Vance in der Schweiz eingetroffen: Direkte Verhandlungen zwischen USA und Iran beginnen
Bern, 21 Juni 2026
Lafloche / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Am Sonntagmorgen haben in der Schweiz hochrangige Vertreter der USA und des Iran direkte Verhandlungen über ein dauerhaftes Friedensabkommen aufgenommen. US-Vizepräsident JD Vance traf am frühen Morgen auf dem Militärflugplatz Emmen ein, die iranische Delegation mit Verhandlungsleiter Mohammad Bagher Ghalibaf war bereits am Samstagabend angereist.
Bern, 21 Juni 2026
US-Vizepräsident JD Vance ist am Sonntagmorgen in der Schweiz eingetroffen, um mit einer hochrangigen iranischen Delegation unter der Leitung von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf direkte Verhandlungen über ein dauerhaftes Friedensabkommen aufzunehmen.
Verhandlungsort und Teilnehmer
Die Gespräche finden im Luxusresort Bürgenstock in der Nähe von Luzern statt, wie das Schweizer Außenministerium EDA mitteilte. Bilder zeigten die Ankunft eines Fahrzeugkonvois mit der US-Delegation in schwarzen SUVs am Verhandlungsort. Neben Vance, der am frühen Morgen auf dem Militärflugplatz Emmen bei Luzern landete, reisten bereits am Samstag Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und dessen Schwiegersohn Jared Kushner an, um die technischen Details vorzubereiten.
Die iranische Delegation um Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghchi war laut iranischem Staatsradio bereits am Samstagabend in der Schweiz eingetroffen. Am Verhandlungstisch sitzen zudem Vertreter der Vermittlerstaaten Pakistan und Katar. Auch der pakistanische Premierminister Muhammad Shehbaz Sharif und Armeechef Marschall Syed Asim Munir befinden sich nach pakistanischen Angaben auf Schweizer Boden. Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA soll Medienberichten zufolge ebenfalls anwesend sein.
Zentrales Thema der Gespräche ist das iranische Atomprogramm. Wie aus den Fakten hervorgeht, will US-Präsident Donald Trump sicherstellen, dass der Iran niemals an Atomwaffen gelangt. Die iranische Führung hat in der Vergangenheit wiederholt versichert, keine Atomwaffen anzustreben. Nach Axios-Berichten erhofft Washington als nächsten Schritt, dass Teheran UN-Inspektoren zur Überprüfung der Atomanlagen einlädt, die zuvor von Israel und den USA bombardiert worden waren; die letzte uneingeschränkte Visite fand im Juni 2025 statt.
Das Rahmenabkommen und seine Eckpunkte
Am Mittwoch hatten beide Seiten ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das eine Frist von 60 Tagen für ein endgültiges Friedensabkommen vorsieht. Darin wird laut den vorliegenden Informationen ausdrücklich auch das Ende sämtlicher Kämpfe einschließlich der gegenseitigen Angriffe im Libanon geregelt. Das Abkommen verweist zudem auf die Gewährleistung der territorialen Integrität und Souveränität des Libanons. Die israelische Militärpräsenz wird in dem Text allerdings nicht explizit erwähnt.
Dass die Verhandlungen überhaupt stattfinden können, ist bemerkenswert: Die USA und der Iran hatten Ende Februar gemeinsam mit Israel den Krieg im Iran begonnen. Fast vier Monate nach Kriegsbeginn kann Trump, der einen schnellen Erfolg versprochen hatte, bislang keine dauerhafte Lösung präsentieren. Die meisten Amerikaner stehen dem Krieg skeptisch gegenüber, Trumps Beliebtheitswerte haben seit Kriegsbeginn erheblich gelitten. Im November stehen in den USA Kongresswahlen an.
Im Gegenzug zur schrittweisen Wiederöffnung der Straße von Hormus hatte die US-Seite nach den vorliegenden Angaben ihre Blockade iranischer Häfen aufgehoben. Während der 60-tägigen Verhandlungen darf der Iran zudem keine Gebühren für die Durchfahrt der Meerenge erheben, wie er zuvor angedroht hatte. Wall Street Journal zufolge versucht Washington zudem, dem Iran Zugang zu insgesamt 100 Milliarden Dollar eingefrorener Mittel für humanitäre Zwecke zu verschaffen. Als ersten Schritt verhandeln die USA mit Katar, das sechs Milliarden Dollar iranischer Gelder hält; über die Zentralbank des Iran sollen humanitäre Güter wie Nahrungsmittel und Medikamente bestellt und aus den eingefrorenen Mitteln bezahlt werden.
Straße von Hormus: Machtinstrument im Hintergrund
Am Tag vor Verhandlungsbeginn hatte das iranische Militär die Straße von Hormus erneut für geschlossen erklärt. Das US-Militär widersprach dieser Darstellung und bekräftigte, der Schiffsverkehr in der Meerenge laufe weiter. Nach Angaben des US Central Command (Centcom) durchquerten am Samstag 55 Schiffe mit 17 Millionen Barrel Öl die Meerenge. Centcom erklärte zudem, die US-Streitkräfte blieben vor Ort, um die Freiheit der Schifffahrt zu sichern und alle Bestimmungen des Rahmenabkommens durchzusetzen.
Die Meerenge ist kaum mehr als 50 Kilometer breit. Normalerweise passiert rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels die Straße. Durch den Krieg im Iran war der Schiffsverkehr über längere Zeiträume weitgehend zum Erliegen gekommen, was die Ölpreise steigen ließ. Selbst Drohungen oder vereinzelte Angriffe, etwa mit Schnellbooten, können den Schiffsverkehr erheblich stören. Trump hatte am Vorabend der Gespräche auf Truth Social gedroht, eine Maut in der Meerenge zu erheben, falls kein endgültiges Friedensabkommen zustande komme, und schrieb, die USA könnten sich ihre Dienste als „Schutzengel" der Region vergüten lassen.
Der Libanon ist nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Trita Parsi vom Quincy Institute eine „rote Linie" für den Iran. Parsi sagte dem Sender CNN, der Iran werde keine weitere Waffenruhe wie in Gaza akzeptieren, die löchrig sei wie ein „Schweizer Käse" und in der Israel einfach weiter nach Belieben vorgehe. Iran wedle kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde mit der Hormus-Waffe, um zu signalisieren, dass die Forderung nach einem Ende der israelischen Angriffe absolut ernst gemeint sei. Zudem glaubt Parsi nicht, dass der Iran die Meerenge wie zuvor angedroht vollständig schließen wird.
Libanon als rote Linie
Parallel zu den Verhandlungen kommt es im Libanon weiter zu Kämpfen. Eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah war am Freitagnachmittag vereinbart worden, wurde aber nach Angaben aus Beirut am Wochenende durch zahlreiche israelische Luftangriffe mit mehr als 30 Toten erschüttert. Libanesische Medien berichteten insgesamt von mehr als 40 getöteten Menschen im Libanon am Samstag und Sonntag sowie vier getöteten israelischen Soldaten. Ein israelischer Armeesprecher sagte laut AFP, Israel führe „keine offensiven Angriffe durch, sondern agiert ausschließlich defensiv innerhalb der Sicherheitszone". Die israelische Armee erklärte am Samstag, aktualisierte Anweisungen zur Waffenruhe erhalten zu haben und weiter defensiv in der Sicherheitszone im Südlibanon zu operieren.
Die iranische Führung hat den Rückzug Israels aus dem Südlibanon zur Bedingung für ein dauerhaftes Kriegsende gemacht. Israel wiederum verfolgt das Ziel, seine nördlichen Ortschaften dauerhaft zu sichern, die immer wieder von der Hisbollah mit Raketen und Drohnen angegriffen werden. Israel will seine Truppen deshalb so lange im Südlibanon halten, bis die Hisbollah ausreichend geschwächt ist und die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen kann. Die Hisbollah gilt als Irans wichtigster politischer und militärischer Partner in der Region.
Die Hisbollah-Miliz und die israelischen Streitkräfte setzten ihre gegenseitigen Angriffe nur wenige Tage nach einer von den USA verkündeten Waffenruhe fort. Die libanesische Regierung hat wiederholt zugesagt, die Hisbollah zu entwaffnen und aus dem Südlibanon zurückzudrängen, konnte diese Schritte bislang jedoch nicht umsetzen. Die Gespräche finden ungeachtet der anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon sowie neuer Spannungen um die Straße von Hormus statt.
Innendruck in den USA und Spannungen mit Israel
Vance zeigte sich vorsichtig optimistisch. „Ich denke, wir werden hoffentlich Fortschritte in der Atomfrage erzielen und auch in der Frage der Waffenruhe im Libanon vorankommen", sagte er vor seiner Abreise. Er erklärte zudem, er werde nur ein oder zwei Tage in der Schweiz bleiben. Die Gespräche waren ursprünglich für Freitag angesetzt gewesen, wurden jedoch wegen der gegenseitigen Angriffe der israelischen Armee und der Hisbollah kurzfristig verschoben, nachdem der Iran seine Delegationsteilnahme zunächst abgesagt hatte. Es handelt sich um die ersten direkten Gespräche zwischen den beiden Ländern seit einem Gipfel in Islamabad im April.
Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Bagahei, erklärte, die Delegation solle die Einhaltung der Verpflichtungen der anderen Seite im Rahmen des Abkommens überwachen und einfordern. Iran fordert die Einstellung der Kämpfe im gesamten Libanon, wie in der Absichtserklärung vereinbart, und verlangt von den USA, Druck auf den Verbündeten Israel auszuüben. Vance sagte im Gespräch mit Fox News: „Wir üben erheblichen wirtschaftlichen Druck auf die Iraner aus, den wir jedoch bereit wären zu lockern, wenn sie das tun, was wir von ihnen erwarten."
Unter den US-Republikanern regt sich indes Kritik an den Zugeständnissen im Rahmenabkommen, etwa mit Blick auf einen Wiederaufbaufonds oder gelockerte Sanktionen. Israel ist an den Verhandlungen in der Schweiz nicht beteiligt und sieht die Zugeständnisse der USA in der Absichtserklärung kritisch. Zwischen Trump und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu war es Berichten zufolge zuletzt wiederholt zu Spannungen gekommen. Was nach Ablauf der 60 Tage mit der Meerenge geschehen soll, soll laut Rahmenabkommen vom Iran mit Oman und unter Einbeziehung der Anrainerstaaten in Einklang mit dem Völkerrecht ausgehandelt werden.
Was nun auf dem Spiel steht
Insgesamt verhandeln die USA und der Iran auf zwei parallelen Schienen: über das Atomprogramm sowie über die regionale Sicherheitslage mit Schwerpunkt Libanon. Für Trump, der im Iran-Krieg einen schnellen Erfolg versprochen hatte, ist das 60-Tage-Fenster entscheidend, um ein dauerhaftes Abkommen vorzulegen – andernfalls drohen ihm innenpolitisch wie im Verhältnis zu Israel weitere Belastungen.
Fragen & Antworten
Wer verhandelt in der Schweiz für die USA und den Iran?
Für die USA reiste Vizepräsident JD Vance an, begleitet von Sondergesandtem Steve Witkoff und Jared Kushner. Die iranische Delegation wird von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghchi geführt, wie iranisches Staatsradio berichtete.
Was sieht das am Mittwoch unterzeichnete Rahmenabkommen vor?
Das Rahmenabkommen sieht eine Frist von 60 Tagen für ein endgültiges Friedensabkommen vor, regelt das Ende sämtlicher Kämpfe einschließlich der gegenseitigen Angriffe im Libanon und verbietet dem Iran, während der Verhandlungen Gebühren für die Durchfahrt der Straße von Hormus zu erheben.
Warum ist die Straße von Hormus in den Verhandlungen so wichtig?
Durch die kaum mehr als 50 Kilometer breite Meerenge fließt normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Eine Schließung oder auch nur Drohungen und einzelne Angriffe können den Schiffsverkehr erheblich stören und die Ölpreise steigen lassen, weshalb die Frage der freien Durchfahrt zum zentralen Druckmittel beider Seiten geworden ist.
USA-Iran-Verhandlungen Schweiz: Vance und iranische | finanz360