Vermittler: Iran-Gespräche werden auf Arbeitsebene fortgesetzt
Luzern, 22. Juni 2026
Amir Pashaei / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Die USA und der Iran haben am Sonntag im schweizerischen Bürgenstock bei Luzern direkte Verhandlungen aufgenommen und wollen innerhalb von 60 Tagen ein «finales Abkommen» erreichen. Nach einer kurzen Unterbrechung wegen Drohungen von US-Präsident Donald Trump sollen die Gespräche auf Arbeitsebene fortgesetzt werden.
Die USA und der Iran haben am Sonntag im Luxushotel Bürgenstock bei Luzern direkte Verhandlungen aufgenommen und wollen nach Angaben der Vermittler Katar und Pakistan innerhalb von 60 Tagen ein «finales Abkommen» zur Beendigung des Krieges erreichen.
Erste direkte Verhandlungen in der Schweiz
Nach dem Treffen der leitenden Unterhändler sollen unmittelbar im Anschluss weitere Beratungen auf Arbeitsebene stattfinden, wie aus einer in der Nacht veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Vermittler hervorgeht. Demnach werde erwartet, dass die Gespräche die Nacht über fortgesetzt würden. Ein US-Diplomat sagte in der Nacht auf Montag, die iranische Delegation befinde sich nach wie vor im Luxushotel Bürgenstock.
Die Verhandlungen waren am Sonntag kurz nach Beginn ins Stocken geraten, nachdem US-Präsident Donald Trump in seinem Online-Netzwerk den Iran aufgefordert hatte, die Hisbollah im Libanon umgehend davon abzuhalten, weiter Unruhe zu stiften. Ansonsten könnte es neue Angriffe auf den Iran geben. Die iranische Delegation verließ laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna zwischenzeitlich den Verhandlungsort auf dem Bürgenstock bei Luzern. Dabei handelte es sich offenbar um eine Reaktion auf eine neue Drohung von US-Präsident Trump.
Zwischenfall durch Trump-Drohung
Trotz des Zwischenspiels erklärten die Vermittler, die Gespräche seien letztlich nicht gescheitert. In den frühen Morgenstunden hieß es in einer Erklärung, die Gespräche hätten in einer «positive und konstruktive Atmosphäre» stattgefunden. Es wurden ermutigende Fortschritte erzielt, inklusive der Schaffung eines Mechanismus für weitere Gespräche. Die Erklärung wurde auf der Plattform X veröffentlicht.
60-Tage-Frist für ein finales Abkommen
Die USA und der Iran hatten in der vergangenen Woche ein Rahmenabkommen mit dem Ziel abgeschlossen, innerhalb von 60 Tagen ein umfassendes Abkommen zur Beendigung des Krieges zu erreichen. Eine gemeinsame Erklärung der Vermittler Katar und Pakistan kündigte diese 60-Tage-Frist über Nacht an. Die Verhandlungen auf Arbeitsebene sollen das iranische Atomprogramm, westliche Sanktionen, die Sicherheit in der Straße von Hormus sowie den Waffenstillstand im Libanon umfassen.
Auf iranischer Seite verhandeln der iranische Parlamentspräsident Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghchi. Die US-Delegation wurde von Vizepräsident JD Vance angeführt, der an dem Treffen zusammen mit dem Sondergesandten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teilnahm. Als Vermittler nehmen auch Delegationen aus Pakistan und Katar teil. Zudem traf der Schweizer Bundesrat Ignazio Cassis den pakistanischen Ministerpräsidenten Shebaz Sharif sowie US-Vizepräsident JD Vance.
Beteiligte Delegationen und Vermittler
Am Rande des Treffens veröffentlichte der katarische Premierminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani ein Foto, das ihn gemeinsam mit US-Vizepräsident JD Vance und Jared Kushner zeigt. Vance war auf dem Bild beim Tippen auf einem Laptop zu sehen. Al Thani schrieb auf X: «Live aus Luzern, die Arbeit geht weiter».
Zum Auftakt des Treffens hatte US-Vizepräsident Vance noch von einer Annäherung an den Iran gesprochen. Laut Berichten sprach Vance zudem von einem «historischen Treffen» und davon, ein neues Kapitel aufzuschlagen, um unsere Beziehung zum iranischen Volk zu verändern, und ihm eine ausgestreckte Hand anzubieten. Die US-Seite äußerte sich in der Nacht zunächst nicht zum Ergebnis des ersten Verhandlungstages.
Stimmen aus Teheran und Washington
Irans Außenminister Araghchi schrieb auf X, es habe «große Fortschritte» bei den Bemühungen zur Beendigung des Krieges im Libanon gegeben. Zudem erklärte er, das gemeinsame Forum zur Überwachung der Einhaltung des Waffenstillstands im Libanon sei der «erste wirkliche Test» der Vereinbarungen. Araghchi zufolge ist auch ein größerer Plan für den Wiederaufbau im Iran angelaufen. Diese Angaben Araghchis konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Den Angaben Araghchis auf X zufolge ist die US-Seeblockade iranischer Häfen aufgehoben worden, und erste eingefrorene iranische Vermögenswerte sollen freigegeben werden. Auch sollten Mechanismen eingerichtet werden, um sicherzustellen, dass die für den Erdöl- und Flüssiggas-Handel wichtige Meerenge vollständig geöffnet bleibe. Wie der SRF-Korrespondent berichtete, gehe es bei den Gesprächen unter anderem auch darum, «verwirrende Botschaften des Iran» über die Straße von Hormus zu klären.
Waffenstillstand, Straße von Hormus und Libanon
Im April war ein Waffenstillstand in Kraft getreten, der jedoch wiederholt gebrochen wurde. Zwischen den Kriegsparteien wurde ein Kommunikationskanal eingerichtet, um Vorfälle in der Straße von Hormus zu verhindern und die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die für den Welthandel wichtige Meerenge zu gewährleisten. Zudem wurde ein Forum zur Überwachung der Einhaltung des Waffenstillstands im Libanon geschaffen, wo die israelische Armee und die pro-iranische Hisbollah-Miliz wiederholt gegenseitige Angriffe ausführen.
Wie ein SRF-Korrespondent erklärte, sei «Das Misstrauen ist zu gross». Die Hisbollah im Libanon wies Berichten zufolge jede israelische Sicherheitszone zurück. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist laut Ticker-Meldungen erneut zurückgegangen.
Iran und die Frage der Atomwaffen
Irans Präsident Peseschkian signalisierte den USA am Sonntag, dass der Iran auch eine schriftliche Garantie für seinen Verzicht auf Atomwaffen abgeben könnte. Er bekräftigte, dass der frühere oberste Führer Ali Khamenei die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen aus religiösen Gründen abgelehnt habe. Laut der Nachrichtenagentur Irna sagte Peseschkian: «Falls notwendig, können wir schriftlich festhalten, dass wir nicht beabsichtigen, eine Atombombe zu bauen». Ob eine solche Zusicherung Teil der laufenden Gespräche mit den USA in der Schweiz sein werde, ließ Peseschkian offen.
Die politische Führung der Islamischen Republik beharrt darauf, keine Atomwaffen anzustreben. Es sollen Arbeitsgruppen zum iranischen Atomprogramm und zu westlichen Sanktionen eingerichtet werden.
Die USA und Israel hatten den Iran-Krieg Ende Februar begonnen. Vance hatte zuvor angekündigt, am Montag in die USA zurückreisen zu wollen. Die erste direkte Begegnung der Delegationen am Sonntagnachmittag dauerte Berichten zufolge etwas mehr als eine Stunde.
Mehrere Medien berichten über laufende Bemühungen, um eine Fortsetzung der Gespräche zu erreichen. Die technischen Gespräche zur Umsetzung der Vereinbarungen sollen noch im Laufe der laufenden Woche im Luxushotel Bürgenstock bei Luzern fortgesetzt werden. Diese Nachricht wurde am 22.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Wer hat für die USA und den Iran am Bürgenstock verhandelt?
Die US-Delegation wurde von Vizepräsident JD Vance geleitet, zusammen mit Sondergesandtem Steve Witkoff und Jared Kushner. Für den Iran verhandelten Parlamentspräsident Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghchi.
Warum haben die Gespräche in der Schweiz zwischenzeitlich gestockt?
Die Runde kam kurz nach Beginn ins Stocken, als US-Präsident Donald Trump den Iran in seinem Online-Netzwerk ultimativ aufforderte, die Hisbollah im Libanon zu stoppen, und andernfalls neue Angriffe androhte. Die iranische Delegation verließ daraufhin vorübergehend den Verhandlungsort.
Was sind die nächsten Schritte nach dem Treffen im Bürgenstock?
Den Vermittlern Katar und Pakistan zufolge sollen die Gespräche auf Arbeitsebene unmittelbar fortgesetzt und innerhalb von 60 Tagen ein finales Abkommen erreicht werden. Arbeitsgruppen werden unter anderem zum iranischen Atomprogramm und zu westlichen Sanktionen eingerichtet.
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