USA greifen iranische Luftabwehr- und Radarsysteme an der Straße von Hormus an
Washington/Jerusalem, 10. Juni 2026
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Kurzfassung
Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Mittwoch iranische Luftabwehr- und Radarsysteme an der Straße von Hormus angegriffen. US-Präsident Donald Trump sprach von einer notgedrungenen Reaktion auf den Abschuss eines Apache-Hubschraubers durch den Iran. Die Rettung der beiden Piloten dauerte rund zwei Stunden.
Washington/Jerusalem, 10. Juni 2026
Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Mittwoch iranische Luftabwehr- und Radarsysteme an der Straße von Hormus mit mehreren Angriffswellen bombardiert, nachdem am Vorabend ein US-Kampfhubschrauber vom Typ Apache nahe der Küste des Oman abgeschossen worden war.
Das US-Militär begann die als Selbstverteidigung charakterisierten Angriffe am Dienstag um 17 Uhr Ortszeit Washington, wie das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mitteilte. In Deutschland begannen die Einsätze demnach um 23 Uhr. Präsident Donald Trump habe die Angriffe angeordnet, erklärte Centcom. Insgesamt seien Einrichtungen an fünf Standorten in der Region um die Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel getroffen worden. Laut übereinstimmenden Medienberichten handelte es sich um Luftabwehrstellungen, Radaranlagen und Artillerie-Batterien.
Trump hatte die Vergeltung wenige Stunden vor dem Angriff auf seiner Online-Plattform Truth Social angekündigt. Die Iraner hätten in der vorherigen Nacht einen "hochmodernen" Apache-Hubschrauber der US-Armee abgeschossen, als dieser in der Straße von Hormus auf Patrouille gewesen sei, schrieb der Präsident. Er fügte hinzu, die Vereinigten Staaten müssten notgedrungen reagieren. In einem Telefonat mit dem ABC-Korrespondenten Jonathan Karl erklärte Trump später, die Antwort müsse "sehr stark, sehr kraftvoll" ausfallen – "und genau das ist sie auch".
Abschuss des Apache-Hubschraubers
Hintergrund des Vorfalls war nach Angaben des US-Militärs der Abschuss des Hubschraubers vom Typ AH-64 Apache. CNN hatte unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, eine iranische Shahed-Drohne habe den Helikopter vor der Küste des Oman getroffen. Spätere Agenturmeldungen zitierten indes noch nicht bestätigte US-Militärinformationen, wonach es möglicherweise eine Kollision mit einer Drohne gegeben habe. Centcom erklärte zum Zeitpunkt des Vorfalls, die genaue Ursache sei noch unklar.
Die beiden Besatzungsmitglieder des abgeschossenen Hubschraubers seien unverletzt und in Sicherheit, hieß es aus dem US-Militär. Die Soldaten seien binnen etwa zwei Stunden sicher gerettet worden und befänden sich in einem stabilen Zustand. An der Rettung war nach Centcom-Angaben erstmals ein unbemanntes Wasserfahrzeug des Herstellers Saronic beteiligt. Die "New York Times" hatte zuvor über den Absturz berichtet.
Ausmaß der US-Angriffe
Centcom bezeichnete die US-Angriffe als "angemessene Reaktion auf die ungerechtfertigte iranische Aggression". Aus iranischen Medienberichten ging hervor, dass es an der Südküste des Landes in der Nähe der Straße von Hormus mehrere Explosionen gegeben habe. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete Einschläge in der Hafenstadt Sirik und in der Regionalhauptstadt Bandar Abbas. Auch auf der Insel Qeshm und im Bereich der Großstadt Bandar Abbas seien Explosionen zu hören gewesen.
Die Angriffe erfolgten vor dem Hintergrund einer ohnehin labilen Sicherheitslage im Nahen Osten. Bereits am Sonntagabend hatte der Iran erstmals Raketen auf Israel abgefeuert, seit Anfang April eine fragile Waffenruhe in Kraft getreten war. Die iranischen Revolutionsgarden begründeten die Angriffe mit israelischen Luftschlägen auf Viertel der libanesischen Hauptstadt Beirut, die als Hochburgen der proiranischen Hisbollah-Miliz gelten. Teheran hatte Israel explizit vor weiteren Angriffen auf Ziele im Südlibanon gewarnt.
Iranische Reaktion und Eskalation in der Region
Am Montag flog die israelische Luftwaffe daraufhin Angriffe auf Ziele im Iran. Anschließend erklärten sowohl Iran als auch Israel, ihre jeweiligen Angriffe wieder einzustellen, doch beide Seiten drohten, die Kampfhandlungen im Falle eines erneuten Angriffs wieder aufzunehmen. Israel griff am Dienstag trotz iranischer Forderungen und Drohungen erneut Ziele im Libanon an. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete mindestens acht Tote bei einem Luftangriff auf die Stadt Tyre. Die israelische Armee hatte die Bewohnerinnen und Bewohner zuvor zur Flucht aufgefordert. Iranische Staatsmedien berichteten am Dienstag, drei Menschen, darunter zwei Soldaten, seien am Vortag bei israelischen Angriffen getötet worden.
Der Iran rief ausländische Streitkräfte unterdessen erneut zum Abzug aus der Region auf. Außenminister Abbas Araghchi schrieb auf der Plattform X: "Verlassen Sie unsere Region, wenn Sie in Sicherheit sein wollen! Die Geschichte des Persischen Golfs kennt viele Kapitel über das tragische Schicksal von Eindringlingen." Er ergänzte, die iranischen Streitkräfte würden keinen Angriff und keine Bedrohung unbeantwortet lassen. Gegenüber Trump sagte er: "Wir bevorzugen die Sprache der Diplomatie, können aber auch andere Sprachen." Auch Irans Parlamentspräsident Ghalibaf warnte in ähnlichem Tonfall. Der iranische UN-Botschafter erklärte unterdessen, ein Abkommen zur Beendigung des Konflikts sei bis Ende Juni möglich.
Verhandlungen und Waffenruhr
Die US-Angriffe fallen in eine Phase, in der Trump mehrfach Optimismus hinsichtlich eines baldigen Friedensabkommens mit Teheran verbreitet hatte. Noch am späten Montagabend hatte er erklärt, man befinde sich "in den letzten Zügen dessen, was ein sehr, sehr gutes Abkommen sein wird". Auch am Dienstag sagte er, ein Abschluss der Verhandlungen sei in den kommenden "zwei oder drei Tagen" möglich. Wenige Stunden später kündigte er dann die Vergeltung für den Hubschrauber-Abschuss an. Trump rief beide Seiten zugleich zu einer "sofortigen" Waffenruhe auf. Nach pakistanischen Angaben war ein Abkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs "kurz vor dem Abschluss", als die jüngsten iranisch-israelischen Angriffe am Sonntag begannen.
Offiziell gilt im Iran-Krieg seit zwei Monaten eine Waffenruhe. Der Konflikt hatte am 28. Februar mit US-israelischen Luftangriffen begonnen. Der Libanon war Anfang März in den Krieg hineingezogen worden. Die Bemühungen um ein dauerhaftes Kriegsende stocken seit Wochen. Trump hatte zu Beginn des Krieges einen schnellen Sieg versprochen und in den vergangenen Monaten wiederholt Erwartungen auf eine baldige Einigung in den Friedensgesprächen geschürt.
Spannungen zwischen Trump und Netanyahu
Parallel zu den militärischen Spannungen belasten die Entwicklungen auch das Verhältnis zwischen Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Mehrere Beobachter bestätigten ein wütendes Telefongespräch zwischen den beiden, das durch Netanyahus Militäroffensive im Libanon ausgelöst worden sei. Der israelische Journalist Barak Ravid, der für führende Medien in Israel und den USA berichtet, gehörte zu den Ersten, die den Inhalt des Gesprächs veröffentlichten. Trump habe Netanyahu dabei vorgeworfen, "verrückt" zu sein, und gesagt: "Du wärst im Gefängnis, wenn ich nicht wäre. Ich rette deinen Hintern. Jeder hasst dich jetzt. Jeder hasst Israel wegen dieser Sache."
Trump habe Netanyahu im Verlauf des Gesprächs zudem gedroht, Israel könne bei einem Alleingang gegen Iran schon bald ohne US-Unterstützung dastehen, berichtete der israelische Fernsehsender Channel 12. Ein anonymer Trump-Berater sagte derweil gegenüber Politico, "nichts hat sich verändert", und fügte hinzu, Diplomaten und Soldaten arbeiteten "vollkommen getrennt". Die Vergeltungsaktion werde die Friedensverhandlungen nicht beeinflussen: "Zwei Dinge können gleichzeitig geschehen." Demgegenüber erklärte Trump im Gespräch mit der "Wall Street Journal", bei dem Vorfall mit dem Hubschrauber sei niemand verletzt worden – es sei "keine grosse Sache". Später sagte er dem Sender, er sei nicht wütend, sondern lediglich "ein bisschen besorgt".
Ravid zufolge empfindet Trump Netanyahu zunehmend als "außer Kontrolle" und egoistisch handelnd. Netanyahus Vorgehen untergrabe die außenpolitische Autorität des US-Präsidenten. Beobachtern zufolge habe Trump während des Telefonats jede diplomatische Zurückhaltung verloren und Netanyahu der Undankbarkeit beschuldigt. Netanyahu wiederum betonte seine Achtung vor seinem "Freund, Präsident Trump", pochte zugleich aber auf Israels Recht auf Selbstverteidigung und sprach von taktischen Meinungsverschiedenheiten, die wie in den besten Familien gelöst werden könnten. Nach Angaben des Senders i24News schließt Netanyahu einen unabhängigen Militärschlag gegen Iran ohne US-Unterstützung nicht aus.
Ausblick und Folgen
Berichten zufolge änderte Trump seine Haltung nach einem Besuch von Verteidigungsminister Pete Hegseth und dem Generalstabsvorsitzenden General Dan Caine im Weißen Haus. Im Hintergrund laufen nach pakistanischen Angaben indirekte US-Iran-Gespräche, an denen auf pakistanischer Seite Armeechef Asim Munir beteiligt ist. Munir empfing am Dienstag seinen libanesischen Amtskollegen Rodolphe Haykal zu Konsultationen. Der UN-Generalsekretär zeigte sich angesichts der neuen Eskalation alarmiert. Christliche Religionsführer im Libanon veröffentlichten unterdessen einen Hilferuf. Der Konflikt hat zudem die Öl- und Treibstoffpreise weltweit steigen lassen.
Trump verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, den Krieg mit dem Iran schnellstmöglich zu beenden, die Region zu deeskalieren und als historischer Friedensstifter dazustehen. Während seines Mandats hatte er unter anderem die US-Botschaft nach Jerusalem verlegt – ein Schritt von historischer diplomatischer Symbolkraft. Im April war bereits ein US-Kampfjet vom Typ F-15 abgeschossen worden, wobei beide Piloten gerettet werden konnten, einer davon bei einer als besonders spektakulär beschriebenen Rettungsaktion.
Die F-15-Abschuss-Episode und das Risiko einer weiteren Eskalation verstärken den Druck auf die ohnehin fragil gewordenen diplomatischen Kanäle. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die parallel laufenden militärischen Aktionen und die Friedensverhandlungen tatsächlich getrennt voneinander fortgeführt werden können, wie es die US-Seite beteuert, oder ob eine der beiden Seiten das Geschehen weiter eskaliert.
Fragen & Antworten
Warum hat die US-Armee Ziele im Iran angegriffen?
Die US-Streitkräfte haben iranische Luftabwehr- und Radarsysteme an der Straße von Hormus angegriffen, nachdem ein US-Kampfhubschrauber vom Typ Apache nahe der Küste des Oman abgeschossen worden war. US-Präsident Trump sprach von einer notgedrungenen Reaktion auf die iranische Aggression.
Was geschah mit den beiden Piloten des abgeschossenen Hubschraubers?
Die beiden Besatzungsmitglieder des Apache-Hubschraubers wurden nach Angaben des US-Militärs unverletzt gerettet. Centcom erklärte, die Soldaten seien binnen etwa zwei Stunden in stabilem Zustand in Sicherheit gebracht worden, wobei erstmals ein unbemanntes Wasserfahrzeug zum Einsatz kam.
Wie ist der Stand der Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran?
Trump hatte noch am Montagabend erklärt, ein Abkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs sei in den kommenden zwei bis drei Tagen möglich. Wenige Stunden später kündigte er jedoch Vergeltung für den Hubschrauber-Abschuss an und rief zugleich beide Seiten zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Parallel laufen nach pakistanischen Angaben indirekte Gespräche unter Vermittlung von Armeechef Asim Munir.
USA greifen Iran an: Vergeltung nach Apache-Abschuss | finanz360