USA und Iran einigen sich in der Schweiz auf Fahrplan für ein Friedensabkommen
Luzern, 22. Juni 2026
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Kurzfassung
Nach 18-stündigen Verhandlungen in der Schweiz haben sich die USA und der Iran auf einen Fahrplan für ein Friedensabkommen verständigt. Ziel ist innerhalb von 60 Tagen ein «finales Abkommen»; Vermittler Katar und Pakistan sprachen von ermutigenden Fortschritten.
Die USA und der Iran haben sich nach einer ersten Verhandlungsrunde in der Schweiz auf einen Fahrplan für ein umfassendes Friedensabkommen geeinigt, der innerhalb von 60 Tagen zu einem «finalen Abkommen» führen soll.
Nach 18-stündigen Gesprächen auf Spitzenebene gaben die Vermittler Katar und Pakistan am frühen Montagmorgen den Abschluss der ersten Runde bekannt, wie die dpa-AFX-Meldung aus Luzern festhält. Die Delegationen der USA und des Iran hatten die Verhandlungen am Sonntag in einem Luxushotel auf dem Bürgenstock am Vierwaldstättersee aufgenommen.
Das Ergebnis ist eine gemeinsam formulierte Roadmap: Innerhalb von 60 Tagen sollen die Konfliktparteien ein «finales Abkommen» erreichen. Zudem soll unmittelbar im Anschluss an die Spitzenrunde auf Arbeitsebene weiterverhandelt werden. Diese Formulierung geht aus der von Katar auf der Plattform X verbreiteten Erklärung hervor.
Fahrplan mit 60-Tage-Frist und Arbeitsgruppen
Kern der Verständigung ist ein neu eingerichteter Gesprächskanal zwischen den Kriegsparteien, der Missverständnisse oder Zwischenfälle in der Straße von Hormus verhindern und die sichere Passage für Schiffe durch die Meerenge gewährleisten soll. Katar und Pakistan erklärten weiter: «Es wurden ermutigende Fortschritte erzielt, inklusive der Schaffung eines Mechanismus für weitere Gespräche». Die Gespräche seien in einer positiven und konstruktiven Atmosphäre verlaufen.
Die technischen Gespräche zur Umsetzung der Vereinbarungen sollen demnach den Rest der Woche im schweizerischen Luxusresort Bürgenstock fortgesetzt werden. Parallel dazu sollen Arbeitsgruppen unter anderem zu Irans Atomprogramm und zu den westlichen Sanktionen eingerichtet werden, heisst es in der Erklärung weiter.
Araghtschis Bilanz: Fortschritte bei Blockade und Sanktionen
Der Abbas Araghtschi erklärte auf X, es seien «wesentliche Fortschritte» erzielt worden. Er lobte Pakistan und Katar ausdrücklich für ihre Vermittlerrolle. Sein Esmail Baghaei bestätigte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, es seien «gute Fortschritte erzielt worden».
Nach Angaben Araghtschis hat Teheran darüber hinaus konkrete Zugeständnisse ausgehandelt: Die US-Seeblockade iranischer Häfen sei aufgehoben, erste eingefrorene iranische Guthaben würden freigegeben, und Teheran habe Ausnahmegenehmigungen für Öl- und Petrochemie-Exporte sowie einen Wiederaufbauplan vereinbart. «Auch ein großer Plan für den Wiederaufbau in Iran sei angestoßen worden», sagte der Außenminister. Diese Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Libanon als zweiter Pfeiler der Verständigung
Ein zweiter Pfeiler der Verständigung betrifft den Libanon: Das Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA sieht unter anderem ein Ende der Kämpfe im Südlibanon vor, wo es immer wieder zu gegenseitigen Attacken der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz kommt. «Zudem sei ein Forum geschaffen worden, um für die Einhaltung der Waffenruhe auch im Libanon zu sorgen», heisst es in der Erklärung.
Araghtschi bezeichnete das gemeinsame Forum zur Überwachung der Waffenruhe im Libanon als den «ersten wirklichen Test» der Vereinbarungen. Geplant ist ausserdem, gemeinsam mit dem Libanon eine Art Konfliktlösungseinheit aufzustellen, um die Kämpfe im Land zu beenden.
Israel lehnt Teile des Rahmenabkommens ab
Allerdings gibt es bereits Widerstände: Israel lehnt die im Rahmenabkommen vorgesehenen Einschränkungen strikt ab. Wie ZDF-Korrespondent Reichart berichtete, habe man den Eindruck, «dass Israels Regierung insgesamt dieses Rahmenabkommen ablehnt». Der israelische Armee werde sich nicht aus dem Südlibanon zurückziehen.
Auch auf US-Seite blieb die Reaktion zunächst verhalten. Die US-Seite äusserte sich in der Nacht nicht unmittelbar zum Ausgang des ersten Verhandlungstags. Vance hatte zuvor erklärt, Präsident Trump habe darum gebeten, «ein neues Kapitel aufzuschlagen, um die Beziehungen zum iranischen Volk zu verändern».
Zwischenstocken und Trumps Drohungen
Die Verhandlungsrunde war nach iranischer Darstellung kurz nach ihrem Beginn in der Schweiz ins Stocken geraten. Als Grund dafür nannte die iranische Delegation Drohungen von Donald Trump mit neuen Angriffen auf den Iran. Anlass für die Drohungen sei laut der Erklärung die iranische Unterstützung der Hisbollah-Miliz im Libanon gewesen.
Die USA und der Iran werden in der Vermittlererklärung als «Kriegsparteien» bezeichnet. Vor diesem Hintergrund ist die Einigung über einen Kommunikationskanal in der Meerenge strategisch bedeutsam, gilt die Straße von Hormus doch als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Öltransport.
Straße von Hormus: ein fragiler Kanal
Der Bericht enthält zudem ein Videosegment vom 19.06.2026 (1:38 min) über den Kommunikationskanal für sichere Schifffahrt in Hormus sowie ein weiteres Videosegment vom 20.06.2026 (1:20 min), in dem es heisst, Iran werfe den USA vor, den Krieg nicht zu beenden, und habe erneut die Straße von Hormus gesperrt. Diese spätere Meldung steht im Kontrast zur Vereinbarung über sichere Schifffahrt und verdeutlicht die Fragilität des Erreichten.
Die nun erzielte Roadmap ist somit vor allem ein Fahrplan: Innerhalb von 60 Tagen sollen die Streitfragen – Atomprogramm, Sanktionen, Wiederaufbau, eingefrorene Gelder, Sicherheit in der Meerenge und die Lage im Libanon – soweit geklärt werden, dass ein «finales Abkommen» unterzeichnet werden kann. Ob dieser Zeitrahmen eingehalten wird, hängt auch davon ab, ob die kommenden Arbeitsgruppentreffen am Bürgenstock die nötigen Fortschritte bringen und ob Washington die iranischen Angaben zu Blockade und eingefrorenen Guthaben bestätigt.
Insgesamt zeichnet die gemeinsame Erklärung der Vermittler das Bild eines diplomatischen Durchbruchs nach schwierigen Stunden. Die Beteiligten – Katar, Pakistan, die Schweiz als Gastgeber und die Konfliktparteien selbst – haben sichtbar darauf gesetzt, die Gespräche trotz zwischenzeitlicher Stagnation nicht abreißen zu lassen. Die kommenden Tage am Bürgenstock werden zeigen, ob aus dem Fahrplan ein tragfähiger Frieden wird.
Fragen & Antworten
Wer vermittelt zwischen den USA und dem Iran?
Katar und Pakistan treten als gemeinsame Vermittler auf und haben die Erklärung zur ersten Verhandlungsrunde in der Nacht zum Montag veröffentlicht. Sie sprachen von einer positiven und konstruktiven Atmosphäre und lobten den erzielten Mechanismus für weitere Gespräche.
Was sieht der Fahrplan konkret vor?
Innerhalb von 60 Tagen soll ein «finales Abkommen» erreicht werden; parallel werden Arbeitsgruppen zu Irans Atomprogramm und zu den westlichen Sanktionen eingerichtet, und die Gespräche werden auf Arbeitsebene am Bürgenstock fortgesetzt.
Welche Rolle spielt der Libanon in der Vereinbarung?
Das Rahmenabkommen sieht unter anderem ein Ende der Kämpfe im Südlibanon vor und sieht die Einrichtung eines Forums zur Überwachung der Waffenruhe vor, das der iranische Außenminister als «ersten wirklichen Test» der Vereinbarungen bezeichnete.
USA-Iran-Friedensgespräche: 60-Tage-Fahrplan und | finanz360