US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht die Entsendung von 5.000 zusätzlichen Soldaten nach Polen angekündigt, was zu Verwirrung über die US-Militärstrategie in Europa führt.

Die Ankündigung erfolgte über Trumps Social-Media-Plattform Truth Social. Er begründete den Schritt mit der guten Beziehung zum polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, den er bei der Wahl unterstützt hatte.

Dies steht im Widerspruch zu früheren Ankündigungen der US-Regierung, die Truppenpräsenz in Europa zu reduzieren. Erst vor drei Wochen hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Abzug von etwa 5.000 Soldaten aus Deutschland angeordnet.

Polens Außenminister Radosław Sikorski dankte Trump für die Entscheidung und betonte, dass die Zahl der US-Soldaten in Polen damit 'mehr oder weniger auf dem bisherigen Niveau' bleiben werde.

Hintergrund

Die Pläne der USA, 4.000 Soldaten nach Polen zu entsenden, waren Anfang Mai gestoppt worden. Die nun angekündigte Verlegung von 5.000 Soldaten übertrifft diese ursprüngliche Planung.

Die Entscheidung sorgt bei europäischen Verbündeten für Unsicherheit. US-Außenminister Marco Rubio hatte den Alliierten mitgeteilt, dass die USA von ihnen 'enttäuscht' seien.

Deutschlands Außenminister Johann Wadephul sieht sein Land in einer 'Führungsposition', wenn es um eine größere europäische Verantwortung innerhalb der NATO geht. Er betonte die Notwendigkeit einer fairen Lastenverteilung.

Reaktionen aus Europa

Der niederländische Premierminister Mark Rutte arbeitet daran, die Beziehung zu Trump zu erhalten, ohne die europäische Würde und Autorität zu opfern. Er hat Diskussionen über einen NATO-Plan B untersagt, um die USA nicht weiter zu verärgern.

Die Zahl der US-Soldaten in Europa ist seit den 1950er Jahren von 475.000 auf aktuell 80.000 gesunken. Das Pentagon plant, im Krisenfall nicht automatisch Truppen für die europäische Verteidigung bereitzustellen.

Alle NATO-Mitglieder haben das Ziel von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung erreicht oder übertroffen. Polen, das am meisten in Verteidigung investiert, sah sich dennoch mit Unsicherheit über die US-Truppenpräsenz an seiner Grenze zu Russland konfrontiert.

Strategische Auswirkungen

Die gemeinsame Verteidigungsklausel der NATO, Artikel 5, erfordert einstimmige Zustimmung und gibt den USA ein Vetorecht. Ein Ersatz für die von den USA dominierte NATO-Kommandostruktur könnte Jahre dauern und Milliarden kosten.

Die Joint Expeditionary Force mit Sitz in London wird als potenzielle Alternative zur NATO gesehen. Frankreich, Deutschland und Polen sind jedoch nicht Teil dieser Truppe.

Europa muss Ersatz für US-Waffen finden, insbesondere für solche, die Russland erreichen können, wie Tomahawk-Marschflugkörper. Die USA haben erwogen, Deutschland den Kauf von Tomahawks zu ermöglichen, nachdem sie ihr Angebot zurückgezogen hatten, diese in Deutschland zu stationieren.

Zukunft der europäischen Verteidigung

Deutschland prüft die Möglichkeit, Langstreckenwaffen aus der Ukraine zu erwerben. Die Ukraine produziert Langstreckenwaffen, die Russland erreichen können, wird aber voraussichtlich in naher Zukunft nicht der NATO beitreten.