WhatsApp eine zentrale Rolle für geschäftliche Kommunikation spielt – etwa in Hongkong – dürfte die Funktion auf Interesse stoßen. Nutzer in Deutschland und der Schweiz haben daneben weiterhin die Möglichkeit, auf alternative Messenger wie Threema oder Signal auszuweichen, wenn sie ihre Telefonnummer vollständig verbergen möchten.
Fragen & Antworten
Wer ist Alice Newton-Rex und was hat sie mit dem neuen WhatsApp-Feature zu tun?
Alice Newton-Rex ist Vizepräsidentin für Produktentwicklung bei WhatsApp und hat die Einführung der Benutzernamen als das "nächste große Datenschutz-Upgrade" des Unternehmens bezeichnet.
Ab wann können WhatsApp-Nutzer einen Benutzernamen reservieren?
Die weltweite Phase zur Reservierung der Wunschnamen startet am 29. Juni 2026 und läuft parallel, damit alle Nutzer die gleichen Chancen auf ihren Wunschnamen haben.
Warum bleibt eine Handynummer für die WhatsApp-Registrierung weiterhin Pflicht?
Für die Erstellung eines WhatsApp-Kontos bleibt die Handynummer zwingend erforderlich, unter anderem zur Missbrauchsbekämpfung und Wiederherstellung von Konten – sichtbar wird sie für neue Kontakte aber nur noch, wenn diese nicht bereits über den Benutzernamen kontaktiert werden.
WhatsApp Benutzernamen starten: Reservierung ab 29. Juni | finanz360